Ratgeber

Schwangerschaft: Welche vorgeburtlichen Tests sind wichtig?

Ich (27) bin seit kurzem schwanger. Bei aller Freude darüber: Mein Freund und ich sind nicht sicher, ob wir alles über das werdende Kind wissen möchten. Welche Tests sind Ihrer Ansicht nach zwingend?

Dr. med. Annette Peyer*
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Grundsätzlich rate ich jedem Paar, sich zu Beginn einer Schwangerschaft von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen über die möglichen vorgeburtlichen Untersuchungen informieren zu lassen. Entscheidend ist, dass sich die werdenden Eltern bereits im Voraus überlegen, welche Konsequenzen sie aus einem Testergebnis ziehen, und ob sie – wie Sie selbst schreiben – überhaupt alles über den Gesundheitszustand ihres Babys wissen möchten.

Dr. med. Annette Peyer

Dr. med. Annette Peyer

Deshalb ist es essenziell, dass man sich zuerst informiert, was getestet wird, und sich bewusst für oder gegen eine Untersuchung entscheidet. In der Schweiz gilt das Recht des «Nicht-Wissens», die Ärztin darf ohne Zustimmung der werdenden Eltern keine Untersuchungen durchführen.

Zu den «Routineuntersuchungen» gehören grundsätzlich der erste Ultraschall in der 12. bis 14. Schwangerschaftswoche sowie der zweite Ultraschall in der 20. Woche. Beim ersten Ultraschall wird geprüft, ob der Fötus lebt, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft handelt und ob sich die Schwangerschaft am richtigen Ort eingenistet hat. Zudem wird das Schwangerschaftsalter bestimmt. Mit der Nackenfaltenmessung können zusätzlich Chromosomenstörungen wie das Down-Syndrom getestet werden. Beim zweiten Ultraschall werden dann das Wachstum, die Organe, das Fruchtwasser sowie die Plazenta beurteilt.

Bei diesen beiden Ultraschallen können schwere Fehlbildungen des Kindes bis zu 90 Prozent ausgeschlossen werden. Ergibt sich bei der Nackenfaltenmessung ein auffälliges Testergebnis, kann man weiterführend verschiedene Bluttests machen.

Mit dem sogenannten Ersttrimestertest (ETT) wird eine Risikoabschätzung für Chromosomenstörungen durchgeführt, und mit dem nicht-invasiven pränatalen Tests (NIPT) werden im mütterlichen Blut kindliche Zellen darauf untersucht, ob eine Trisomie 21, 13 oder 18 vorliegen könnte. Aber auch diese Ergebnisse geben keine 100-prozentige Gewissheit: Zur Bestätigung muss zusätzlich eine Plazenta- oder Fruchtwasserpunktion durchgeführt werden, die ein Abort-Risiko von 0,5 bis 1 Prozent aufweist.

Erster und zweiter Ultraschall sind wichtig

Eine Empfehlung, welche dieser Untersuchungen man durchführen sollte, gibt es meiner Meinung nach nicht. Der erste und zweite Ultraschall sind sicher wichtig, um sich auf die Geburt vorzubereiten. Wird etwa ein Herzfehler diagnostiziert, kann es sinnvoll sein, an einem Ort zu gebären, wo die nötige medizinische Infrastruktur vorhanden ist, um dem Baby einen möglichst guten Start zu ermöglichen.

Jedes Paar muss aber für sich entscheiden, was es testen lassen möchte. Wichtig ist, die persönlichen Konsequenzen, die man aus einem Ergebnis zieht, bereits im Voraus zu kennen. Letztlich gibt kein Test die Gewissheit, ob ein Kind gesund ist oder nicht. Die Tatsache, dass bei uns 96 Prozent aller Neugeborenen gesund zur Welt kommen, lässt aber doch eine gewisse Zuversicht zu.

* Dr. med. Annette Peyer ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, www.hirslanden.ch

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