Ratgeber

2. und 3.Säule: Wie kann ich Konkubinatspartner begünstigen?

Ich (52, w, gesch., ein Sohn) lebe im Konkubinat. Ich habe eine gute Pensionskasse und habe immer den Maximalbeitrag in die Säule 3a einbezahlt. Kann ich das Guthaben der Pensionskasse sowie diejenigen der Säule 3a meinem Partner vermachen, falls mir etwas zustösst, oder fällt das alles in meinen Nachlass?

Marco Trüssel*
Hören
Drucken
Teilen
Marco Trüssel.

Marco Trüssel.

Obwohl das Zusammenleben im Konkubinat heute weit verbreitet ist, sind Konkubinatspaare sowohl im Erbrecht als auch in der beruflichen und der privaten Vorsorge deutlich schlechter gestellt als Ehepaare. So besteht unter anderem von Gesetzes wegen zwischen Konkubinatspartnern kein Erbanspruch. Wenn Sie Ihren Konkubinatspartner begünstigen wollen, müssen Sie deshalb selbst aktiv werden – sei dies im Erbrecht (Testament oder Erbvertrag) oder durch Vorkehrungen bei der 2. und der 3.Säule.

Berufliche Vorsorge

Grundsätzlich besteht für die überlebende Konkubinatspartnerin auch bei der 2.Säule kein gesetzlicher Anspruch auf eine Hinterlassenenrente. Pensionskassen können aber freiwillig in ihrem Reglement eine Leistung an die überlebende Konkubinatspartner vorsehen, wenn die Lebensgemeinschaft mindestens fünf Jahre gedauert hat, eine massgebliche finanzielle Unterstützung vorlag oder gemeinsame Kinder vorhanden sind. Am besten erkundigen Sie sich frühzeitig direkt bei Ihrer Pensionskasse, ob und unter welchen Bedingungen eine Begünstigung Ihres Konkubinatspartners vorgesehen ist.

Da Leistungen der 2. Säule weder in den Nachlass fallen noch der erbrechtlichen Herabsetzung unterliegen, können sich Konkubinatspartner auf diese Weise gut absichern, sofern das jeweilige PK-Reglement eine Begünstigung vorsieht.

Private Vorsorge: Säule 3a

Die Begünstigungsmöglich­keiten in der Säule 3a sind gesetzlich eingeschränkt. Sofern beim Tod keine Ehe bzw. eingetragene Partnerschaft bestand, lassen sich die direkten Nachkommen sowie die Konkubinatspartnerin begünstigen, wenn (analog zur 2.Säule) die Lebensgemeinschaft mindestens fünf Jahre dauerte, eine massgebliche finanzielle Unterstützung vorlag oder gemeinsame Kinder vorhanden sind. In Ihrem konkreten Fall lassen sich die Ansprüche Ihres Sohnes und Ihres Konkubinatspartners nach freiem Ermessen aufteilen. So können Sie Ihren Konkubinatspartner mit dem gesamten Guthaben begünstigen. Bedingung ist jedoch, dass Sie dies Ihrer Vorsorgeeinrichtung schriftlich mitteilen.

Die Frage, ob Ansprüche aus der gebundenen Selbstvorsorge, also der Säule 3a, in den Nachlass fallen, ist im geltenden Recht umstritten. Wenn Sie die Ansprüche des Sohnes reduzieren oder gänzlich ausschliessen, besteht allenfalls das Risiko einer erbrechtlichen Pflichtteilsverletzung, gegen die Ihr Sohn gerichtlich vorgehen könnte. Erkundigen Sie sich frühzeitig bei Ihren Vorsorgeeinrichtungen, unter welchen Bedingungen Sie Ihren Konkubinatspartner begünstigen können, und lassen Sie sich die gemeldete Begünstigung schriftlich bestätigen.

* Marco Trüssel, MLaw, ist Experte für Erbrecht und Willensvollstreckungen