Super-League-Verschiebungen: Der FC Basel bringt die Liga in die Zwickmühle

Nach dem bundesrätlichen Verbot von Grossanlässen wollen die Super-League-Clubs Spiele lieber verschieben als sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen. Doch Verschiebedaten gibt es nur wenige. Der FC Basel macht die Situation besonders delikat.

Ralf Streule
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Basels Erfolg in der Europa League bringt die Swiss Football League noch mehr in Terminnöte.  (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Basels Erfolg in der Europa League bringt die Swiss Football League noch mehr in Terminnöte.  (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Nach dem bundesrätlichen Verbot von Grossanlässen wollen die Super-League-Clubs um jeden Preis Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhindern. Mit solchen «Geisterspielen» würden ihnen Hunderttausende von Franken an Zuschauereinnahmen verloren gehen. Keine Geisterspiele würde auf der anderen Seite aber bedeuten: Nicht nur die Spiele vom kommenden Wochenende, sondern auch die darauffolgenden beiden Spieltage müssten irgendwo später im Fussballterminkalender untergebracht werden.

Der Kalender ist voll

Doch beim Blick auf diesen Kalender dürfte sich die Swiss Football League (SFL) den Kopf zerbrechen. Nebst Schweizer Cup- und Meisterschaftsspielen sowie Champions- und Europa-League-Partien steht auch eine Nationalmannschaftspause Ende März an, zudem muss die Meisterschaft früh enden, da am 12. Juni die EM beginnt (Stand jetzt - weitere Corona-Hiobsbotschaften nicht einberechnet). Am Montag versucht die SFL an einer Sitzung mit allen Club-Vertretern das grosse Termin-Wirr-Warr zu entwirren – und wird dabei auch zwischen wirtschaftlicher und sportlicher Gerechtigkeit abwägen müssen.

Super-League-Spiele an Champions-League-Abenden?

Nun könnten die Partien theoretisch auch an Champions-League-Abenden ausgetragen werden. Es gibt aber die Uefa-Regel, dass nationale Spiele eine Stunde vor dem Champions-League-Kick-Off um 21 Uhr beendet sein müssen. Frühe Anspielzeiten dürften aber viele Clubs vor grosse Probleme stellen. Zum Beispiel den FC St. Gallen, der Spieltermine auch immer mit dem Einkaufszentrum koordinieren muss. SFL-Sprecher Philippe Guggisberg aber sagt:

«Wir gehen davon aus, dass die Uefa im aktuellen, aussergewöhnlichen Fall ein Auge zudrücken und auch spätere Anspielzeiten zulassen würde.»

Im April würden so drei Runden unter der Woche Platz finden.

Problem gelöst? Nicht ganz. Einerseits ist offen, ob das Grossanlass-Verbot nach dem 15. März wieder aufgehoben wird. Andererseits ist da das Problemkind FC Basel, das zwar in der Europa League mit dem Achtelfinaleinzug wichtige Koeffizienz-Punkte für die Schweiz sammelte, aber eben noch weiter an internationalen Spielterminen unter der Woche beschäftigt sein wird. An Champions-League-Terminen könnten sie vorläufig nicht teilnehmen, weil am Donnerstag darauf für sie Europa-League-Spiele anstehen.

Auch für Cup-Viertelfinals wird eine Lösung gesucht

Was ist die Lösung? Zum Beispiel Geisterspiele für Basel während der kommenden zwei Wochen, Verschiebungen der restlichen Spiele? Damit werden sich die von Geisterspielen betroffenen Vereine, vor allem Basel, nicht abfinden wollen. Geisterspiele für alle wäre jedoch nicht viel gerechter: Wer in zwei der drei Runden Heimspiele austrägt, hat sportliche wie wirtschaftliche Nachteile. Kommt das letzte Problem dazu: Kommende Woche steht auch der Schweizer Cup-Viertelfinal an – für diese vier Spiele müssen ebenso Lösungen gefunden werden. Das Ganze ist eine wahre Knacknuss für die Liga.

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