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Ratgeber

Ist die Bezeichnung «Fräulein» despektierlich?

Bei einem Höck kam es zum Wortgefecht, weil eine Person die Bedienung mit «Fräulein» angesprochen hatte. Ein jüngerer Teilnehmer war gar der Meinung, diese Anrede sei beleidigend. Ich bin von der älteren Generation und bin verunsichert, da für mich «Fräulein» eine gängige Bezeichnung ist. Darf man diese Anrede nicht mehr verwenden?
Irène Wüest*
Irène Wüest

Irène Wüest

Das «Fräulein» ist ausgestorben – und doch lebt es! In der Gastronomie ist es nach wie vor eine gängige Bezeichnung, um eine weibliche Restaurantfachkraft zum Tisch zu bitten, und sie wirkt. Nur selten beschwert sich eine derart angesprochene Dame über diese Anrede, obwohl sie streng genommen guten Grund dazu hätte.

Die Anrede «Fräulein» ist nämlich heutzutage im deutschsprachigen Raum gesellschaftlich veraltet, verpönt, gilt als respektlos und politisch unkorrekt. Im Zug der Gleichberechtigung wurde das «Fräulein» nach dem Motto «Wo es kein Herrlein gibt, gibt es auch kein Fräulein» abgeschafft. Keine Verkleinerung und Verniedlichung der Frau mehr. Dies gilt auch für eine minderjährige weibliche Person. Sie wird «junge Frau» genannt, das männliche Pendant dazu «junger Mann».

Wenn «Fräulein» quasi von Amtes wegen tabu ist, wie spricht man dann die Servicekraft im Restaurant an? «Frau, bitte ein Bier!», tönt komisch. Auch die Anrede «Frau Oberin» oder «Kellnerin» ist nicht angebracht und in unserem Kulturkreis unpassend. Bisweilen versuchen Gäste, ihre Aufmerksamkeit mit «Hallo!» oder «Hey Sie!» auf sich zu lenken. Diese «Anreden» gehören definitiv auf die Liste der Unwörter, sie sind unhöflich und beleidigend. Eine Servicekraft meinte einmal: «Arbeitet man in der Gastronomie, wird ‹Hallo› zwangsläufig zum zweiten Vornamen.»

Keine respektlosen Gesten

Auch ein schlichtes «Entschuldigung» ist genau genommen nicht einwandfrei. Wofür sollte man sich entschuldigen, wenn man etwas bestellen oder bezahlen will? Dann fahren Sie mit dem informellen und unpersönlichen «Service» doch noch besser. Ganz und gar nicht gehen: Fingerschnipsen, Pfeifen, Zischen oder ein «Pst!». Auch Anstupsen oder an den Kleidern zupfen: absolute No-Gos!

Die beste Variante: Blickkontakt mit der Servicefachkraft suchen. Haben Sie Augenkontakt, geben Sie ein dezentes Handzeichen, oder heben Sie Ihre Geldtasche zum Zeichen, dass Sie zahlen wollen. Zuge­geben, ideal wäre, wenn das Servicepersonal aufmerksam genug ist, dass es erkennt, wenn der Gast etwas wünscht. Leider ist dies oft nicht die Realität. Dann bleibt dem Gast nichts anderes, als sprachlich nachzuhelfen. Und da die genannten Möglichkeiten weder zeitgemäss noch stilvoll sind, anerbieten sich etwa Namensschilder. Kennen Sie den Namen der Kellnerin, ist es ein Leichtes, sie anzusprechen. Falls der Vorname auf dem Schild steht, empfiehlt sich die Sie-Anrede: «Sie, Veronika, bringen Sie mir bitte ...»

Name: Schlüssel zur Person

Ersatzweise könnte sich die weibliche Restaurantfachkraft zu Beginn selber kurz vorstellen, oder auf dem Tisch liegt eine Karte mit dem Namen der zuständigen Mitarbeiterin auf. Wenn dem nicht so ist, werden Sie selber aktiv und fragen Sie nach dem Namen. Denn Namen sind der Schlüssel zur Person. Mit einer persönlichen Ansprache lassen sich viele Unannehmlichkeiten und Unsicherheiten ausräumen.

*Lic. phil. Irène Wüest ist Skillcoach, Organisations- und Kommunikationsberaterin, www.skillcoach.ch

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