Punker neben Banker

Eine Fanreise per Buch zu St. Pauli

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Liebe, nichts als Liebe floss in das Buch zum 100. Geburtstag des Hamburger Kult-Clubs FC St. Pauli. Während die Druckfarbe trocknete, wurde klar, dass ein wichtiges Kapitel fehlen würde. Genauso kam es: Die Mannschaft um Trainer Holger Stanislawski schaffte den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga. «St. Pauli feiert St. Pauli», hiess es aus Hamburg. Nach 100 Jahren voller Aufstiege, Abstürze, Euphorie, Anarchie und Blutgrätschen stieg am Millerntor die Aufstiegsparty. Wieder einmal ist alles neu – oder doch nicht ganz?

Geheimnisse gelüftet

Die Autoren Christoph Nagel und Michael Pahl sind Pauli-Fans, Historiker und Redaktoren der offiziellen Stadionzeitung «Viva St. Pauli». Während zweier Jahre haben sie in privaten und öffentlichen Archiven recherchiert, Geheimnisse gelüftet und Bildschätze gehoben. «Die Arbeit an diesem Buch war das umfassendste und schönste Projekt unseres Lebens», schreiben sie. Ihr Buch «FC St. Pauli.

Der Verein und sein Viertel» baut auf der Chronologie der Vereinsgeschichte auf, aber geht weit über den Sport hinaus, hinein in das kulturelle und politische Leben.

Der Pauli-Mythos

Der Pauli kann keine grossen Pokale oder Meistertitel vorweisen, und doch verkaufen sich seine Fanartikel auf Champions-League-Niveau. Der Pauli-Mythos machts möglich.

Wie kam es dazu? Die Autoren gehen der Frage nach: Die chronische Finanznot, die Eingebundenheit ins Stadtviertel, die links-alternative bis links-autonome Fanszene, die Rolle des Underdogs gegenüber dem scheinbar übermächtigen Hamburger SV sind sicher der Urgrund, auf denen der Mythos gedeiht. Der Satz «Da steht der Punker neben dem Banker» ist mehr als eine Floskel.

Philippe Reichen

Christoph Nagel, Michael Pahl; FC St. Pauli. Der Verein und sein Viertel. Hoffmann und Campe, Hamburg, Fr. 72.–