RUHESTANDSPLANUNG: Die Pensionierung will sehr gut vorbereitet sein

«Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spass daran», sang Udo Jürgens. Das bedingt eine frühe Planung. Und die fängt früher an, als man meint.

Adrian Bienz
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Der Übergang von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand will früh angegangen werden. Ein zweitägiger Kurs genügt da nicht. (Bild: Getty)

Der Übergang von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand will früh angegangen werden. Ein zweitägiger Kurs genügt da nicht. (Bild: Getty)

Adrian Bienz

Die Pensionierung ist ein etwa gleich einschneidendes Lebensereignis wie Heiraten. Mit einer rechtzeitigen sorgfältigen Vorbereitung lässt sich der Übergang jedoch abfedern.

Die Berufswahl zu Beginn des Erwachsenenlebens beschäftigt junge Menschen während Monaten intensiv – und dann folgt in der Regel eine mehrjährige Ausbildung. Am Schluss des Berufslebens soll dann ein zwei- bis viertägiger Kurs für den radikalen Wechsel von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand genügen?

In einer schweizerischen Umfrage äusserte jede vierte Person kurz vor der Pensionierung ein mulmiges Gefühl. Während bei den unter 39-Jährigen noch vor allem Zuversicht dominiert und sie im Alter keine Einschränkungen erwarten, sieht dies bei den älteren Semestern dann schon ganz anders aus. Bei ihnen ist eine schon viel höhere Skepsis auszumachen. Unbegründet ist diese nicht. In den meisten Industrieländern stehen die Rentensysteme unter Druck. Es zeichnet sich schon heute ab: Viele Arbeitnehmende werden sich von der Idee einer jahrzehntelangen komfortablen Rente verabschieden müssen. Ein Grund dafür ist die steigende Lebenserwartung.

Neue Aufgaben, aber auch weniger Stress

Das Durchschnittsalter der Menschen in den Industrieländern ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv gestiegen – Tendenz weiter steigend. Die Ersparnisse, die für die Altersvorsorge angehäuft werden, können mit diesem Tempo nicht Schritt halten. Es fehlen Tausende Milliarden, wie die amerikanische Bank Citigroup in ihrer Studie zum Schluss kommt. So unterschiedlich die Befürchtungen von Person zu Person auch sein mögen – Fachleute fordern, dass die Vorbereitung auf die Pensionierung fünf bis zehn Jahre vor Arbeitsschluss beginnen müsse, in erster Linie mit der altersgemässen Gestaltung der letzten Laufbahnphase.

Diese sollte einerseits interessante Aufgaben, neue Herausforderungen und entsprechende Weiterbildung umfassen. Andererseits ist in den letzten Jahren des Berufslebens ein Abbau von Hektik, Lärm, Zeitdruck und körperlicher Beanspruchung sinnvoll. In der Work-Life- Balance sollten die privaten Aktivitäten einen ebenso hohen Stellenwert erhalten wie die beruflichen. Wer die letzten Jahre der Erwerbsarbeit befriedigend gestalten kann, hat auch für das Rentenalter gute Aussichten.

Leider verläuft die Pensionierung aber nicht immer planmässig: Firmenschliessungen oder Personalabbau drängen ältere Mitarbeitende in die Arbeitslosigkeit oder eine mehr oder weniger erzwungene Frühpensionierung. Die Zeit für eine sorgfältige Vorbereitung der nachberuflichen Lebensphase fehlt dann; der Abgang ist oft verbunden mit persönlichen Kränkungen und finanziellen Unsicherheiten.

Pensionierung ist kein Naturereignis

Auch wenn Sie den Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Berufsleben manchmal nicht selber definieren können – nehmen Sie das Heft in die Hand! Setzen Sie sich aktiv mit unabwendbaren Veränderungen auseinander. So haben Sie die besten Voraussetzungen, um die neue Lebensphase nach Ihrem Gusto zu gestalten. Und letzten Endes können Sie sich damit auch zahlreiche schlaflose Nächte sparen.