Schmetterling
Püppchen, hast dich entfaltet! – wie die Farbe in die Flügel kommt

Spannender als Fussball: Unsere Autorin hat einer Schwalbenschwanzraupe Asyl geboten und beobachtet, wie die Farbe in die Flügel kam.

Sarah Kunz
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Von der Schwalbenschwanzraupe zum bunten Schmetterling.

Von der Schwalbenschwanzraupe zum bunten Schmetterling.

Sarah Kunz

Vier Tage früher als erwartet entdecke ich etwas Gelbes in der Plastikbox. Darin hing die letzten zehn Tage eine bräunliche Puppe an einem Ast. Die Raupe hatte ich auf einem Parkplatz gefunden. Jetzt ist sie nicht mehr da. Stattdessen bestaune ich einen prächtigen Schwalbenschwanz, einer der grössten heimischen Tagfalter der Schweiz.

Ich bin erleichtert. Denn ich hatte befürchtet, etwas falsch gemacht zu haben, weil sich die Puppe immer dunkler verfärbte. Für andere Raupeneltern kann ich Entwarnung geben: Der Kokon weist kurz vor dem Schlüpfen des Schmetterlings einen dunklen Strich auf dem Rücken auf. Zudem wird durch die Membran das Flügelmuster ersichtlich.

Noch sind seine Flügel verknittert und müssen zuerst einmal aushärten. Dazu pumpt der Schmetterling während der nächsten halben Stunde Flüssigkeit in seine Flügel, die immer kraftvoller und grösser werden. Bald haben sie ein sattes Gelb angenommen.

Auch die blauen Binden an den Hinterflügeln und die roten Augenflecken an den Innenseiten sind nun deutlich erkennbar. Die übrig gebliebene Farbe, für die der Sommervogel nun keine Verwendung mehr hat, scheidet er zusammen mit anderen überflüssigen Stoffen aus und beschmutzt damit die Ränder der Plastikbox mit einer bräunlich-roten Flüssigkeit. Vorsichtig öffnet er die Flügel ein Stückchen und schliesst sie wieder.

Auch den Rüssel streckt der Schmetterling. Zuerst zaghaft, dann mutiger. Woher kommst du, schönes Tier? Was ist in den letzten Tagen Magisches passiert? Ich lese nach: Die Raupe hat sich innerhalb der Puppe vollständig aufgelöst und als Schmetterling neu zusammengesetzt. Die ursprüngliche Larve zersetzte sich durch ihre eigenen Verdauungssäfte nahezu vollständig. Nur wenige Zellen blieben von diesem Vorgang verschont, die dann die Anlagen für die neu entstehenden Organe des Schmetterlings bildeten. Leider konnte ich diese Wandlung mit blossem Auge nicht verfolgen.

Tipps für die Raupenzucht

Es ist eine unglaubliche Wandlung. Wir Menschen können nichts dergleichen. Wer wenigstens einmal mitstaunen will, muss wissen: Am häufigsten findet man die Raupe, deren Körper in diesem letzten Stadium grün-schwarz gestreift und mit dunkelorangen Tupfen ist, an Karotten- oder Fenchelkraut. Schwalbenschwanzraupen werden im Volksmund nicht umsonst «Rüebliraupen» genannt.

Notfalls fressen die kleinen Geschöpfe auch Petersilie oder Dill. Nahrung sollte in einer grossen Box, die am besten mit trockener Erde und einigen kleinen Ästen eingerichtet ist, immer frisch vorhanden sein. Auch Luftlöcher braucht es natürlich, damit die Raupe Sauerstoff erhält und das Wetter spürt. Die Metamorphose wird schliesslich davon beeinflusst.

Hat die Raupe kräftige Farben und eine Grösse von rund fünf Zentimetern erreicht, wird sie stunden- oder gar tagelang umherwandern. Sie sucht sich einen geeigneten Platz für die Verpuppung. Kopfüber wird sie sich an einem seidenen Faden aufhängen. Ihre Saugnapf-artigen Füsse hängen in der Luft. Nach etwa einem Tag in dieser Position verblassen die Farben zusehends, die Haut scheint milchig und trocken. Dann platzt die alte Haut am Kopf auf und mit Hin-und-her-Bewegungen streift die Raupe ihre Haut wie einen alten Pyjama von sich. Hervor kommt ein hellgrüner Kokon, der nach einem Tag aussieht, als wäre er eingetrocknet.

Jetzt bewegt der Schwalbenschwanz ein letztes Mal seinen noch ungewohnten Körper, öffnet die Flügel, streckt den Rüssel – und hebt ab.

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