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Wie feiert man nachhaltige Weihnachten? Eine Anleitung

Eine Tanne aus Skandinavien? Ein Rindsfilet aus Argentinien? Ein Elektronikgeschenk aus China? Muss alles nicht sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie verantwortungsbewusst Weihnachten feiern können.

Martin Oswald
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Ein schönes und trotzdem nachhaltig verpacktes Geschenk.

Ein schönes und trotzdem nachhaltig verpacktes Geschenk.

Bild: Getty

Vorsicht bei der Wahl des Christbaums

Laut Umweltschutzorganisation WWF stammen 90 Prozent der Tannen, welche an Weihnachten im Wohnzimmer für Stimmung sorgen, aus heimischer Forstwirtschaft. Für deren Aufzucht werden meist grosse Plantagen angelegt. Damit sie kräftig wachsen und schön aussehen, werden sie in der Regel gedüngt und mit Herbiziden und Pestiziden gespritzt. Das schade dem Wald, dem Grundwasser und uns Menschen, warnt der WWF.

Eine gute Variante ist darum, auf einen Baum mit Biolabel zu setzen. So steht beispielsweise das Label FSC (Forest Stewardship Council) für ökologischen Waldbau. Bevor man allerdings mit dem Auto kilometerweit fährt, um einen Christbaum mit Biolabel zu bekommen, kann es sich auch lohnen, beim nächstgelegenen Forstamt nachzufragen. Dieses bietet meist heimische Fichten, Kiefern oder Tannen an.

Schenken mit Bedacht

Was liegt da nicht alles unter dem Bäumchen? Die neuste Spielkonsole, ein teueres Smartphone, modische Kleider. Aber wissen wir auch, wo und wie diese Produkte hergestellt wurden – und unter welchen Arbeitsbedingungen? Nachhaltig schenken ist nicht schwierig, aber es braucht ein paar Gedanken mehr in der Adventszeit.

So lassen sich viele kleine Geschäfte in der Region finden, die unter fairen Bedingungen und mit nachhaltigem Material arbeiten.

Ideen für nachhaltige Geschenke

  • Eine schöne Trinkflasche kann unzählige umweltschädliche Plastikflaschen vermeiden.
  • Ein Puppenhaus aus Holz wird noch nachfolgende Generationen erfreuen, während das Plastik-Pendant rasch kaputtgeht.
  • Auch Naturkosmetik wie Seifen, Lotions oder Cremes gibt es inzwischen in grosser Auswahl und für jeden Geschmack.
  • Warum ein Buch bei Amazon in Übersee bestellen, wenn es das gleiche Werk auch in der lokalen Buchhandlung gibt? Wer nachhaltig kaufen und schenken möchte, kauft vor Ort ein.
  • Wer sich einen neuen Fernseher oder Kühlschrank kauft, achtet auf die Energieeffizienzklasse und damit auf den Jahresstromverbrauch.

Weiter gibt es auch schöne nicht-materielle Geschenkideen

  • Schenken Sie Zeit und Erlebnisse. Das ferngesteuerte Rennauto steht nach einem Jahr wieder im Keller. Ein gemeinsames Konzert, oder ein Besuch im Zoo bleiben länger in Erinnerung.
  • Wenn wir schon beim Zoo sind; warum nicht eine Tierpatenschaft schenken? Ein Tier zu schützen erfreut Kinder wie Erwachsene.
  • Eine schöne Geste ist es auch, zu Weihnachten Hilfswerke und Organisationen mit einer Spende zu beschenken.

Geschenkpapier ohne Kahlschlag

Das Auspacken ist für viele ein unverzichtbares Ritual an Weihnachten. Doch landen so tonnenweise bedrucktes und glänzendes Papier im Abfall. Dabei gibt es nachhaltige Alternativen:

  • Unser Zeitungspapier darf äusserst gerne auch als Geschenkpapier verwendet werden. Suchen Sie sich eine bunte Seite aus und schon ist Ihr Geschenk ein kreatives Unikat.
  • Wenn das Geschenkpapier schon mal in der Welt ist, sollten wir es nicht gleich wegschmeissen. Statt also immer wieder neues Geschenkpapier zu kaufen, lohnt es sich dieses aufzubewahren und wiederzuverwenden.
  • In Japan gibt es eine Tradition, Geschenke mit Tüchern zu verpacken. Das nennt sich «Furoshiki». Passende Wickeltechniken finden sich online.

Energiesparende Weihnachtsbeleuchtung

Wer möchte schon auf schöne Beleuchtung für Haus, Wohnzimmer und Christbaum verzichten? Dennoch gibt es ein paar Punkte zu beachten. Herkömmliche Lichterketten sind extreme Stromfresser. Zudem besteht bei ihnen Brandgefahr wegen Überhitzung, wenn zum Beispiel einige der Lämpchen kaputtgehen oder die Lichterkette lange an gelassen wird.

Lichterketten aus Leuchtdioden (LED) halten nicht nur um ein Vielfaches länger als herkömmliche Glühlampen, sie benötigen auch bis zu 90 Prozent weniger Strom – und heiss werden sie auch nicht.

Ein weiterer ganz einfacher Tipp: Lassen Sie Lichterketten nicht Tag und Nacht brennen, sondern nur dann, wenn sie auch gesehen werden. Für viele Tiere ist Lichtverschmutzung in der Nacht ein zunehmendes Problem.

Was für alle elektronischen Geräte gilt, gilt auch für Lichterketten: Benutzen Sie sie so lange, bis sie wirklich kaputt sind. Denn auch wenn LED-Lichterketten im Verbrauch besser abschneiden als die herkömmlichen Varianten, bestehen sie dennoch aus Elektronik und vielen Einzelteilen aus Plastik.

Noch einen letzten Tipp, um Energie zu sparen: Wer über die Festtage nicht zu Hause ist, reduziert am besten die Heizung um ein paar wenige Grade.

Kerze ist nicht gleich Kerze

So schön echte Kerzen auch leuchten, am Baum sind sie ein Risiko. Nur allzu schnell fängt ein bereits trockener Ast an zu brennen. Darum lieber mit künstlichen Lichtern den Baum schmücken.

Doch zu einem gemütlichen Wohnzimmer gehören echte Kerzen. Wer aber nachhaltig handeln möchte, muss wissen: Herkömmliche Kerzen und Teelichter bestehen zum Grossteil aus Paraffin, einem Abfallprodukt der Erdölindustrie. Oder sie basieren auf Palmöl von Monokultur-Plantagen, die dort stehen, wo eigentlich Regenwald wachsen müsste. Leider steht auf den Verpackungen fast nie, woraus die Kerzen gemacht wurden.

Eine gute Alternative sind Kerzen aus Bienenwachs. So kann man auf dem Weihnachtsmarkt den lokalen Imker unterstützen, denn ohne Bienen geht fast nichts. Leider ist Bienenwachs selten, kostbar und macht nicht einmal ein Prozent der europäischen Kerzenproduktion aus.

Festessen mit gutem Gewissen

An Weihnachten kommt bei Herr und Frau Schweizer nur das Beste auf den Tisch. Aber muss es unbedingt gestopfte Gänseleber sein? Nein. Falls es Fleisch zum Fest sein soll, kaufen Sie hochwertiges Biofleisch aus tiergerechter Haltung. Das gilt natürlich auch für den Kauf von Fischprodukten. Bei Wildfisch bietet das MSC-Siegel die beste Orientierung. Der WWF führt auf seiner Website einige Sorten auf, von denen grundsätzlich abgeraten wird: Schwertfisch und Roter Snapper stehen unter hohem Fischereidruck, ausserdem enden beim Fang oft auch Meeresschildkröten und Delfine als Beifang in den Treibnetzen.

Naturschutz.ch listet weitere Tipps auf, um fürs Weihnachtsessen sinnvoll einzukaufen:

  • Regional: Alle Zutaten möglichst aus der Region kaufen, ob das nun Gemüse, Fleisch oder Tofu ist.
  • Saisonal: Im Dezember gibt es nicht nur Schweizer Kartoffeln und Karotten, sondern auch Kürbis, Nüsslisalat, Pastinake, Topinambur, Chicorée, Rosenkohl, Wirz, Kabis und Kohl, aus denen sich vorzügliche Gerichte kochen lassen.
  • Vegetarisch/vegan: Aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes ist ganz klar, je weniger Tierprodukte, desto nachhaltiger. Deshalb lohnt es sich ab und an, auf pflanzenbasierte Alternativen für Fleisch, Milchprodukte oder Eier zurückzugreifen – beispielsweise Quorn, Poulet, Hafermilch oder Kichererbsen.
  • Keine Lebensmittelverschwendung: Wie viel muss man wirklich auftischen? Klar, zu Weihnachten möchte man für seine Liebsten ein grosszügiges Festmahl auftischen, aber gleichzeitig dabei auch nicht Unmengen von Lebensmitteln verschwenden. Deshalb: Mengen richtig berechnen und Resten wiederverwerten.

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