Kolumne

Papa-Blog: «Wir schauten einen Film. Es war toll.»

Die einen tun mit aufgehübschten Fotos auf Instagram so, als hätten sie ein tolles Leben. Die anderen führen es. Ein paar Einblicke in das Erlebnisheft meines Sohnes.

Roger Berhalter
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Die Wochenenden verbringen wir mit den Kindern und Netflix auf dem Sofa. Könnte man meinen.

Die Wochenenden verbringen wir mit den Kindern und Netflix auf dem Sofa. Könnte man meinen.

Skynesher / E+

Mein älterer Sohn hat gerade die tollste Zeit seines Lebens. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man sein Erlebnisheft liest. Darin notiert der Zweitklässler jeden Montag in der Schule, was er am Wochenende erlebt hat. Neulich beim Elterngespräch durfte ich darin blättern. Was ich sah, gefiel mir so gut, dass ich das Heft zur Lektüre mit nach Hause nahm. Solche Einblicke in die Gedankenwelt der Kinder bekommt man als Eltern schliesslich nicht oft.

«Wir schauten einen Film. Es war toll.» So lautet ein typischer Eintrag. So oft kommen diese zwei Sätze vor, dass die Lehrerin mittlerweile den Eindruck haben muss, dass wir die Wochenenden mit den Kindern und Netflix auf dem Sofa verbringen. Oder Games spielend am Computer: «An einem Sonntagmorgen durfte ich Gamen. Es war toll.»

Manchmal freut sich der Kleine schon vorher auf das, was kommt. Zum Beispiel auf die Herbstferien («Es wird toll») oder auf Weihnachten («Es wird toll»). Danach findet er seine Erwartungen oft bestätigt. Nach den Herbstferien und nach Weihnachten schrieb er ins Heft: «Es war toll.»

Bücher vs. Filme

Ich möchte mich hier nicht über die Schreibkünste meines Sohnes lustig machen. Ich finde es vielmehr wunderbar, wie positiv er das Leben sieht. Fast alles ist toll, und er meint das aus tiefstem Herzen. Was für ein Unterschied zu den vielen oberflächlichen Posts auf Facebook oder Instagram! Hier tut nicht einer mit aufgehübschten Bildern so, als hätte er ein tolles Leben. Er führt es. Und als Vater bin ich auch ein bisschen stolz darauf, Teil dieses Lebens zu sein.

Die Lektüre gab mir aber auch zu denken. Wenn es in jeder zweiten Notiz ums Fernsehen geht: Vielleicht schauen wir dann zu viele Filme? Zum Glück hat mein jüngerer Sohn diese Bedenken neulich zerstreut, als er meinte:

«Eigentlich sind Bücher besser als Filme. Weil in Filmen kommen Dinge nur kurz vor, aber in Büchern werden sie genau beschrieben.»

Es besteht also noch Hoffnung, Filme sind nicht alles. Vielleicht wird der Kleine sogar dereinst in sein Erlebnisheft schreiben: «Ich las ein Buch. Es war toll.»

Der Autor

Roger Berhalter lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen (5 und 7 Jahre) in der Stadt St.Gallen. Er teilt sich mit seiner Partnerin die Erwerbs- und Hausarbeit. Am Backofen aber ist er der Chef.

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