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Interview

Über Fussballsongs auf Vinyl und was die Fans in den Stadien grölen

An der Weltmeisterschaft soll die Schweizer Nati für fussballerische Glanzpunkte sorgen. Wie es um die Musikalität im Fussball steht, weiss der leidenschaftliche Sammler Pascal Claude.
Michael Graber
Fast jeder Verein hat seinen Fussballsong. Und teilweise fühlten sich sogar Fussballer selbst zu Sängern berufen. Franz Beckenbauers zweite und letzte Single erschien 1967. (Bilder: www.45football.com)
Ein Tribut an den Mittelfeldspieler Karl «Karli » Odermatt. Aufgenommen 1970 von Peter Felix und FCB-Fans.
Das Lied für Paris Saint Germain erschien 1993.
Das Lied von Nöggi erschien 1983. Der Text dazu stammt von Charles Lewinsky.
Ein Lied der Kapelle Heirassa Luzern. Das Erscheinungsjahr der Platte ist nicht bekannt.
Das Lied von Ritter/Barbella erschien 1981.
Der YB-Song erschien 1973.
Das Lied für den FC Aarau von der Stadtmusik Aarau mit Mannschaftsgesang von 1986. Im Auto ist Trainer Ottmar Hitzfeld zu sehen.
Lied für die Nationalmannschaft in drei Sprachen von 1989.
9 Bilder

«Pelé konnte ganz gut singen»

König Fussball ist derzeit omnipräsent auf allen Kanälen. Die riesige Marketingmaschine der Fifa walzt alle Zwischentöne platt. Wenn es um Töne geht, ist Pascal Claude (47) der Schweizer Experte. Der Zürcher Musiker, Lehrer und Autor zu Fussballthemen hat eine beeindrucke Sammlung an Fussballsongs auf Vinylsingles. Diese macht er unter 45football.com öffentlich zugänglich. Club-Huldigungen aus aller Welt. In unterschiedlicher Qualität, immer mit kleinen Geschichten und Covers aufbereitet.

Fussball und Musik, ist das eine Kombination, die ­funktioniert?

Unbedingt. Denken Sie da beispielsweise an die Fangesänge.

Was macht einen guten Fangesang aus?

Hauptsächlich, dass er zum richtigen Zeitpunkt entsteht. Es gibt solche mit komplizierten Melodien, es gibt ganz einfache, es gibt solche in Dur und solche in Moll. Rein musikalisch kann man kein klares Muster erkennen. Er muss einfach irgendwie den Nerv der Leute treffen. Dann singt ihn im besten Fall das ganze Stadion.

So wie jeweils bei «You’ll Never Walk Alone»

Das ist ja eigentlich überhaupt kein typischer Fussballsong. Er war in den 60er-Jahren in den englischen Charts und wurde im Stadion gespielt und mitgesungen. Meistens kursieren verschiedene Versionen, wie ein Song zur Clubhymne wurde. Solche Legenden machen die Songs dann aber erst zu dem, was sie sind.

Mittlerweile wird in jedem zweitem Stadion «You’ll Never Walk Alone» gesungen. Kann man diese Legenden transportieren?

Man kann es versuchen. Ich finde es aber traurig, was mit dem Song passiert ist. Er wurde rund um den Globus totgespielt und hat so viel von seiner ursprünglichen Bedeutung verloren. Andere Vereine versuchen so einfach die Stimmung von Liverpool oder Glasgow oder wo auch immer zu kopieren. Die richtig eindrücklichen Songs wachsen aber organisch. Verordnet kommt selten gut.

Stichwort Verordnung. Oft gibt in den Stadien die Ultragruppierung den Takt an. So ist es doch praktisch nicht möglich, dass ein Song das ganze Stadion erfasst?

Gegenfrage: Hat es das in der Schweiz jemals gegeben? Also ich meine über «Hopp» und «Schalala» hinaus? Wenn, dann waren es Lieder wie «Go West» oder so. Aber eigentliche Fussballsongs oder Fangesänge, die für ein ganzes Stadion funktionieren, gibt es bei uns praktisch keine. Leider.

Ist das anderswo anders?

Pascal Claude ist leidenschaftlicher Sammler.

Pascal Claude ist leidenschaftlicher Sammler.

Ich war vor einiger Zeit länger in Argentinien. Da hat jede Kurve auch noch ihre Band dabei, Trommler und Trompeten. Da gehört das Singen viel mehr dazu. Oft singt da ein Grossteil des Stadions neunzig Minuten durch. Ich war an einem Spiel in Patagonien. Da waren zwei Fangruppen des gleichen Vereins zerstritten. Die haben dann jeweils eigene Lieder gesungen. Daraus entstand eine imposante Kakofonie.

In der Schweiz sind die Fan­gesänge in den letzten Jahren abwechslungsreicher geworden. Gibt es einen konkreten Auslöser dafür?

Ende der 1990er-Jahre, haben die Ultragruppen begonnen, auf Schweizerdeutsch zu singen. Vorher hat man sich in der Deutschschweiz stark an der deutschen Fankultur orientiert und so vor allem auf Deutsch gesungen. In der Muttersprache wurden die Lieder dann abwechslungsreicher und lokalspezifischer.

Sie selber sind Sammler von Fussballsongs-Singles auf Vinyl. Ich nehme an, das sind hauptsächlich Verbrechen auf Schallplatte.

Keineswegs. Ich würde sagen, dass rund zehn Prozent der Songs wirklich gut sind. Und bei über tausend in meiner Sammlung ergibt das doch immerhin hundert.

Kann man die auch ohne Fussballbezug hören?

Diese hundert schon, das merke ich auch, wenn ich sie an meinen Vorträgen spiele. Der Rest aber ist ohne Fussballhintergrund wohl ungeniessbar.

Woran liegt das?

Viele Fussballsongs sind Märsche oder Schlager und strotzen vor Lokalkolorit. Dazu kommt, dass es teilweise auch Auftragsarbeiten waren. Sprich: Da fand ein Präsident, dass der Club einen Song brauchte, und hat das dann bei einem Musiker bestellt. Gewisse Musiker haben auch Songs für zwei Stadtrivalen aufgenommen. Ein guter Fussballsong kann praktisch nur entstehen, wenn die Musiker auch einen Bezug zum Verein haben.

Was macht einen guten Fussballsong aus?

Das ist etwa gleich wie bei den Fangesängen. Es gibt keine musikalischen Regeln. «We Are Leeds», der mir sehr gefällt, ist eine Disco-Nummer, «SG Wattenscheid 09» – im Grunde eine sehr einfache Nummer – ist in Deutschland vereinsübergreifend zur Legende geworden. Dann gibt es auch gute Songs, die aber erst im Verlauf der Jahre zu Fussballsongs wurden. Etwa «I’m Forever Blowing Bubbles» bei West Ham.

Sie sammeln Songs auf Vinyl. Warum keine aktuelle Fussballsongs?

Erstens: Mich fasziniert neben dem Fussball auch das haptische Erlebnis. Und zweitens: Es wäre schlicht unmöglich. Alleine für England sind vor dieser WM über 20 inoffizielle Songs erschienen.

Also wird «Bring en hei» nie Teil Ihrer Sammlung sein?

Wenn er auf Vinyl-Single erscheint, nehme ich den schon. Ich finde den auch nicht so schlecht. Kein Wunder: Er hat die Songstruktur bei «Three Lions» abgekupfert.

Wie halten Sie es mit singenden Fussballern?

Da gibt es grosse Unterschiede. Pelé konnte zum Beispiel ganz gut singen. Meistens schlimm sind singende Mannschaften.

Kommen überhaupt noch Fussballsongs als Vinyl-­Single raus?

Letztes Jahr hat die Metalband Tankard einen Song so veröffentlicht. Die sind riesige Eintracht-Frankfurt-Fans. Das hat mich als alten Metaller wahnsinnig gefreut. Aber solche Sachen sind schon eher selten geworden.

Die ganze Sammlung auf: 45football.com

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