RECHT: Krank: Anrecht auf 13. Monatslohn und Ferienzuschlag?

Ich bin zu 50 Prozent im Stundenlohn angestellt. Nun war ich drei Wochen krank. Ich habe 80 Prozent vom Lohn erhalten, aber ohne Feriengeld und ohne Anteil 13. Monatslohn. Ist es richtig, dass ich während der Krankentage keinen Anspruch auf diese Lohnbestandteile habe?

Lic. Iur. Raetus Cattelan
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2017 gab es 35 Prozent mehr Fälle der Legionärskrankheit als noch 2016. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI)

2017 gab es 35 Prozent mehr Fälle der Legionärskrankheit als noch 2016. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI)

Ich gehe davon aus, dass Sie im Vertrag keine individuelle Regelung über die Lohnfortzahlung bei krankheitsbedingten Abwesenheiten getroffen haben und dass auch keine Krankentaggeldversicherung vorhanden ist. Somit kommen ausschliesslich die gesetzlichen Regelungen zur Anwendung.

Gesetzliche Regelung

Bei krankheitsbedingten Abwesenheiten muss der Arbeitgeber im ersten Dienstjahr den Lohn während dreier Wochen und danach für eine angemessene längere Zeit bezahlen (Art. 324a OR). Diese angemessene längere Zeit haben die Gerichte standardisiert. In der Inner- und der Ostschweiz (Ausnahme Thurgau, wo die Zürcher Skala gilt) folgen die Gerichte in der Regel der sogenannten Berner Skala. Diese sieht eine Lohnfortzahlung im zweiten Dienstjahr für einen Monat, im dritten und im vierten Dienstjahr für zwei Monate, im fünften bis neunten Dienstjahr von drei Monaten usw. vor.

Taggeldversicherung

Eine solche Vereinbarung liegt nicht vor. Deshalb haben Sie Anspruch auf das Feriengeld und den Anteil am 13. Monatslohn (je 8,33 Prozent).

Weil die gesetzliche Lösung für krankheitsbedingte Abwesenheiten nicht sehr grosszügig ist, schliessen Betriebe oft eine Krankentaggeldversicherung ab in der Meinung, dass diese Versicherungslösung anstelle der gesetzlichen Lohnfortzahlungspflicht treten soll. Eine solche Ersatzlösung ist zulässig, wenn sie schriftlich vereinbart und wenn sie für den Arbeitnehmer mindestens gleichwertig ist.

Die Gleichwertigkeit beurteilt sich dabei nicht am konkreten Einzelfall, sondern abstrakt im Vergleich zur Gesamtheit der Leistungen durch die Versicherung. Die Gleichwertigkeit ist gegeben, wenn der Arbeitgeber mindestens 50 Prozent der Versicherungsprämien trägt, die Versicherung Taggelder in der Höhe von 80 Prozent des versicherten Verdienstes während längstens 720 Tagen ausrichtet und wenn höchstens drei Tage Wartefrist (Tage ohne Taggeldanspruch) vereinbart sind. Häufig besteht aber eine Wartefrist von 30 oder mehr Tagen. Dann muss zusätzlich vereinbart sein, dass der Arbeitgeber in dieser Zeit den Lohn mindestens zu 80 Prozent bezahlt.

AHV-Beiträge bezahlen

Die 80-Prozent-Lohnfortzahlung bedarf also einer klaren vertraglichen Vereinbarung und ist in der Regel mit einer Ver­sicherungslösung kombiniert. Achtung: Auf den Taggeldern sind keine Sozialversicherungsbeiträge geschuldet. Die BVG-Prämien sind in den ersten drei Monaten noch fällig, danach besteht auch dort eine Prämienbefreiung.

Ab dem vierten Monat einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit ist deshalb der monatliche Nettobetrag, den man zur Verfügung hat, meist etwa gleich hoch wie bei einem normalen Monatslohn. Bei langen Abwesenheiten ist aber unbedingt darauf zu achten, freiwillig die Mindest-AHV-Prämie zu bezahlen, um später keine Vorsorgelücke zu haben.

Lic. iur. Raetus Cattelan