Multimedia-Reisereportage
Piranha-Fischen im Amazonas von Peru

Je tiefer man in den Amazonas von Peru eindringt, desto mehr Augen beobachten einen: Kreuzfahrten im Regenwald bieten unvergessliche Abenteuer, Piranha-Fischen inklusive. Eine Multimedia-Reportage.

Pascal Meier
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Piranha-Fischen im Amazonas Auf gehts in die Tiefen des Amazonas
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Piranha-Fischen im Amazonas Hier hat es viele Piranhas, sagt Dschungelführer Marcos
Piranha-Fischen im Amazonas Ein Schlag aufs Wasser gaukelt den Piranhas vor: Hier ist etwas ins Wasser gefallen
Piranha-Fischen im Amazonas Warten, nichts passiert.
Piranha-Fischen im Amazonas Warten, nichts passiert.
Piranha-Fischen im Amazonas Hurra, der erste Piranha ist am Haken!
Piranha-Fischen im Amazonas Hurra, der erste Piranha ist am Haken!
Piranha-Fischen im Amazons von Peru

Piranha-Fischen im Amazonas Auf gehts in die Tiefen des Amazonas

Pascal Meier

Gejohle im schwarzen Sumpf des Dschungels. An Jeremys Angelrute zappelt ein Fisch mit messerscharfen Zähnen. Ein Piranha. Jeremy jubelt, das ganze Boot klatscht begeistert.

Dann versuchen auch wir unser Glück: Wir schlagen mit der Angelrute aufs Wasser. Das gaukelt den Piranhas, die ihre Opfer bis aufs Skelett abfressen, vor: Hier ist etwas ins Wasser gefallen. Statt einer Leckerei schwebt aber ein Haken im verführerischen Kleid eines Stücks Rindfleisch im trüben Nass.

Alle Angelruten zucken sofort wie unter Strom, das Boot scheint umzingelt von ausgehungerten Piranhas. «Ein Ruck, und der Raubfisch ist am Haken», rät unser Begleiter Marcos. Doch die Piranhas sind flinker als die Jäger aus der Schweiz. Am Schluss liegt ein einziger Fisch in der Kühlbox.

Unser Fischerboot schwankt im Unterholz des Amazonas im Nordosten von Peru, rund hundert Kilometer von Iquitos entfernt. Die Stadt mit 500'000 Einwohnern ist nur per Boot und Flugzeug erreichbar. Zwei Flugstunden trennen Iquitos, wo es fast jeden Tag regnet, von der peruanischen Hauptstadt Lima, wo praktisch nie Regen fällt.

In Iquitos sorgen über 30'000 Motorrad-Taxis für knatterndes Grundrauschen. Eine geschäftige Insel im grössten Regenwald der Erde. Am Ufer des Amazonas werden Bananen, Mais und Bohnen umgeschlagen. Die Docks sind auch Sprungbrett für Abenteuer im Regenwald: Dschungeltouren boomen, beliebt sind Lodges im Grünen. Wer seltene Tiere sehen will, taucht weiter in den Regenwald ein. Rund um Iquitos ist viel Wald abgeholzt.

Der Amazonas aus der Vogelperspektive

Der Amazonas aus der Vogelperspektive

HO

Fluss-Kreuzfahrten sind unvergessliche Urwald-Abenteuer. Zum Beispiel auf der «Aria Amazon», einem der exklusivsten Schiffe auf dem Amazonas in Peru. 16 Suiten für 32 Gäste gibt es an Bord, dazu eine Lounge mit Bar, einen Massagesalon, einen Jacuzzi, eine Boutique und einen Fitness-Raum. Im Dining Room wird Spitzengastronomie mit regionalen Zutaten aufgetischt.

Die Atmosphäre auf dem Schiff ist familiär, die 24 Crew-Mitglieder kennen jeden Gast beim Namen, die Suiten werden tagsüber nicht abgeschlossen. «Die Aria ist der sicherste Ort im Amazonas», sagt Oscar. Der Peruaner hält Ordnung in den Suiten, dies dreimal täglich, und überrascht die Gäste mit Faultieren, Elefanten und Schildkröten auf dem Bett: Aus Badetüchern soll Oscar 50 Tiere falten können, erzählt man sich auf dem Schiff.

Luxus und Natur schliessen sich auf der «Aria Amazon» nicht aus. Wer eine Suite betritt, staunt über das riesige Panoramafenster. Der Blick vom Bett auf den Fluss gibt einem das Gefühl, direkt am Wasser zu liegen. Gigantische Wassermassen fliessen vorbei, ab und zu winkt ein Fischer durchs Fenster, abends schlagen pink Delfine Purzelbäume. Welch Kontrastprogramm zum Leben auf der Überholspur zu Hause!

Die «Aria Amazon» bietet 16 Suiten
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Highlight jeder Suite ist ein grosses Panoramafenster.
Aussicht vom Deck auf Amazonas-Dörfer
Kochkurs auf der «Aria Amazon»
Ausspannen nach einer Exkursion in der Lounge
Cocktail-Kurs in der Bar
Crew-Mitglied Oscar kann aus Handtüchern über 50 Tiere falten

Die «Aria Amazon» bietet 16 Suiten

Pascal Meier

Kaum auf dem Kreuzfahrtschiff, nimmt uns Roger mit auf die erste Exkursion. Der 36-jährige Dschungelführer ist wie seine Kollegen Marcos, Julio und Ricky im Amazonas aufgewachsen und zeigt Gästen der «Aria Amazon» die verzweigte Landschaft des wasserreichsten Flusses der Erde.

Hier rasen wir nun auf dem Motorboot dem Ufer entlang. Roger sieht Tiere, die für uns zuerst unsichtbar sind: Echsen, Schlangen, Vögel. Und Termiten-Nester: Wir reiben zögernd unsere Hände am braunen Nest. Das braucht Mut, doch der Duft soll lästige Mücken in die Flucht schlagen.

Dann zeigt Roger mit dem Finger hoch in die Bäume: Zwei Faultiere hängen an einem Ast. Was vorne und hinten ist, bleibt ein Rätsel. Ein Papageien-Paar fliegt über die Baumkrone hinweg. Wir sehen auch Truthahn-Geier, die sich um ein totes Tier streiten.

In einem Baum erspähen wir zwei Affen. Roger nennt sie «Michael-Jackson»-Affen – wegen der weissen Hände, die Handschuhen ähneln. Viele Affen seien ein Zeichen dafür, dass es hier keine Malaria gibt, sagt Roger, der plötzlich eine Tarantel über seinen Handrücken spazieren lässt. «Die Affen sterben an Malaria.»

Dschungel-Expedition im Amazonas Dschungel-Führer Marcos kennt den Regenwald seit seiner Kindheit
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Dschungel-Expedition im Amazonas Termiten-Nest
Dschungel-Expedition im Amazonas Regenwald-Idylle
Dschungel-Expedition im Amazonas Ein Fischer zeigt seinen Fang
Dschungel-Expedition im Amazonas Fisch im Fisch
Dschungel-Expedition im Amazonas Ein Faultier hängt an einem Ast
Dschungel-Expedition im Amazonas Ein Dschungel-Führer holt eine grosse Schlange vom Baum
Dschungel-Expedition im Amazonas Regenwald-Idylle
Dschungel-Expedition im Amazonas Ein Fischer
Dschungel-Expedition im Amazonas Marcos mit einer Tarantel
Dschungel-Expedition im Amazonas Der Albtraum aller Spinnenphobiker
Dschungel-Expedition im Amazonas Eine grosse Echse
Dschungel-Expedition im Amazonas Sonnenuntergang auf dem Amazonas

Dschungel-Expedition im Amazonas Dschungel-Führer Marcos kennt den Regenwald seit seiner Kindheit

Pascal Meier

Immer wieder begegnen wir auf unserer Tour Fischern in schlanken Holzbooten. Sie grüssen uns Touristen mit unseren Kameras in unserer Anti-Brumm-Wolke. Ein junger Einheimischer zeigt stolz einen grossen Fisch und drückt dessen Mund auf. Im Rachen steckt ein weiterer Fisch. Fressen und Gefressenwerden im Amazonas. Wo steht der Mensch in dieser Nahrungskette, geht einem durch den Kopf. Denn plötzlich raschelt es laut im Unterholz. «Tausend Augen beobachten uns», sagt Roger. Wir verstummen.

Nachtexkursion Ricky leuchtet das Ufer ab, reflektierende Augen verraten nachtaktive Tiere

Nachtexkursion Ricky leuchtet das Ufer ab, reflektierende Augen verraten nachtaktive Tiere

Pascal Meier

Einige der unzähligen Augenpaare sehen wir bei einer weiteren Exkursion am Abend. Unser Boot jagt über Seitenflüsse des Amazonas, Begleiter Ricky leuchtet mit der Lampe das Ufer ab. Da und dort blitzt etwas auf, das Licht reflektiert in den Augen nachtaktiver Tiere. Ricky hält Ausschau nach einem Tier, das bis zu 9 Meter lang und 200 Kilogramm schwer wird: die Anakonda, die grösste Schlange der Welt. «Sie ist nicht giftig, sie beisst aber», sagt Ricky – und fügt an: «Das war jetzt kein Spass, sie sind gefährlich.» Es wird still im Boot. Je weiter wir in die dunkle Dschungelwelt fahren, desto lauter dröhnt der Urwald.

Plötzlich blitzen Augen auf im Schilf. Das Boot nähert sich, Ricky greift ins Wasser und zieht einen kleinen Kaiman-Alligator aus der Dunkelheit. Nach den geschossenen Fotos legt er ihn behutsam zurück. Man spürt: Die Dschungelführer achten auf die Natur. «Mein Vater sagte: Was man liebt, beschützt man», erzählt Rickys Kollege Roger.

Jetzt noch ungefährlich: Kleiner Kaiman-Alligator

Jetzt noch ungefährlich: Kleiner Kaiman-Alligator

Pascal Meier

Und doch sind Spuren des Menschen im Urwald sichtbar: Im Amazonas treibt Plastik, am Ufer sehen wir gerodete Flächen. Noch immer gibt es Ureinwohner im Regenwald, viele Indio-Stämme sind laut den Dschungelführern gut versteckt. Einige Stämme schotten sich bewusst von der Zivilisation ab, die Angst vor fremdem Einfluss und Krankheiten ist gross. «Wer hier vordringt, muss damit rechnen, von einem vergifteten Blasrohrpfeil erwischt zu werden», erzählt Dschungelführer Marcos.

Strom im Dschungel

Die meisten Ureinwohner haben aber Kontakt zur Zivilisation. Wo Touristen stoppen, floriert der Verkauf von Kunsthandwerk. Auch wir besuchen ein solches Dorf, das Einblick in die Lebensweise der Urwaldeinwohner im 21. Jahrhundert gibt.

Besuch in einem Regenwald-Dorf

Besuch in einem Regenwald-Dorf

Pascal Meier

Lino, stolzer Vater von sechs Kindern, lädt uns in sein Haus ein. Hier steht ein Fernseher mit DVD-Player, der Strom kommt vom Generator. An der pink Wand hängt ein Kalender mit halb nackten Frauen.

Kindergarten und Grundschule sind im Dorf, erzählt uns Lino, später gehen die Kinder in Nauta zur Schule. Die Dschungelstadt liegt knapp drei Stunden Bootsfahrt entfernt. Ob die Kinder als Erwachsene im Dorf leben werden, ist fraglich: Hier gibt es keine Jobs, keine Motorräder, keine Smartphones. Viele Dörfer im Dschungel schrumpfen deshalb.

Zu Besuch in einem Regenwald-Dorf: Vater Lino erzählt die Geschichte seiner Familie

Zu Besuch in einem Regenwald-Dorf: Vater Lino erzählt die Geschichte seiner Familie

Pascal Meier

Nach drei Tagen im Amazonas speisen wir zum letzten Mal auf der «Aria Amazon». Die Küchen-Crew serviert Palmenherz-Creme-Suppe, Ziegenkäse-Salat mit Auberginen und gerösteten Tomaten, gefolgt von geröstetem Schwein mit Kartoffel-Knoblauch-Püree mit karamellisierten Zwiebeln.

Dann die Überraschung: Der Koch präsentiert auf einem Teller den einzigen Piranha, den unsere Gruppe gefangen hat. Als Hauptspeise taugt der Fisch aber nicht. Piranhas haben zwar ein grosses Mundwerk, aber wenig Fleisch am Knochen.

Diese Reise wurde ermöglicht durch Promperu und Aqua Expeditions. Kreuzfahrten auf der «Aria Amazon» mit 3, 4 oder 7 Übernachtungen ab 3500 Franken pro Person.