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Familie: Unser erwachsener Sohn versinkt in Lethargie

Unser Sohn (20) sitzt nach abgeschlossener Ausbildung und RS zu Hause nur noch herum. Er kümmert sich nicht um seine Zukunft, schläft bis Mittag und spielt dann bis in die Nacht hinein Game-Sessions. Wenn wir ihn darauf ansprechen, reagiert er aggressiv. Was können wir tun, ohne die Beziehung zu ihm noch mehr zu gefährden?
Dr. Phil. Josef Jung, Hitzkirch

Da stecken Sie in einer Mehrfachzwickmühle: Ihr Sohn ist volljährig und gilt gesetzlich als erwachsen. Sie sehen aber, dass er sich nicht so verhält. Er nimmt die Verantwortung für sein Leben nicht wirklich wahr. Sie möchten ihn darin unter­stützen, lassen sich aber gleichzeitig von seiner aggressiven Reaktion in die Flucht schlagen. Dann hat er wieder seine Ruhe und kann tun, was ihm offenbar (noch) Spass macht.

Ihr Zurückweichen lässt Sie aber auch nicht zufrieden sein. Ferner merken Sie, dass es einen Konflikt gibt zwischen Grenzen setzen und möglicher Gefährdung der Beziehung. Sie erleben eine Situation, die öfter mal vorkommt. Ein junger Erwachsener kommt in der Übernahme der vollen Verantwortung für sein Leben plötzlich ins Stocken. Dies hat unweigerlich Auswirkungen auf das ganze Familienleben, insbesondere dann, wenn er ein eher pubertäres Verhalten zeigt: motzen bei kleinsten Grenz­setzungen, Vertröstung auf «morgen» (gleich «nie») bei der Aufforderung, etwas zu tun, das unangenehm sein könnte, dagegen vermeintlich unendliche Freiheit im Gamen etc.

Sie werden früher oder später nicht darum herumkommen, schmerzliche Entscheidungen zu treffen. Sprechen Sie sich zuerst als Eltern ab, was Sie tolerieren wollen und was nicht mehr. Wer kommt im Moment für seinen Lebensunterhalt auf? Wer bezahlt all die anfallenden Ausgaben (Wohnen, Essen, Kleider, Versicherungen, Freizeit usw.)? Sollten Sie dies bezahlen, so unterstützen Sie ungewollt das momentane Nichtstun Ihres Sohnes.

Unterstützung und Grenzen

Als Eltern können Sie Ihrem Sohn im doppelten Sinn Halt geben. Konfrontieren Sie ihn gemeinsam über Ihre Entscheidungen, was ab heute zu tun ist und nicht auf morgen verschoben wird. Sie sind bereit, ihm bei der Suche nach Arbeit und einer möglichen Ausbildung zu helfen. Das ist der unterstützende Halt. Lassen Sie sich aber nicht durch eine mögliche aggressive Reaktion abweisen. Hier kommt der grenzsetzende Aspekt des Haltens ins Spiel. Sie gebieten möglicher häuslicher Gewalt Einhalt, sei diese nun verbal, sachbeschädigend (in einem Wutanfall Mobiliar zerstören) oder sogar gegen Sie gerichtet. Hier dürfen Sie keine Toleranz walten lassen, sonst lernt er sehr schnell, den «harten Kerl» zu markieren, um sich anschliessend wieder seinem Nichtstun hinzugeben.

Auch Sohn realisiert Problem

Möglicherweise steckt in Ihrer Verzweiflung auch ein Stück Verzweiflung Ihres Sohnes: Auch wenn er dies nicht so ausdrückt, ist es durchaus möglich, dass bei ihm ab und zu Zweifel über seine momentane Situation und sein Verhalten entstehen. Wenn er diese Zweifel möglichst rasch beiseiteschiebt mit angenehmen Ablenkungen (Gamen), so nimmt er sie nicht mehr wahr.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie zur Tat schreiten, trotz aller Zweifel über die Auswirkungen. Und zwar besser heute als morgen. Denn Hinauszögern wird das Problem nicht lösen.

Dr. phil. Josef Jung, Hitzkirch,

Fachpsychologe für Psychotherapie FSP

www.psychotherapie-jung.ch

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