Ratgeber

Partnerin aus anderer Kultur setzt mich unter Druck

Ich (m, 38) bin seit einem Jahr mit meiner Partnerin aus Nordafrika verheiratet. Wir lieben uns, doch wir haben Probleme. So erwartet meine Frau von mir, dass ich die ganze Freizeit mit ihr verbringe, weil sie für die Beziehung viel aufgegeben habe. Ich fühle mich eingeengt, ziehe mich oft zurück, was zu Streit führt. Was kann ich tun?

Layla Weiss-Yantani*
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Hat in einer Partnerschaft eine Person eine Migrationsbiografie, die andere nicht, kann dies zu Unstimmigkeiten inner- wie ausserhalb der Partnerschaft führen. Ganz besonders am Anfang, wenn sich der eine oder andere aufgrund oft unerwarteter Umstände nicht akzeptiert, verstanden und als Teil dieser neuen Gemeinschaft fühlt.

Migration stellt ohnehin eine persönliche wie auch partnerschaftliche Herausforderung dar. Gefühle von Verlust, Verlassenheit, Einsamkeit sind unweigerlich damit verbunden. Verlust des vertrauten sozialen Umfeldes, von Traditionen, Bräuchen, Selbstständigkeit bis hin zum – im Extremfall – Gefühl des Verlustes der eigenen Identität und des Selbstwertes. Es ist wichtig, gemeinsam diese Gefühle und Unstimmigkeiten zu erkennen und ernst zu nehmen und sich als Paar mit den Wahrnehmungen, Erfahrungen und kulturellen Prä­gungen auseinanderzusetzen, um mehr gegenseitiges Verständnis und Verbundenheit in der Beziehung zu spüren.

Selbstständigkeit lernen

Dies eröffnet neue Sichtweisen und damit Chancen zur Entwicklung der persönlichen wie auch der Paarsituation. Die migrierte Person braucht zuerst vor allem Verständnis, Geduld und Begleitung, um am neuen Ort Fuss zu fassen, die Sprache zu erlernen, sich in der Umgebung zurechtzufinden und ihren Weg selbstständig zu gehen.

Andererseits darf der Partner mit «Heimvorteil» nicht mit Erwartungen überladen werden und das Gefühl haben, die ganze Verantwortung der Beziehung tragen zu müssen. Wichtig ist, dass beide Raum zur Selbstverwirklichung haben und dass beide gegenseitig und auf Augenhöhe Unterstützung und Halt anbieten und kriegen.

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Diese reflexive Auseinandersetzung ist in einer bikulturellen Partnerschaft anspruchsvoller als in einer monokultu­rellen. Es braucht deshalb Offenheit, Respekt, Geduld, Gesprächsbereitschaft und Kompromisse von beiden Seiten, damit beide mit dem jeweils anderen Wertesystem, den Gewohnheiten und dem Weltbild, die für die Beziehungsgestaltung wichtig sind, zurechtkommen. Gelingt es nicht, diesen Prozess selber zu gestalten, kann professionelle Unterstützung hilfreich sein.

Gleichgewicht finden

Bevor Sie übereilte Entscheidungen treffen, klären Sie für sich allein, aber auch mit Ihrer Partnerin, Ihre Situation: Wie sieht unsere «ideale» Partnerschaft aus? Was haben wir bisher erreicht? Was brauchen wir – jeder für sich und in der Beziehung? Was wollen wir beibehalten, was verändern, was investieren? Worauf sind wir bereit zu verzichten? Woran wollen wir festhalten?

Ziehen Sie dann Bilanz: Stellen Sie sich in Ihrer Fantasie das Zusammenleben in der Zukunft vor. Die Kunst liegt darin, ein Gleichgewicht zwischen Liebe, Geborgenheit, Zugehörigkeit, Selbstständigkeit, Verwirklichung, Prägungen usw. zu finden, wie auch Unterschiedlichkeit zu leben und als Bereicherung zu begrüssen.

*Layla Weiss-Yantani, lic. phil. I, Psychologische Beraterin, Paar- und Einzelberatung. Mehr Infos: www.lebzug.ch

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Wie verhält es sich mit der Auffrischung von Starrkrampf-, Polio- und Zeckenimpfung? Ist ab 60 Jahren eine Erneuerung überhaupt noch notwendig? Ist es empfehlenswert, auch andere Impfungen zu erneuern?
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