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Pestizid tötet die Biene im Winter

Die Varroamilbe ist für Honigbienen besonders gefährlich, wenn Insektengifte dazukommen. Das zeigt eine Studie des Instituts für Bienengesundheit der Universität Bern.
Niklaus Salzmann
Grund für das Bienensterben: Auf der Biene sitzt eine Varroamilbe. (Bild: Getty)

Grund für das Bienensterben: Auf der Biene sitzt eine Varroamilbe. (Bild: Getty)

Jedes siebte Honigbienenvolk in der Schweiz hat den letzten Winter nicht überlebt. Und fast ebenso viele waren in diesem Frühling so schwach, dass sie mit einem stärkeren Volk vereinigt werden mussten. Alles in allem ist den Schweizer Imkern so rund ein Viertel der Bienenvölker verloren gegangen.

Das ist viel, aber es entspricht ungefähr dem Schnitt der vergangenen Jahre. In Imkerkreisen hatte man eher noch Schlimmeres befürchtet, wie der Dachverband Apisuisse gestern mitteilte. Der Hitzesommer habe die Bekämpfung der Varroamilbe erschwert. Denn bei hohen Temperaturen kann die Behandlung der Bienenvölker mit Ameisensäure gegen die Milben nicht durchgeführt werden.

Doch es ist nicht nur die Varroamilbe, die den Bienen zu schaffen macht. Der andere heiss diskutierte Faktor sind Pflanzenschutzmittel, insbesondere die sogenannten Neonicotinoide. Mit diesen Insektengiften werden beispielsweise Kartoffelkäfer bekämpft. Forscher um Lars Straub vom Institut für Bienengesundheit der Universität Bern, haben zu diesen Pestiziden einen erstaunlichen Effekt gefunden.

Pestizide und Milben wirken fatal

Ihre Studie haben sie an den zwanzig Bienenvölkern des Instituts in Bern durchgeführt. Solange die Bienen nicht von Milben befallen waren, ertrugen sie die Insektizide gut. «Die Pestizide alleine wirkten sich weder auf das Gewicht noch auf die Langlebigkeit der Bienen aus», sagt Lars Straub. Kam aber ein Milbenfall dazu, war die Wirkung fatal. Allerdings erst mit Verzögerung:

«Zu unserem grossen Erstaunen zeigten sich die Effekte nicht im Sommer, als wir die Kolonien mit Pestiziden behandelten, sondern 16 Wochen später»

, sagt Straub. Die Arbeiterbienen, die im Herbst geboren wurden und den Winter überstehen sollten, lebten weniger lang und wurden weniger gross. Die Körpergrösse ist gerade in kälteren Monaten wichtig, denn grössere Bienen ertragen die Kälte besser. Straub: «Wir vermuten, dass die kombinierte Wirkung von Pestiziden und Varroamilben zu den seit Jahren immer wieder hohen Winterverlusten beiträgt.»

Untersucht hat er zwei Neonicotinoide, deren Einsatz im Freiland in der Schweiz inzwischen verboten wurde (siehe Kasten). «Die gefundenen Effekte müssen nicht pauschal für alle Pestizide gelten», sagt Straub.

«Aber wir empfehlen, den Einsatz von Pestiziden vorbeugend zu reduzieren. Ich denke, insbesondere die Saatgutbeizung mit Neonicotinoiden muss hinterfragt werden.»

Solange Pestizide in der Landwirtschaft breit verwendet werden, haben Imker keine Chance, den Kontakt ihrer Bienen zu diesen Giften zu verhindern. In einer vor wenigen Wochen publizierten Studie hatten Wissenschafter der Universität Neuenburg und der Schweizerischen Vogelwarte Böden und Pflanzen auf Bauernbetrieben im Mittelland untersucht. Sogar auf 93 Prozent der an sich Pestizid-freien Bio-Äcker und auf 80 Prozent der ökologischen Ausgleichsflächen sowie auf 14 der 16 untersuchten Proben von Bio-Saatgut fanden sie Rückstände von Neonicotinoiden.

Fataler Hitzesommer 2018

Auffallend in den neusten Zahlen von Apisuisse ist, wie viele Bienenvölker den Winter zwar überlebten, aber so sehr serbelten, dass sie nicht als eigenes Volk weitergeführt werden konnten. Das könnte mit dem Hitzesommer 2018 zu tun haben. Wegen der hohen Temperaturen war der Wald Ende Sommer unerwartet reich an Honigtau. «Wir haben verschiedene Theorien», sagt Imker Reihl. «Eine davon ist, dass die Bienen sich verleiten liessen, ihre Brutflächen mit Honig zu füllen. Dadurch mangelte es an Platz für Eier, aus denen Winterbienen hätten schlüpfen sollen.» Verluste könnten also mit dem Klimawandel zu tun haben, der den Jahresrhythmus der Bienen durcheinanderbringt. Keine Rolle spielt dagegen vermutlich die Mobilfunkstrahlung durch erste 5G-Sendemasten, wie Peter Neumann, Professor für Bienengesundheit an der Uni Bern, festhält.

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