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Ratgeber

Ich kriege diese Melodien nicht mehr aus dem Kopf

Oft verfolgen mich Lieder oder Melodien im Kopf. Und oft singe ich sie innerlich mit. Das kann sich täglich vielfach wiederholen. Auch wenn ich mir bewusst sage «Stopp, ich will das nicht», geht es nach einigen
Minuten wieder los. Die unangenehme Situation beschäftigt mich sehr. Wie bringe ich die Musik aus dem Kopf?
Dr. phil. Josef Jung*

Wenn sich Melodien im Kopf festsetzen, spricht man gerne von «Ohrwürmern». Diese gibt es in der Natur tatsächlich. Es sind Insekten mit biologischem Namen Dermaptera. Der deutsche Name «Ohrwurm» ist irreführend, da die harmlosen Hautflügler weder Würmer sind noch ins menschliche Ohr kriechen. Die Ohrwürmer, von denen Sie berichten, sitzen aber nicht im Ohr, sondern in Ihrem Gehirn und haben mit dem Gedächtnis zu tun.

Josef Jung.

Josef Jung.

Unwillkürlich gespeichert Der deutsche Musikwissenschaftler Jan Hemming beschreibt das Phänomen so: «Der erste Schritt besteht im unwillkürlichen Abspeichern von Musik im Langzeitgedächtnis. Im zweiten Schritt wird dieser Gedächtnisinhalt ebenso unwillkürlich wieder abgerufen und führt zu einer auditiven Imagination, die häufig mit der Praxis einhergeht, den ‹Ohrwurm› durch Singen, Summen, Pfeifen oder Mitklopfen zu begleiten. ‹Ohrwürmer› entstehen häufig in Alltagssituationen, in Leerlauf- bzw. Wartephasen oder in Situationen, wo eigentlich Musik erwartet wird.»

Laut Umfragen kennen fast alle Menschen das Phänomen. Die Bildung eines Ohrwurms kann als Gegenstrategie des Gehirns gegen solche Leerlaufphasen angesehen werden. Ob ein solcher Ohrwurm in das Langzeitgedächtnis übergeht, hat auch mit der Bewertung zu tun. Wird er als extrem positiv oder extrem negativ bewertet, steigt die Wahrscheinlichkeit des Erinnerns.

Laut Ihrer Frage praktizieren Sie gleich beides: Sie unterstützen das Wiedererinnern durch innerliches Mitsingen. Dann versuchen Sie die Melodie auch mit Absicht zu vergessen. Wie beschrieben, können Sie das Phänomen mit dem Willen nicht direkt angehen. «Stopp» sagen ist ein erster Schritt, aber was tun Sie dann? Hören Sie in sich hinein, um festzustellen, ob die Melodie nun weg ist? Das Gehirn geht wieder in eine Leerlaufphase… den Rest kennen Sie.

Gemäss Untersuchungen ist die erfolgreichste Gegenstrategie, das Bewusstsein aktiv mit anderem zu beschäftigen. Das kann das bewusste Erinnern an eine andere Melodie sein, die Steuererklärung ausfüllen, einen anspruchsvollen Text lesen und anderes. Kaugummikauen kann auch helfen. Denn damit wird das aktive Mitsummen unterbunden.

Nicht beachten

Eine andere Strategie ist: Nicht beachten. Gemäss einer englischen Studie hatten Menschen, die versuchten, die Melodie aktiv zu vergessen, diese durchschnittlich 40 Minuten lang im Ohr. Wer den Ohrwurm Ohrwurm sein liess, verlor ihn nach 22 Minuten. Sie sehen: Sich aktiv mit dem Ohrwurm zu beschäftigen – durch Mitsummen oder Verwünschen – führt eher dazu, dass er sich tatsächlich in Ihr Trommelfell verkneift. Wenn Sie sich dagegen nicht darum kümmern oder sich aktiv mit etwas anderem beschäftigen, wird es ihm eher langweilig, und er verkriecht sich wieder aus Ihrem Ohr.

* Dr. phil. Josef Jung ist eidg. anerkannter Psychotherapeut, www.psychotherapie-jung.ch

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