Mobilität
Polizisten hinters Licht geführt: Der nächste Uber-Skandal rollt an

Die negativen Schlagzeilen im Zusammenhang mit Uber reissen nicht ab: Mit einer speziellen Software ist der amerikanische Fahrdienst jahrelang Polizisten ausgewichen. Welche Folgen, und ob es legale Konsequenzen haben wird, ist noch nicht klar. Das Image von Uber leidet jedoch weiter.

Patrick Züst
Merken
Drucken
Teilen
Der nächste Uber-Skandal bahnt sich an: Eine spezielle Software trickste jahrelang Polizisten aus.

Der nächste Uber-Skandal bahnt sich an: Eine spezielle Software trickste jahrelang Polizisten aus.

KEYSTONE/AP/ERIC RISBERG

Nachdem Uber in den vergangenen Jahren konstant auf der Überholspur war, wird das Unternehmen jetzt von einer nicht enden wollenden Flut an Skandal-News ausgebremst. Seit drei Wochen verging kaum ein Tag ohne negative Schlagzeilen. Besonders die jüngsten Enthüllungen der «New York Times» werden beim amerikanischen Fahrdienst weit mehr als nur einen Imageschaden hinterlassen:

Mithilfe einer geheimen Software operiert Uber seit Jahren in Städten, wo der Fahrdienst noch gar keine Zulassung hat. Das Tool mit dem Namen «Greyball» ist direkt in die Uber-App integriert und erkennt automatisch, falls die App von Regierungsbeamten oder Polizisten benutzt wird. Wenn diese ein Uber-Taxi bestellen, um die Fahrer zu verwarnen, sorgt das Programm mit falschen Angaben dafür, dass keine Fahrzeuge in die Nähe der Polizisten kommen. Ob die Firma damit auch gegen das Gesetz verstösst, ist derzeit noch unklar.

Eine solch aggressive Strategie ist nicht untypisch für das Unternehmen, dessen Wert momentan auf 68 Milliarden geschätzt wird. «Bitte um Verzeihung, nicht um Erlaubnis», ist ein bekannter Leitspruch im Silicon Valley, aber nur die wenigsten Firmen zelebrieren dieses Motto so extrem wie Uber. Und bis anhin hatte man ihr tatsächlich fast alles verziehen, der Firma, welche mit tiefen Löhnen und verweigerten Zahlungen von Sozialbeiträgen auch in der Schweiz für Diskussionen gesorgt hat.

Der Goodwill ist vorbei. Eindrücklich gezeigt hat sich dies Ende Januar: Damals löschten rund 200 000 Personen innerhalb weniger Tage ihre Uber-App und der Hashtag #DeleteUber eroberte die sozialen Netzwerke. Grund dafür waren die engen Verbindungen zwischen Uber-CEO Travis Kalanick und dem neu gewählten Präsidenten Donald Trump.

Als sich das Unternehmen zwei Wochen später davon erholt hatte, folgte bereits der nächste Aufschrei: Eine ehemalige Uber-Angestellte, Susan Fowler, berichtete in einem Blog von den sexuellen Belästigungen, die sie dort erlebt hatte. Die Ausführungen wurden von anderen Angestellten ergänzt mit Schilderungen von Koks-Exzessen bei Firmenanlässen und zusätzlichen Berichten zur frauenfeindlichen Firmenkultur. Vor zwei Wochen kam schliesslich auch noch eine Klage von Google dazu: Darin wird Uber vorgeworfen, dass jene Technologie, welche die Firma für ihre selbstfahrenden Autos verwendet, von Google gestohlen ist.

Viele fordern nun auch die Entlassung von CEO Travis Kalanick – unter anderem wegen eines Videos, welches vor einer Woche im Internet auftauchte und den Firmengründer in einem lautstarken Streit mit einem Uber-Chauffeur zeigt.

Das alles hatte bisher nie langfristige Folgen für Uber. Doch nun hat sich die Wahrnehmung von Uber in den USA seit Jahresbeginn massgeblich verändert; immer mehr Nutzer wechseln zur Konkurrenz. Wie sich die negativen Schlagzeilen und die drohenden Klagen auf die Umsatzzahlen der Firma auswirken, lässt sich noch nicht abschätzen.