Ratgeber

Hautkrebs-Vorstufe: Welche Therapie empfiehlt sich?

Ich (w, 75) leide an roten Flecken im Gesicht. Diagnose: aktinische Keratose. Vom verschriebenen Gel bekam ich gerötete Haut (Gesicht, Handrücken, Unterarme, Dekolleté) und starken Juckreiz. Eine Kortikoidsalbe brachte Linderung. Jetzt ist eine photodynamische Therapie (PDT) vorgesehen. Hilft die wirklich? Oder was sonst?

Dr. med. Anna Caroline Maassen*
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Aktinische Keratosen sind ein recht häufiges Hautproblem. Sie entstehen über Jahre aufgrund übermässiger Sonneneinstrahlung auf die Haut.

Dr. med. Anna Caroline Maassen.

Dr. med. Anna Caroline Maassen.

Es handelt sich bei aktinischen Keratosen um Vorstufen (Präkanzerosen) einer Form des hellen Hautkrebses, dem sogenannten Plattenepithelkarzinoms, früher Spinaliom genannt. Es kann sich aggressiv entwickeln, theoretisch auch streuen, das heisst Ableger im Körper bilden.

Mindestens 10 Prozent der aktinischen Keratosen gehen in ein Plattenepithelkarzinom über. Daher sollten sie behandelt werden. Aktinische Keratosen kommen hauptsächlich an besonders sonnenbelichteten Regionen des Körpers vor, im Bereich von Gesicht, Ohren, bei den Männern in der Glatzen­region, bei Frauen häufig im Scheitel oder Wirbelbereich, am Dekolleté, den Unterarmen und Handrücken. Man erkennt diese Hautkrebsvorstufen an sandpapierartig aufgerauten, gelegentlich brennenden fleckförmigen Rötungen. Manchmal ähneln sie auch Warzen.

Leichte Hautirritationen

Die bei Ihnen empfohlene Behandlung in Form eines Gels auf der Basis von Diclofenac und Hyaluronsäure (Solaraze) ist eine Therapiemöglichkeit  von nicht sehr ausgeprägten aktinischen Keratosen. Es kommt dabei – wie von Ihnen beschrieben – häufig zu leichten Hautirritationen in Form von roten Flecken, selten auch zu heftigeren allergischen Reaktionen. Aber auch die hier als Alternative genannte photo­dynamische Therapie (PDT), welche eine gute Option darstellt, bewirkt meist tagelange Hautrötungen im behandelten Areal.

Bei der PDT wird eine Crème mit einer spezifischen Substanz aufgetragen und einige Stunden später unter Einfluss von Tageslicht oder einer Speziallampe eine Reaktion ausgelöst, die zur Zerstörung von Hautkrebsvorstufen führt. Die PDT ist zudem etwas schmerzhaft, läuft aber rascher ab als die Behandlung mit Solaraze-Gel.

Sollte es sich um einzelne aktinische Keratosen handeln, kommen eventuell lokale Therapien in Frage, zum Beispiel operative Entfernungen oder Behandlungen mittels flüssigem Stickstoff (Kryotherapie). Auch hier ist mit einer gewissen Abheilphase zu rechnen, welche einige Tage dauert.

Wenn es sich aber um mehrere aktinische Keratosen handelt – man spricht dann von sogenannter field cancerication  – , sollte möglichst nicht nur punktuell behandelt werden, sondern das gesamte Areal. Hier kommen ausser der Behandlung mit Solaraze und PDT noch weitere moderne Therapieverfahren in Betracht, welche aber sämtlich zu einer vorübergehenden Hautirritation führen.

Welche Behandlung gewählt wird, muss der Dermatologe zusammen mit dem Patienten individuell entscheiden. Wichtig ist ferner, dass man ganz allgemein vernünftiger mit der Sonne umgeht. Untersuchungen zeigen, dass sich beginnende aktinische Keratosen nach regelmässiger Anwendung von geeignetem Sonnenschutz sogar wieder zurückbilden können.

* Dr. med. Anna Caroline Maassen ist Fachärztin für Dermatologie, Dermacenter AG, www.dermacenter.ch.