Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Wir haben ständig Streit wegen Erziehung der Kinder

Immer wieder eskaliert es bei uns wegen der Erziehung unserer Kinder (11 und 13). Wir haben einen unterschiedlichen Stil: Meine Frau meint, wir sollten strenger sein. Während ich finde, Kinder sollten sich frei entwickeln können. Wir streiten uns heftig, dabei fallen auch Beschimpfungen. Ich mache mir Sorgen um unsere Beziehung.
Birgit Kollmeyer
Birgit Kollmeyer.

Birgit Kollmeyer.

Ihre Sorge ist berechtigt: Ständige Streitigkeiten, die immer wieder zu Verletzungen führen, können die Liebesgefühle derart belasten, dass sie mit der Zeit nicht mehr genügen, um noch glücklich miteinander zu sein.

Dennoch: Auseinandersetzungen gehören zu einer Beziehung dazu. Jeder sollte zu seiner Meinung, seinen Gefühlen und Bedürfnissen stehen und sich dafür einsetzen. Dies erhält auch die notwendige Spannung in einer Partnerschaft. Allerdings sollte man konstruktiv streiten. Viele Menschen haben das in ihren Herkunftsfamilien nicht gelernt: Entweder wurden Probleme unter den Teppich gekehrt oder es wurde ausfallend gestritten. So muss man in der Partnerschaft dazulernen.

Um verfahrene Streitsituationen zu unterbrechen, in denen einer oder beide aufgebracht sind, gibt es hilfreiche Mittel. Das Angewöhnen neuer Verhaltensweisen ist allerdings nicht einfach – alte Verhaltensweisen sind eingeschliffen, im Gehirn bestehen dafür regelrechte «Autobahnen».

Im Notfall «Stopptaste»

Doch durch Ausprobieren entstehen neue kleine Bahnen, die mit der Zeit immer breiter und bequemer werden. Ein Notfallmittel ist die Stopp-Regel: Die Person, die als erste realisiert, dass das Gespräch eskaliert, bittet um eine Pause. Wichtig ist dabei, dass sie sich auch dafür verantwortlich fühlt, das Thema wieder aufzunehmen. In der Pause sorgen beide dafür, ihre aufgebrachten Nervensysteme, die sich quasi archaisch auf «Kampf oder Flucht» eingestellt haben, wieder zu beruhigen. Bewegen Sie sich, gehen Sie an die frische Luft oder konzentrieren Sie sich ein paar Minuten lang auf Ihren Körper und Ihre Atmung.

Nur im beruhigten Zustand sind wir fähig, uns auch in die Schuhe des anderen zu stellen, um seine Sichtweise zu verstehen. Diese Haltung ist es auch, welche die Atmosphäre in einem Konfliktgespräch entscheidend verändert: Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ich versuche, den anderen von der Richtigkeit meiner Ansicht zu überzeugen, und versuche, mich durchzusetzen, oder ob ich mir zum Ziel setze, die Ansicht des anderen nachzuvollziehen.

Gemeinsames Problem

Denn gerade in Erziehungsfragen braucht es ja beide Seiten: Verständnis, Wärme und das Gewähren von Entscheidungsfreiheit, aber auch Richtlinien und Grenzen, die einen sicheren Rahmen geben. Ihre beiderseitigen Erziehungshaltungen schliessen sich also nicht aus.

Versuchen Sie nachzuvollziehen, was an der Einstellung des anderen hilfreich ist. Dazu müssen Sie gut zuhören und nachfragen. Und dann können sie auch erwarten, dass Ihnen zugehört wird. Versuchen Sie ein Erziehungsproblem als gemeinsames Problem zu sehen: Was kann jeder zur Lösung beitragen? Wie können Sie Kindern «Freiheit in Grenzen» geben? Kinder spüren es sehr schnell, wenn die Eltern sich abgesprochen haben. Und akzeptieren es meistens sehr gut, innerhalb eines von den Eltern gesteckten Rahmens selber entscheiden und handeln zu dürfen.

Birgit Kollmeyer ist dipl. Psychologin, Paar- und Sexualtherapie.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.