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Ratgeber

Ich finde, meine Frau braucht eine Psychotherapie

Ich (58) habe schon seit Jahren den Eindruck, dass meine Frau (54) eine Therapie braucht. Sie nimmt vieles persönlich und fühlt sich dann völlig wertlos. Das führt auch öfter zu Konflikten zwischen uns, weil sie mir dann Vorwürfe macht. Kann das denn nach so langer Zeit noch sein, dass Gefühle aus ihrer Kindheit hochkommen?
Birgit Kollmeyer*

Verletzungen aus der Kindheit nehmen wir tatsächlich unser ganzes Leben lang mit, wenn wir sie nicht ausreichend verarbeiten. Sogar im hohen Alter können uns Erlebnisse, dir wir als Kind insbesondere mit unseren Eltern hatten, noch belasten.

Birgit Kollmeyer.

Birgit Kollmeyer.

Das Grundgefühl, gehalten, geliebt und wertgeschätzt zu werden oder eben dieses zu vermissen, ist dauerhaft. Wir können aber lernen, uns selber zu lieben und zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen. Wenn wir das nicht schaffen, bleiben wir anderen gegenüber immer bedürftig und behalten eine Art Wahrnehmungsbrille, mit der wir Situationen anschauen. In der Psychologie spricht man von Schemata oder Konstrukten. Und wir reagieren automatisch nach bestimmten Mustern.

Ein Beispiel kann das klarer machen: Wenn wir gelernt haben, dass wir nur dann Liebe und Wertschätzung erhalten, wenn wir gute Leistungen erbringen, werden uns Situationen, in denen wir denken, nicht gut genug zu sein, sehr stressen: Wir werden «getriggert» durch frühere Erfahrungen, fühlen uns wertlos und ungeliebt.

So ähnlich könnte es Ihrer Frau ergehen, auch wenn es bei ihr vielleicht nicht um Leistung, sondern um ein anderes Thema geht. Eine Bemerkung stösst bei ihr frühere Erfahrungen an und die alten Gefühle werden wieder ausgelöst. Leidet sie darunter, kann eine Psychotherapie angebracht sein, in der diese Mechanismen bewusst gemacht werden, um sie zu unterbrechen.

Eigene Einsicht

Es ist allerdings sehr heikel, einen anderen Menschen direkt dazu bringen zu wollen, sich therapeutische Unterstützung zu suchen. Ihre Frau muss selber zu der Einsicht kommen, dass es vielleicht gut für sie wäre. Sie wiederum können mit ihr dar­über sprechen, ob sie die alten Gedanken und Gefühle belasten.

Sie können ihr auch sagen, dass Sie sich Sorgen machen und dass es Sie auch belastet. Machen Sie ihr möglichst keine Vorwürfe, sondern sprechen Sie von Ihrem Befinden. Kommen Sie auf diese Weise ins Gespräch, können Sie allenfalls die Frage stellen, ob es nicht einen Versuch wert wäre, einmal ein Gespräch mit einer Fachperson zu führen.

Gemeinsam angehen

Persönliche Probleme der Partner können oft auf die Partnerschaft überschwappen. Wenn das «Getriggert-Werden» solche Konflikte auslöst, können sich auch paartherapeutische Gespräche lohnen. Es geht dann darum, was mit Ihnen beiden in solchen Momenten passiert, welche Gefühle und Bedürfnisse dabei eine Rolle spielen und welche Veränderungsmöglichkeiten Sie beide haben.

Manchmal ist auch eine paartherapeutische Sitzung ein Einstieg in eine Einzeltherapie, wenn ein Partner dabei realisiert, dass diese für ihn hilfreich sein könnte. Aber auch in einer Paartherapie können die Wahrnehmungsbrillen oder Schemata, die jeder Mensch mehr oder weniger hat, bewusst gemacht werden. Wenn Sie zu Ihrer Frau sagen: «Lass uns das doch mal gemeinsam mit professioneller Hilfe angehen», klingt das auch besser als «Du müsstest mal …».

* Birgit Kollmeyer ist dipl.-Psychologin, Paar- und Sexualtherapie.

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