Ratgeber

Erspart ein Steingarten die Gartenarbeit?

Ich möchte möglichst wenig Arbeit mit meinem Hausumschwung haben. Darum habe ich mir überlegt, einen Steingarten anzulegen. Nun höre ich, dass ein solcher auch arbeitsintensiv ist. Was schlagen Sie vor?

Othmar Ziswiler*
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Othmar Ziswiler

Othmar Ziswiler

Stein- oder Schottergärten waren in den letzten Jahren trendy und sind in urbanen als auch in ländlichen Gebieten recht häufig anzutreffen. Zum Glück – meine ganz persönliche Meinung – ist dieser Trend nun gebrochen.

Denn was bedeuten solche Steinwüsten? Als Erstes wird die oberste Erdschicht abgetragen und wegtransportiert; darauf wird ein festes Vlies verlegt, worauf Steine gekippt werden. Einige einsame Pflanzen vervollständigen das Bild einer Steinwüste – fertig ist der vermeintlich einfach zu pflegende Garten.

In den Ritzen zwischen der Steine sammeln sich aber Blätter und anderes organisches Material, was zu Humus wird – nach ein paar Jahre erobert sich die Natur die Fläche zurück. Jetzt muss gejätet werden, oder es werden verbotenerweise Herbizide eingesetzt. Dieses Verbot gilt seit 2001 auf allen befestigten Flächen wie Wege und Plätze. Viel zu schnell würden aktive Substanzen durch Niederschläge ins Grundwasser gespült.

Steingärten sind auch Gift für das Stadtklima. Im Gegensatz zu Pflanzen, die Schatten erzeugen und Wasser verdunsten, heizen sich Steingärten im Sommer stark auf. In der Nacht wird die Wärme wieder abgegeben, und die Steinwüste wirkt so der nächtlichen Abkühlung entgegen.

Ihr Wunsch nach einem pflegeleichten Garten ist gut nachvollziehbar. Ich empfehle Ihnen Stauden-Mischpflanzungen. Stauden sind aus gärtnerischer Sicht nicht Gehölze, wie wir es im Schweizerdeutsch verstehen, sondern Pflanzen, die sich im Winter in den Boden zurückziehen und im Frühling wieder ausschlagen. So etwa viele Gräser, der Rittersporn oder unser Edelweiss. Solche Stauden-Mischpflanzungen bestehen aus zehn und mehr Pflanzenarten. Diese müssen an die Bedingungen am Standort angepasst sein: Es gibt Mischungen für den Schatten, für volle Sonne, für fette oder magere Böden etc.

Ziel ist es auch, möglichst lange Blühendes zu haben. Es sollte von März bis November blühen. Darum werden auch Zwiebelpflanzen für den Frühling und Astern oder Fetthennen für den späten Herbst verwendet. Je nach Mischung blühen die Pflanzen in vielen Farben, aber auch Ton in Ton. Ganz wichtig ist, dass eine Fachperson die Mischung zusammenstellt. Nur so ist gewährt, dass die Fläche schnell zuwächst, aber keine Pflanzen ungewollt verdrängt werden.

Anlegen und Pflege einfach

Die beste Pflanzzeit für Stauden-Mischpflanzungen ist an sich der Herbst. Ist die Rabatte vorbereitet, also gelockert und ohne Wurzelunkräuter, kann mit der Pflanzung gestartet werden. Dies ist ganz einfach. Zuerst werden die Gerüstbildner – die grösseren, eher dominanten Stauden – ausgelegt. Anschliessend werden die restlichen Stauden wild durcheinander verteilt, sie werden nicht zu tief gepflanzt. Schliesslich kommen in die Lücken die Zwiebeln der Frühjahrsblüher. Wenn möglich wird die Fläche gegen Unkräuter mit 5 cm Splitt abgedeckt.

Die Pflege ist denkbar einfach. Anfang März, sobald es wieder wärmer wird und die Zwiebelpflanzen noch nicht ausgeschlagen haben, können die Stauden zurückgeschnitten werden. Dazu kann auch ein nicht zu tief eingestellter Rasenmäher eingesetzt werden. Die Pflanzen würden das auch schon früher ertragen. Da die Stängel der Stauden aber Überwinterungsquartiere für diverse Insekten sind, ist dies nicht zu empfehlen.

*Othmar Ziswiler ist Leiter Gärtnerischer Detailhandel Jardin Suisse, www.jardinsuisse.ch

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