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Ratgeber

Muss ich mich dem «Du-Zwang» anpassen?

Als Hauswartin erlebe ich (58) es bei Wohnungsführungen oder -übergaben immer wieder, dass junge Leute sich mit dem Vornamen vorstellen. Gilt die Regel nicht mehr, dass die ältere Person der Jüngeren das Du anträgt?
Lic. phil. Irène Wüest*
Irène Wüest

Irène Wüest

Respekt ist die Basis für alles! Und das einseitige Duzen gilt bis heute als respektlos. Grundregel ist: Die Anrede unter Erwachsenen erfolgt auf Augenhöhe, insbesondere, wenn man sich nicht näher kennt. Mit dem «Sie» sind wir zunächst mal auf der sicheren Seite, denn es ist absolut wertfrei und immer richtig. Und wenn schon, bietet nach wie vor die ältere Person der Jüngeren das Du an.

Trend zum Du

Der Trend zu sprachlicher Gleichmacherei infolge vermehrter Internationalisierung und Kulturvermischung ist klar erkennbar. Was in der Freizeit, im Sport oder in Vereinen längst Usus ist, wird als Firmenkultur in internationalen Grosskonzernen, modernen Start-ups und IT-Unternehmen propagiert. Auch in einigen Tankstellenshops und hippen Läden wird man vom Verkaufspersonal geduzt und stellt fest, dass die Namensschilder der Angestellten lediglich den Vornamen tragen. Auch Traditionsunternehmen wie die SBB und die Kantonalbank Baselland haben kürzlich das flächendeckende Duzen eingeführt, jedoch nur intern. Siezen gilt als zu förmlich, distanziert, steif. Mit dem Duzis möchte man modern sein, Hierarchieunterschiede abbauen und den persönlichen Umgang fördern.

Das Du hält immer mehr Einzug, und dies zeigt Auswirkungen auf unsere Umgangsformen. Viele Menschen wissen nicht mehr, was angebracht ist, welche Anrede wo gilt. Fest steht aber: Mit der falschen Anrede treten wir ganz schnell ins Fettnäpfchen.

So auch die jungen Leute in Ihrem Beispiel. Obwohl diese Selbstvorstellung mit Vornamen vermutlich nett gemeint ist, fühlen Sie sich überrumpelt, irritiert, vielleicht sogar beleidigt, diskriminiert. Sie möchten die durch das Du erzeugte Nähe nicht. Es könnte sein, dass diese jungen Menschen bloss gut ankommen, eine persönliche Nähe zu Ihnen, eine gewisse Vertrautheit intendieren möchten. Vielleicht wollen sie die Wohnung unbedingt und erhoffen sich, dass Sie ein gutes Wort für sie einlegen beziehungsweise ein gutes Einvernehmen mit Ihnen als ihrer künftigen Hauswartin. Es könnte aber auch sein, dass sie kein Wissen oder kein Gespür für die allgemeinen Umgangsformen und die Gepflogenheiten haben, die hier gelten.

Sie werden immer wieder auf Mitmenschen treffen, die sowohl Ihre persönliche Auffassung als auch die allgemeinen Empfehlungen zum höflichen Umgang bewusst oder unbewusst ignorieren. Du oder Sie, zur richtigen Entscheidung gehört jede Menge Fingerspitzengefühl, und das scheint in Zeiten des Wandels vielen Menschen zu fehlen.

Wie reagieren?

Werden Sie unerwünscht geduzt, empfiehlt sich, sofort zu korrigieren, etwa mit: «Moment, mein Name ist Frau Xy, ich möchte nicht geduzt werden.» Oder: «Kennen wir uns?» (Pause) «Mein Name ist Frau Xy.» Eine Begründung braucht es nicht.

Damit Ihr Umfeld gar nicht auf die Idee kommt, Ihnen das Du anzubieten, können Sie zudem auch eindeutige Signale setzen. Gehen Sie aktiv auf die Person zu und stellen Sie sich vor: «Mein Name ist Xy, ich bin beauftragt, Ihnen die Wohnung zu zeigen», oder: «Ich bin Frau Xy, Ihre künftige Hauswartin. Ich bin von der Verwaltung beauftragt, Ihnen die Wohnung zu übergeben.»

*Lic. phil. Irène Wüest ist Skill-Coach, Organisations- und Kommunikationsberaterin, www.skillcoach.ch

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