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Ratgeber

Sie will Kind alleine grossziehen: Muss ich es anerkennen?

Nach meiner Scheidung hatte ich eine kurze Beziehung zu einer unverheirateten Frau. Nun hat sie einen Sohn geboren. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich der Vater bin. Sie möchte das Kind alleine gross­ziehen. Damit bin ich grundsätzlich einverstanden. Welches sind meine Rechte und Pflichten als möglicher Vater?
MLaw Sabrina Meier*

Kommt ein Kind zur Welt, erfolgt eine Mitteilung an das Zivilstandsamt. Ist lediglich die Identität der Mutter bekannt und eingetragen, wendet sich das Zivilstandsamt an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Diese kontaktiert die Mutter und fordert sie auf, sich über die nötigen Schritte zur Herstellung des Kindsverhältnisses zum Vater und zur Regelung der Unterhaltspflicht beraten zu lassen.

MLaw Sabrina Meier.

MLaw Sabrina Meier.

Kesb errichtet Beistand

Erfolgt dennoch keine Anerkennung durch den Vater, weil die Kindsmutter dies beispielsweise bewusst nicht will, errichtet die Kesb in den meisten Fällen eine Beistandschaft. Die Beistandschaft hat insbesondere den Zweck, das Recht des Kindes auf Kenntnis der Abstammung zu wahren. Die Vaterschaft kann mittels eines DNA-Tests zuverlässig festgestellt werden. Dem potenziellen Vater obliegt die Pflicht, beim DNA-Test mitzuwirken, anderenfalls kann er von den Behörden dazu gezwungen werden.

Von Gesetzes wegen liegt die elterliche Sorge bei nicht verheirateten Eltern allein bei der Mutter. Wird die Vaterschaft nachträglich anerkannt oder festgestellt, ist für die gemeinsame elterliche Sorge eine gemeinsame Erklärung der Eltern erforderlich. Weigert sich ein Elternteil, diese Erklärung abzugeben, kann die Kesb angerufen werden.

Unabhängig von der elterlichen Sorge haben die Eltern gemeinsam für den Unterhalt des Kindes aufzukommen. Sind sich die Eltern über die Unterhaltszahlungen einig, können sie einen von der Kesb genehmigten Unterhaltsvertrag abschliessen. Bei Uneinigkeit kann der Vater gerichtlich verpflichtet werden, Kinderunterhalt an die Mutter zu bezahlen. Weiter hat das Kind erbrechtliche Ansprüche gegenüber dem Vater, insbesondere ist es pflichtteilsberechtigt.

Anerkennung notwendig

Allerdings: Solange die Vaterschaft hingegen nicht anerkannt ist und nicht festgestellt werden kann, besteht zwischen dem potenziellen Vater und dem Kind kein Kindsverhältnis. Mangels anerkanntem oder festgestelltem Kindsverhältnis bestehen Ihrerseits keine Rechte am Kind (z. B. Besuchsrecht) und dafür auch keine Unterhaltspflichten gegenüber dem Kind. Zudem ist das Kind ohne Bestand des Kindsverhältnisses nicht erbberechtigt.

Gegen Willen der Mutter

Sie als potenzieller Vater könnten das Kind auch gegen den Willen der Mutter anerkennen. Das Kind selbst kann bis zu einem Jahr nach Erreichung der Volljährigkeit eine Vaterschaftsklage einreichen, sofern es weiss, wer sein Vater sein könnte. Eine Klage gegen unbekannt ist nicht möglich.

* MLaw Sabrina Meier ist Rechtsanwältin/Notar, Vetsch Rechtsanwälte; www.vetsch-rechtsanwaelte.ch

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