Kolumne

Papa & Papi: Wie unsere Kleinen meinem Mann das schönste Geschenk machten, das er je erhalten hat

In seiner Kolumne «Papa & Papi» schreibt Ethiker Michael Braunschweig über das Elternsein mit seinem Mann und seinen Kindern. Diese Woche erklärt er, weshalb sich sein Mann über Duplo-Figuren zum Geburtstag freute.

Michael Braunschweig
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«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Michael Braunschweig

«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Michael Braunschweig

(Bild: CH Media)

Unsere Kleinen werden immer grösser. Das wurde uns gerade wieder deutlich bewusst. Wir hatten schon befürchtet, dass der Wiedereinstieg in die Kita nach über einem Monat Ferien mit erheblichem Abschiedsstress verbunden sein würde. Doch Söhnchen und Töchterchen stürmten gleich hinein und drehten sich nicht mal um, um Tschüss zu sagen. Sie wollten nur noch wissen, wer sie am Abend abhole.

Wir merken es aber auch in anderen Zusammenhängen. Neulich erhielten unsere Kinder zum ersten Mal Post. Im Briefkasten lag ein kleiner, bunter Umschlag mit den Vornamen von Söhnchen und Töchterchen drauf. Kein Absender und auch keine uns bekannte Handschrift.

Wir nahmen das Briefchen heraus, setzten uns, zurück in der Wohnung, gemeinsam an den Tisch und öffneten es. Heraus kam ein kleines Zettelchen mit einem Bildchen drauf. Während wir Eltern noch rätselten, schoss es aus den Kindermündern im Chor hervor: «Fiona! Das isch Fiona!» Offenbar hatten sie ihr Kita-Gspänli darauf erkannt.

Mittlerweile hatten wir erkannt, dass es sich um eine Einladung zu einem Geburtstagsfest handelte. Die erste Einladung zu einer Party! Wir waren ein wenig überrumpelt und zugleich gerührt – merkten wir doch plötzlich, dass das Leben unserer Nesthäkchen nun nicht mehr bloss auf ihr Zuhause, die Eltern und die Kita beschränkt ist, sondern sie nun auch ein eigenes soziales Netz aufbauen, wenn auch in noch sehr kleinen Schritten.

Wir erklärten ihnen, dass Fiona offenbar Geburtstag habe. Und weil sie (oder ihre Eltern) Töchterchen und Söhnchen offenbar mochte, dürften sie mit ihr Geburtstag feiern. Abgeklärt erklärte uns Söhnchen, dass zum Geburtstag auch singen gehöre, und Töchterchen sekundierte eifrig: «Ja, happy birthday.» Zum Beweis, dass sie wussten, wovon sie sprachen, setzten sie zu einem Ständchen auf Fiona an.

Der Zufall wollte es, dass Papi bald darauf Geburtstag hatte. Er nahm sich den Tag frei, um ihn mit den Kindern zu verbringen. Ich selber musste früh raus. Als Überraschung legte ich Ihnen frische Gipfeli auf den Küchentisch, rundherum leuchteten kleine elektrische Rechaud-Kerzchen.

Die Freude über die Gipfeli war gross. Noch faszinierender aber waren die Elektrokerzchen. Was nach dem gemeinsamen Frühstück folgte, war herzerwärmend: Töchterchen und Söhnchen sprangen vom Tisch auf und verschwanden im Badezimmer. Neugierig folgte Papi ihnen. In der Dunkelheit standen die beiden um die WC-Schüssel.

Zwischen ihnen auf dem WC-Deckel hatten sie ihre Duplo-Figürchen im Kreis versammelt. Und in der Mitte des kleinen Kreises strahlten die elektrischen Kerzchen und erleuchteten die versammelte Gemeinschaft. Die Kinder strahlten Papi an, als er zur Tür hereinkam und trällerten aus voller Kehle ein «happy birthday, lieber Papi». Es war sicher das schönste Geschenk, das er je erhalten hatte.

Michael Braunschweig

Der Ethiker und Theologe hat mit seinem Ehemann zweijährige Zwillinge.