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Ratgeber

Muss ich auf Wangenküsschen verzichten?

Kürzlich hat mich mein 30-jähriger Sohn ausgelacht, weil ich eine Bekannte mit drei Wangenküsschen begrüsst habe. Das sei längst out. Heute gebe man sich nur noch einen Kuss, besser gar keinen. Ein Händedruck genüge.
Michèle Ségouin*
Michèle Ségouin

Michèle Ségouin

Begrüssungsformen werden von zweierlei Umständen beeinflusst: Einerseits unterliegen sie dem Zeitgeist, passen sich also dem «Modetrend» an. Andererseits ist die Begrüssung eine der mächtigsten Ausdrucksformen, sich gegenseitig Respekt zu zollen. Es liegt auf der Hand, dass hinsichtlich des Empfindens, was modern oder veraltet, angebracht oder deplatziert ist, bereits beim Begrüssungszeremoniell erste Meinungsverschiedenheiten auftreten können.

Generationenfrage

Welche Begrüssungsformen den Puls der Zeit treffen und welche eher zu den abzuschneidenden Zöpfen zählen, ist in erster Linie eine Generationenfrage. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es hierzulande unüblich, dass sich die Geschlechter bei der Begrüssung zu nahe kommen. Im Laufe der Zeit wurde der Habitus, zur Begrüssung drei Wangenküsse anzudeuten, von den franko­fonen Nachbarn übernommen. Dieses Ritual hält sich bis heute, wenn auch nicht alle Zeitgenossen damit glücklich sind.

Die jüngere Generation verhält sich diesbezüglich ganz dem Zeitgeist entsprechend deutlich zielführender: Eine angedeutete Umarmung oder aber ein einziger Wangenkuss müssen reichen. Der Händedruck wiederum ist kaum aus der Mode gekommen – und muss dennoch von vielen gelernt sein: Erst ein klarer Druck in Kombination mit einem Blickkontakt vermittelt effektiv Respekt. Wer seine Hand lasch in jene des Gegenübers legt oder aber dabei mit dem Blick in die Ferne schweift, verfehlt dieses Ziel klar.

Neben dem Zeitgeist beeinflussen aber auch nach wie vor Aspekte wie sozialer und beruflicher Status die Art und Weise, wie wir auf Mitmenschen zugehen. Besonders im beruflichen Kontext ist es die Unternehmenskultur, was die Form der Begrüssung definiert. Treffen hier Generationen aufeinander, gilt es in erster Linie, die Contenance zu wahren. Oftmals ist eine Berührung nicht nötig, auch ein freundlicher Blickkontakt kann Respekt und Wertschätzung vermitteln. Von überschwänglichen Begrüssungsritualen innerhalb der Büroräume ist eh grundsätzlich abzuraten – es sei denn, es herrsche die entsprechende Kultur vor.

Wer gibt den Ton an?

Schliesslich stellt sich auch hier die Frage, wer sich wem anpassen soll. Ist es die ältere Generation, die – wie in der Frage intendiert – auf Wangenküsschen verzichten soll, oder liegt es an den Nachkommen, ihre Umgangsformen zugunsten der Tradition für einmal abzulegen? Möglicherweise kann die Faustregel «Rang vor Alter vor Geschlecht» auch hier Rat schaffen. Die Form der Begrüssung sollte auf dem beruflichen Parkett dem ranghöheren Gegenüber angepasst sein. Und auch im gesellschaftlichen Miteinander schadet es wohl kaum, der älteren Person mit einem Händedruck den Respekt zu zollen. Sollte dies Widerwillen verursachen, so kann auch in der heutigen Zeit ein echtes Lächeln noch immer eine Brücke zwischen den Generationen schlagen. Letztlich sollte auch bei den Begrüssungsritualen Toleranz herrschen: Zeigen ältere Semester ihre Wiedersehensfreude gerne mit Wangenküsschen, Jugendliche indes lieber mit einem coolen Faustcheck, ist das noch lange kein Grund für Spannungen zwischen den Generationen.

*Michèle Ségouin ist Knigge-Trainerin und dipl. Hôtelière-Restauratrice HF, www.dieanstandsdame.ch

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