Ratgeber

Schäden durch Baum in Nachbars Garten

Nahe an der Grundstücksgrenze steht in Nachbars Garten seit vielen Jahren eine Lärche. Nun werden die während des Spätherbsts abgeworfenen Nadeln immer mehr, sodass sie bei unserem Haus die Regentraufen verstopfen und am Haus Wasserschäden verursachen. Was können wir gegen diese Beeinträchtigung unternehmen?

Lic. iur. Reto von Glutz*
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Gemäss Art. 684 ZGB ist jedermann verpflichtet, bei der Ausübung seines Eigentums sich aller übermässigen Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten. Das jeweilige kantonale Nachbarrecht sieht für Pflanzen zwar grundsätzlich einen Grenzabstand vor. Selbst wenn dieser eingehalten ist, können in die Höhe und die Breite gewachsene Bäume auf den Nachbarsgrundstücken jedoch zu Immissionen führen.

Im Hinblick auf den herbstlichen Laubfall vertritt die Rechtsprechung die Auffassung, derartige Immissionen seien in einem Einfamilienhausquartier hinzunehmen, weil der Laubfall insbesondere in Gegenden mit vielen grösseren Gärten im Herbst natürlich und ortsüblich ist und somit in der Regel geduldet werden muss. Dies selbst dann, wenn Blätter, Blüten sowie kleine Ästchen und Nadeln die Dachrinnen und Abflussrohre verstopfen. Dass Sie sich als Nachbar daran stören, ist nicht massgebend. Nur in besonders krassen Situationen kann damit gerechnet werden, dass pflanzliche Immissionen den Tatbestand einer übermässigen und somit nach Art. 684 des Zivilgesetzbuches (ZGB) untersagten Immission erfüllen. So beurteilte beispielsweise ein Gericht den das ganze Jahr hindurch anhaltenden Nadelfall einer Gruppe von Zedern als übermässig.

Wenn Sie sicher sind, dass die Wasserschäden an Ihrem Haus auf Nadelhaufen in den Dachtraufen zurückzuführen sind, sollten Sie Ihren Nachbarn umgehend darauf aufmerksam machen und ihn – am besten schriftlich – auffordern, in Zukunft für ein regelmässiges Aufwischen der Nadeln auf Dächern und Vorplätzen besorgt zu sein.

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Schreiben sie an: Ratgeber, Luzerner Zeitung, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern.
Email: ratgeber@luzernerzeitung.ch
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Für die Schadensminderung ist in erster Linie der Eigentümer des Baumes zuständig. Selbsthilfe ist erst erlaubt, wenn die pflanzlichen Immissionen das Eigentum wegen übermässiger Beeinträchtigung schädigen und auf Beschwerde hin nicht binnen angemessener Frist beseitigt wurden. Wenn die Lärche eine bestehende Baute oder deren Nutzung übermässig beeinträchtigt, indem sie beispielsweise Schäden an Plattenwegen, Hausfassaden oder Kanalisationsleitungen verursacht, wären die Voraussetzungen für die Beseitigung oder einen Rückschnitt grundsätzlich gegeben.

Was tun bei einem Konflikt?

Wenn der Nachbar Massnahmen trotz nachweisbaren Schäden und Mahnung weiterhin verweigert, bleibt nur noch der zivilrechtliche Weg. Dabei ist zunächst die Schlichtungsbehörde am Wohnsitz anzurufen. Kommt unter ihrer Vermittlung keine Einigung zu Stande, müssen Sie die Klagebewilligung und anschliessend die Durchsetzung objektiv gerechtfertigter Massnahmen beim Zivilgericht verlangen.

Einzelbäume können im kommunalen Recht unter Schutz gestellt sein. In zahlreichen Gemeinden bedürfen die Beseitigung von Bäumen und der eingreifende Rückschnitt in deren Kronen- und Wurzelbereich einer Bewilligung der Baubehörde.

*Rechtsanwalt, Kanzlei Wegscheide, Horw, www.kanzlei-wegscheide.ch

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