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«Päpstin will ich nicht werden» - Klosterfrauen erzählen aus ihrem Leben

Das Kloster Fahr feiert sein 888-Jahr-Jubiläum. In einem neuen Buch gewähren die Klosterfrauen in berührenden Porträts einen sehr persönlichen Einblick in ihren Alltag.
Haymo Empl und Birgit Kawohl
Die Schwestern Veronika (rechts) und Monika in der Klosterapotheke. Die Rezepturen sind jahrhundertealt. (Bild: PD/Christoph Hammer)

Die Schwestern Veronika (rechts) und Monika in der Klosterapotheke. Die Rezepturen sind jahrhundertealt. (Bild: PD/Christoph Hammer)

Auf den Fotos wirken die Schwestern zufrieden, aufgeräumt und – ja: glücklich. Wer sind diese Frauen, die auf den Fotos im Buch ­diese enorme Lebenskraft ausstrahlen? Susanne Bosshard-Kälin nahm sich für jede Schwester, die bereit war, aus ihrem Leben zu erzählen, anderthalb Tage Zeit – heraus kamen spannende und oftmals auch berührende Erzählungen aus den meist sehr langen und durchaus nicht immer ein­fachen Lebensgeschichten der einzelnen Schwestern.

Das Buch, das sich in verschiedene Teile gliedert, zeigt die Klosterfrauen bei der Arbeit, aber auch «privat», jeweils von Christoph Hammer unaufdringlich und doch spektakulär in Szene gesetzt. Aus allen Fotos spricht Glück, Zufriedenheit und Frieden (mit sich und der Welt) und damit untermalen die Fotos gekonnt die biografischen Texte. In der Mitte des Bandes erfährt der Leser zudem einiges aus der Klostergeschichte von Fahr, hier erläutert die Historikerin Denise Schmid kompetent und gut lesbar und sorgfältig recherchiert viele Details aus der Vergangenheit des Klosters.

Schwestern haben eine unglaubliche Ausstrahlung

Geleitet wird das Kloster Fahr in der Nähe von Zürich seit 2004 von Priorin Irene Gassmann, die seit 1986 im Konvent lebt. Sie ist zugleich die jüngste Bewohnerin, geboren 1965 im Kanton Luzern, im Fahr. Hierin mag man ein Problem des Klosterlebens erkennen: die Altersstruktur. Das Durchschnittsalter der rund 17 Bewohnerinnen liegt weit über 70 Jahre, ein Umstand, den auch andere Konvente bestätigen. Und man kann sich sicherlich auch fragen, ob ein solches Leben heutzutage noch angemessen ist, an den Begriff «modern» mag man in diesem Zusammenhang gar nicht denken.

Zugleich strahlen aber alle Schwestern, unabhängig von ihrem Alter, eine unerhörte (Glaubens-)Kraft aus, wofür das Zitat von Priorin Irene Gassmann auf dem Einband «Päpstin will ich nicht werden. Aber sollten wir nicht mehr Mut zeigen?» ein deutliches Zeugnis ist. Hier spricht keine Frau, die sich hinter Klostermauern versteckt oder die Schutz vor der Welt sucht. Im Gegenteil, aus allen Berichten spricht ein grosses Selbstbewusstsein, ungeachtet der eigenen Herkunft. Denn dies fällt beim Lesen der Lebensberichte auf: Die meisten Schwestern kommen aus ganz einfachen Verhältnissen, sind ­aufgewachsen auf Bauernhöfen, mussten früh Leid und Schicksalsschläge erfahren und sich oftmals in ihren jungen Jahren geradezu durchs Leben boxen. Trotzdem gibt es keine Bitterkeit und keine Schuldzuweisungen, eher lebt man in dem Bewusstsein, dass Gott schon weiss, wie er den eigenen Lebensweg eingerichtet hat und dass man auf ihn vertrauen kann, dann kommt es schon gut. Dieses positive Denken zieht sich durch das ganze Buch und hat letztendlich auch das Autorenteam berührt.

Naturverbundenheit grossartig in Szene gesetzt

«Die Schwestern schenkten mir ihr volles Vertrauen», resümiert Autorin Susann Bosshard-Kälin.

«Für die meisten war es wohl das allererste Mal in ihrem Leben, dass sie so viel über sich erzählten – dass sie überhaupt so viel sprachen.»

Das vorliegende Werk ist die Essenz von vielen Gesprächen, die die Autorin mit den Schwestern führte. «Die Textgestaltung für ein Buch – die zweite Kür nach den Gesprächen – kommt nach der aufwendigen Transkription. Bei diesem Buch hatte ich mit den Schwestern insgesamt über 120 Stunden Gespräche geführt», erklärt die Autorin die Vorgehensweise. Für Fotograf Christoph Hammer war die Arbeit am Buch ebenfalls sehr inspirierend: «Die Vielschichtigkeit des Klosteralltags war überwältigend. Ich wurde sofort herzlich und mit einer Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit aufgenommen, dass ich mich in meiner Rolle als Fotograf, Beobachter, Fragensteller und Diskussionspartner sofort wohlfühlte», erklärt Christoph Hammer.

Neben dem Leben im Glauben, schliesslich habe Jesus sie hier als Gemeinschaft zusammengeführt und nicht eine private Freundschaft untereinander, fällt die grosse Naturverbundenheit der Schwestern auf. Es gibt Imkerinnen und Gärtnerinnen, man sät und erntet und freut sich an allem, was einem Gott in der Natur zur Verfügung stellt. Christoph Hammer hat diese Naturverbundenheit ebenfalls grossartig in Szene gesetzt, in vielen Fällen spürt man, dass er sich der dokumentierenden Fotografie verpflichtet fühlt. Die Bilder sind «nah» und wirken authentisch, aber niemals aufdringlich oder voyeuristisch.

Eigene Lebensweise hinterfragen

Dennoch darf der Leser auch an Glücksmomenten der Schwestern teilhaben, beispielsweise bei Schwester Gabriela, die mit ihren 82 Jahren in der Klosterküche arbeitet und sagt, sie habe hier ihren «Traumjob» gefunden, das sei das «Sahnehäubchen» auf ihrem Klosterleben. Da kann man als Leser schon schmunzeln und muss sich und die eigene Lebensweise zugleich kritisch hinterfragen. Daher bringt dieser Band neben den wunderbaren Einblicken in eine für viele von uns fremde Lebenswelt viele Anregungen, einmal gründlich über das eigene Leben und die gesetzten Ziele nachzudenken.

«Im Fahr – Die Klosterfrauen erzählen aus ihrem Leben», Susann Bosshard-Kälin und Christoph Hammer, Verlag Hier und Jetzt: Buchvernissage im Kloster Fahr am Samstag, 1. September, 10.30 Uhr.

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