Ohne Feinstrumpfhose im Kostüm – auch im Winter?

Stimmt es, dass frau keine Feinstrumpfhosen mehr trägt, weil diese aus der Mode gekommen sind? Eine junge Kollegin vertritt diese Meinung vehement. Was mich betrifft, verzichte ich im Sommer auch bei feineren Anlässen gerne auf die Feinstrumpfhose. Aber im Winter? Sehen da nackte Beine zum Kostüm nicht etwas unpassend aus?

Doris Pfyl*
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Und wie das unpassend ist. Ich bekomme bei den zurzeit herrschenden Temperaturen beim Anblick nackter Beine Erfrierungsängste. Aber um ehrlich zu sein, schwamm auch ich einmal auf dieser Welle. Mein Outfit musste unbedingt cool aussehen und angesagt sein. Ich fror lieber, als bünzlig zu wirken. Das ist allerdings eine Weile her und hat der Einsicht Platz gemacht, dass wärmende Kleidung doch eine prima Sache ist.

Doris Pfyl

Doris Pfyl

Bild: Luzerner Zeitung

Beim Thema Feinstrumpfhose scheiden sich die Geister. Einige finden sie bieder und altmodisch, bei anderen gehört sie zum stilvollen Auftritt. Tatsächlich hat sich die Mode seit der Jahrtausendwende etwas von der Feinstrumpfhose abgewendet. So trugen einige Damen lieber blickdichte Strümpfe und andere froren barbeinig. Allerdings änderte sich das vor einigen Jahren wieder, und die Dessous-Branche verkündete stolz das Comeback der Feinstrumpfhose. Vermutlich auch, weil Yves Saint Laurent seine Models mit hauchdünnen schwarzen Strümpfen auf den Laufsteg schickte und auch Kate Middleton vorführte, dass hautfarbene Modelle doch hübsch aussehen können. Sie trägt diese konsequent zum Kostüm.

Business: Nie ohne Strumpf

Ob Sie im Sommer zum eleganten Kleid auf die Strumpfhose verzichten, überlasse ich gerne Ihnen. Voraussetzung ist, dass Sie sich wohl fühlen, Ihre Beine gut im Schuss sind und Ihre gepflegten Füsse in schicken Sandaletten stecken. Bei geschlossenen Schuhen empfehle ich, Strümpfe zu tragen. Ansonsten wirkt die Kombination etwas schwer und es besteht Blasengefahr.

Allerdings ist für mich klar: Zum Kostüm im geschäftlichen Bereich gehören Feinstrumpfhosen. Nackte Haut ist hier nicht gefragt. Von September bis April wählt die Businessfrau dunkle, feine Modelle, im Sommer kommen hautfarbene zum Einsatz. Diese wirken bieder, entspricht die Farbe nicht der sonst sichtbaren Hautfarbe. Zu dunkle Exemplare haben etwas Abgestandenes und zu helle erinnern an die Uniformen von Krankenschwestern vergangener Zeiten. Frau soll also beim Kauf der Strumpfhose auf den passenden Ton achten.

Als Regel gilt: Zum gröberen Schuh oder Stiefel passt ein 40den- oder blickdichtes Modell. Je höher der Absatz, umso feiner der Strumpf. Das Strumpfcomeback hat uns auch raffinierte Netzmodelle beschert. Natürlich wärmen diese nicht wirklich, sehen aber diskret getragen frech aus. Ein paar Zentimeter sichtbarer Netzstrumpf zwischen verkürzter Hose und Schuh oder kombiniert zu den Jeans und dem High, verleihen diesen Outfits ein Quäntchen Erotik, die nicht billig wirkt.

Auch sind die Modelle mit Längsnaht wieder angesagt. Diese verlängern ein Bein optisch. Auch bei diesen Feinstrumpfhosen ist Erotik im Spiel. Deshalb sind sie im privaten Bereich prima einsetzbar, nicht aber im geschäftlichen Umfeld.

* Doris Pfyl ist Knigge-Trainerin, Farb- und Modestilberaterin sowie Ausbildnerin des Schweizer Fachverbands FSFM, www.imagemodestil.ch