Ratgeber

Soll ich meinen Traum von Selbstständigkeit realisieren?

Beruf Ich bin Angestellter in einer IT-Firma, verheiratet und habe zwei Kinder (6 und 8). Seit Jahren träume ich davon, mich selbstständig zu machen. Doch hatte ich bisher nie den Mut zu konkreten Plänen. Nun werde ich 40 und möchte mich definitiv entscheiden, ob ich den Schritt wagen soll. Wie kann ich mir Klarheit verschaffen?

Nicole Kopp*
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Nicole Kopp.

Nicole Kopp.

margherita Delussu

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist eine weitreichende Entscheidung, die Ihnen niemand abnehmen kann. Folgende Überlegungen könnten Ihnen aber dabei helfen:

Träumen liegt in der Natur des Menschen, Träume zu verwirklichen, geht einen Schritt weiter. Zunächst geht es darum, die Realisierbarkeit Ihres lang gehegten Traumes zu überprüfen. Leider scheitert die Umsetzung häufig daran, dass wir das Pferd sozusagen von hinten aufzäumen, indem wir unsere Träume mit einem lapidaren «Das geht ja sowieso nicht» vom Tisch fegen.

Sich Realisierung vorstellen

Ich empfehle Ihnen die umgekehrte Vorgehensweise: Lassen Sie Ihren Traum gedanklich konkret werden: Wie wird es sein, wenn ich selbstständig bin, wie sieht mein Arbeitsalltag aus, wo werde ich meine Arbeit ausführen, wie viel werde ich mutmasslich verdienen etc. Schmücken Sie Ihre Vorstellung aus, visualisieren Sie diese mit einer Zeichnung, Bildern oder Stichworten, wie es Ihnen am leichtesten fällt.

Nun gehen Sie einen Schritt weiter: Wie können Sie Ihren Traum realisieren? Versuchen Sie dabei, die kritischen Stimmen in Ihnen selber zunächst auszublenden: Diese kommen später noch zu Wort. Visualisieren Sie auch diesen Schritt und notieren Sie, was Sie zur erfolgreichen Umsetzung benötigen. So zum Beispiel ein gewisses Startkapital, Partner, Räumlichkeiten, Infrastruktur, potenzielle Kunden etc. Versuchen Sie dabei, sämtliche zur Realisierung notwendigen Schritte zu berücksichtigen.

Nun zu den Problemen

Jetzt, wo Sie wissen, wie Ihr konkreter Traum aussieht und was zur Realisierung nötig wäre, haben auch die kritischen Stimmen ihren Auftritt: So stellen Sie zum Beispiel fest, dass Ihnen im Augenblick das nötige Startkapital fehlt. Nun können Sie für sich klären, ob und welche Möglichkeiten es gibt, das benötigte Kapital zu beschaffen. Vielleicht sehen Sie auch Probleme bei der Kundenakquise und denken über Werbemöglichkeiten nach. In Ihnen stehen nun Macher und Skeptiker einander gegenüber: Was ist machbar, was nicht, welche Probleme lassen sich lösen, welche Hindernisse aus der Welt schaffen, welches sind die Schwachstellen des Projekts.

Risikofreudig oder nicht?

Sie kennen jetzt die wichtigsten Aspekte. Daneben bleiben unbekannte Faktoren. Neues zu wagen, ist stets mit gewissen Risiken verbunden. Ob Sie bereit sind, ein solches Wagnis einzugehen, hat viel mit Ihren persönlichen Wertvorstellungen zu tun: Nehme ich generell gerne Risiken in Kauf? Bin ich bereit, mehr zu arbeiten und allenfalls weniger zu verdienen? Ist es mir wichtig, mehr Zeit für meine Familie zu haben oder nehme ich das Gegenteil in Kauf? Können Sie diese Fragen beantworten, dürfte sich die nötige Klarheit einstellen, um die richtige Entscheidung treffen zu können.

* Nicole Kopp ist Rechtsanwältin, Mediatorin, Coach, betriebliche Mentorin www.familiendialog.ch