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Paris, Gare de Lyon

René, Simone und François waren die Helden des Schulbuchs On y va. Die Dialogues sind 30 Jahre später noch im Gedächtnis. Doch was ist aus den dreien geworden? Dominik Bärlocher
«René, Simone et François vont a Paris». Und René sucht schon mal erschrocken «le plan de Paris». (Bild: pd)

«René, Simone et François vont a Paris». Und René sucht schon mal erschrocken «le plan de Paris». (Bild: pd)

Wenn es eines gibt, was wir aus unserer Sekundarschulzeit noch können, dann sind es Sätze wie «Âllo âllo, c'est toi, Simone? Ici René, ton cousin de Genève» oder «Oh là là, ma viande est dure». Die Sätze stammen aus dem berühmt-berüchtigten Französisch-Lehrmittel «On y va». Die Stars des roten Buches sind unvergessen: René, Simone und François. In den Jahren zwischen 1980 und 2000 waren sie es, die wir im Klassenzimmer nachgespielt haben, und ihre Worte, die wir auswendig gelernt haben.

Mittlerweile gibt es Skateboards mit «On y va»-Motiven, eine Remix-CD der Dialogues und die Facebook-Fangruppe zählt über 2100 Mitglieder.

Das Lehrmittel gibt es nicht mehr, doch der Kult hält an, und die Gerüchte treiben wilde Blüten. Im Internet wird spekuliert, dass René in den 1990er-Jahren im Zürcher Drogenmilieu «versumpft» sei.

Andere fragen sich heute noch, ob François wirklich diese Brille trug, die sein halbes Gesicht zu bedecken schien? Und was wurde eigentlich aus Simone?

32 Jahre nachdem die Dialogues fotografiert worden sind, ist es an der Zeit, diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

«Du siehst <welsch> aus»

Doch die Suche nach René, Simone und François gestaltet sich schwierig. Lehrmittelverlage haben nur noch Archivausgaben auf Lager. Im Telefonbuch stehen 7995 Einträge zu «Simone», zu den anderen beiden Namen noch mehr.

Hilfe bringt das Autorenverzeichnis im Buch. Peter Thalmann – Co-Autor und Sekundarschullehrer – wohnt heute in Maienfeld. Er trifft «René» noch immer regelmässig.

In Wahrheit hiessen die drei Helden des «On y va» aber nicht René, Simone und François, sie sind auch nicht miteinander verwandt, und sie stammen auch nicht aus Genf oder der Westschweiz, sondern aus der Zürcher Gemeinde Zollikon.

«René» heisst in Wirklichkeit Holger Schramm, ist mittlerweile 47 Jahre alt und Vater von zwei Kindern. Wie er zu «René» wurde? «Es klopfte eines Tages an der Schulzimmertüre, und da standen Herr Thalmann und der Fotograf.» Er habe zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gewusst, dass er bald in einem Buch erscheinen würde. «Sie sagten mir, ich sähe <welsch> aus, und boten mir an, nach Paris zu reisen.» Schramm sagte zu, und so fuhren er, Urs Hauser alias François, Anita Rohrer alias Simone, Peter Thalmann und Fotograf Max Schleiniger im Herbst 1978 für sechs Tage nach Paris.

Ein Teil der Aufnahmen entstanden schon in Zürich. Das Hotelzimmer, in dem René und François wohnten, steht in Wirklichkeit an der Badenerstrasse, und das Essen im Restaurant fand am Rigiplatz statt.

Nach der Schule hat Holger Schramm Medizin studiert. Er hat während seiner Reise für das Schulbuch Paris für sich entdeckt. Darum verbrachte er nach dem Studium ein Jahr an der Universität Sorbonne. Mittlerweile ist er Augenarzt mit eigener Praxis in der Stadt Zürich.

Im Zoo: «Il pleut» gar nicht

Am besten ist Holger Schramm das Shooting im Zoo in Erinnerung geblieben. In Leçon quatre gehen «nos trois amis» in den Zoo, um dort die Tiere zu sehen. Dort geraten sie in einen Regenschauer. Die Ausdehnung des wohl kleinsten Tiefdruckgebiets in der Geschichte Frankreichs – klar auf den Bildern erkennbar – beschränkt sich auf nur wenige Quadratmeter rund um die drei Teenager. «Der Regen kam aus einem Gartenschlauch», erzählt Holger Schramm.

Die Aufnahmen im Zoo seien allgemein die abenteuerlichsten gewesen. Die drei sind mit Peter Thalmann, Fotograf Max Schleiniger und Koffern mit den Kostümen darin quer durch Paris gereist. «Wir haben uns dort umgezogen, wo gerade Platz war», sagt Schramm.

François, die «Fäschtnudle»

Urs Hauser mimte in den späten 1970er-Jahren den François. Nach der Schule machte er eine Lehre bei einer Bank. Er starb 2005 an den Folgen einer Krebserkrankung.

François ist wohl am besten durch seine schwarze Hornbrille bekannt, doch gehörte ihm dieses mittlerweile wieder modische Accessoire gar nicht: «Urs litt nie unter einer Sehschwäche», sagt Musiker Peer Seemann, der den Banker an der Vernissage seiner «On y va»-CD kennengelernt hat. Zudem sei sein Französisch nie besonders gut gewesen – die Dialogues wurden denn auch nicht von den dreien gesprochen.

Besser hat «François» Nina Hotz gekannt. Urs Hauser war ihr Lehrmeister, als sie 2001 auf der Bank ausgebildet worden ist. «Die Bilder waren ihm ein wenig peinlich», sagt sie. Dennoch seien sie im Büro aufgehängt gewesen. «Er war <mega zwäg> und eine <riese Fäschtnudle>», schreibt sie auf der Facebook-Page des Buches.

Über Simone ist nur wenig bekannt.

Sie sei im Jahre 1961 geboren, war demnach älter als die beiden jungen Männer und besuchte nach der Sekundarschule eine Mittelschule im Kanton Zürich. Sie starb laut Peter Thalmann im Jahre 1991.

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