Ratgeber

Erbschaft: Wie können wir einen Streit vermeiden?

Mein Ehemann und ich (62 und 60) bewohnen ein Einfamilienhaus und betreiben eine Konditorei; beides gehört uns je hälftig. Wie können wir unser Erbe regeln, um bei einem Todesfall Streitigkeiten mit und zwischen unseren zwei erwachsenen Kindern zu vermeiden? Mit welchen Kosten ist dabei zu rechnen?

MLaw Silvan Bötschi*
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Verstirbt ein Ehepartner, findet zunächst die sogenannte güterrechtliche Auseinandersetzung zwischen den Ehepartnern statt. Dabei wird das Vermögen der Ehepartner ausgesondert und in je ein Vermögen der Ehefrau und des Ehemannes aufgeteilt.

MLaw Silvan Bötschi.

MLaw Silvan Bötschi.

Je nach anwendbarem Güterstand und allfälligen ehevertraglichen Zuteilungsregelungen folgt diese Aufteilung unterschiedlichen Grundsätzen. Nur was danach dem Vermögen des verstorbenen Ehepartners zugeteilt ist, fällt in dessen Nachlass und ist unter den Erben zu verteilen.

Von Gesetzes wegen erben in Ihrem Fall der überlebende Ehepartner die Hälfte und die beiden Kinder je einen Viertel dieses Nachlasses, wovon der Pflichtteil für den überlebenden Ehepartner die Hälfte (d.h. ein Viertel des Nachlasses) und für die Kinder je drei Viertel (d.h. je drei Sechzehntel des Nachlasses) beträgt. Im Rahmen einer derzeit laufenden Gesetzesrevision werden künftig die Pflichtteile voraussichtlich gesenkt.

Wünschenswert wäre sicherlich, dass das Haus und die Beteiligung an der Konditorei im Rahmen einer erbrechtlichen Auseinandersetzung in unkomplizierter Weise einem oder mehreren Erben zu Eigentum zugeteilt werden können und nicht verkauft werden müssen, um die Pflichtteile der Erben zu erfüllen.

Zum einen ist es möglich, dass Ihre Kinder in einem Erbverzichtsvertrag mit Ihnen und Ihrem Ehemann freiwillig zugunsten des überlebenden Ehepartners auf ihren Teil des Nachlasses verzichten. Dadurch würden alle Anteile des Hauses und der Konditorei erbrechtlich automatisch dem überlebenden Ehepartner zufallen. Mit den Kindern kann für den Erbverzicht eine Gegenleistung zu Lebzeiten oder auf den Tod des verstorbenen Ehepartners vereinbart werden.

Zum anderen ist es möglich, dass in einem Erbvertrag genau bestimmt wird, wem welche Anteile des Hauses und der Konditorei zu welchem Wert zugeteilt werden und welche Gegenleistungen den anderen Erben dafür zu erbringen sind.

Öffentliche Beurkundung

Ein Erb- bzw. Erbverzichtsvertrag muss öffentlich beurkundet werden. Mit Blick auf die güterrechtliche Auseinandersetzung zwischen den Ehepartnern empfiehlt es sich, einen Erb- bzw. Erbverzichtsvertrag in Kombination mit einem Ehevertrag abzuschliessen, der auch öffentlich beurkundet werden muss.

Bei der Ausarbeitung kann Ihnen je nach Kanton ein Notar oder das Amtsnotariat behilflich sein. Die Kosten hängen grundsätzlich von der Komplexität des Vertrages ab und werden meist als Promillesatz des Nachlasses oder nach dem Stundenaufwand berechnet, wobei Sie mit einem Stundenansatz zwischen 200 und 400 Franken rechnen sollten. Für die Beurkundung fällt teils eine zusätzliche Beurkundungsgebühr von einigen Hundert Franken an.

* MLaw Silvan Bötschi ist Rechtsanwalt und Notar, SchochMaierPartner; www.schochmaier.ch