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Kolumne

Papa-Blog: Wie Jay, Cole und Nya gegen das Böse kämpfen

Was? Sie kennen Kai, Sensei Wu und den roten Drachen nicht? Das ist nur möglich, wenn Sie keine Söhne im Alter zwischen fünf und zehn Jahren haben. Für alles andere hat Lego gesorgt.
Jürg Ackermann
Paradies für alle Ninja-Fans: Das Legoland in Günzburg. (Bild: Alamy Stock Photo)

Paradies für alle Ninja-Fans: Das Legoland in Günzburg. (Bild: Alamy Stock Photo)

Nach Japan wollte ich schon immer mal. Sushi, der Kultfilm «Lost in Translation» oder die Bücher des in Kyoto geborenen Schriftstellers Haruki Murakami, der schon längst den Nobelpreis für Literatur verdient hätte, sind magische Anziehungspunkte. Geschafft habe ich es bisher leider nie.

Dass nun aber Japan auf diese Weise zu mir kommen würde, lag bis vor kurzem ausserhalb meiner Vorstellungskraft. Meine Söhne fragen mich manchmal schon am Frühstückstisch: «Papa, wer ist eigentlich dein Lieblingsninja?» In Frage dafür kämen etwa Jay, Kai, Zane, Cole oder Nya: Doch diese Namen kann ich mir einfach nicht merken. Offenbar weist das Gehirn eines 45-Jährigen nur noch eine beschränkte Aufnahmefähigkeit auf für Dinge, die ihn höchstens halb interessieren.

Feuerwehrmann Sam rettet keine Leben mehr

Was waren das noch für Zeiten vor zwei Jahren, als Feuerwehrmann Sam der Held ihres Alltags war. Wie er auf seiner Insel Pontypandy Menschen aus höchster Not vor den Flammen rettete, war in der Tat beeindruckend – leider nur für kurze Zeit. Wenn ich meine Söhne heute frage, ob sie nicht wieder mal «Feuerwehrmann Sam» schauen oder eine Szene einer legendären Rettungsaktion nachspielen wollen, höre ich den Fünfjährigen jetzt schon sagen: «Sicher nöd, Feuerwehrmann Sam ist was für Kleine!»

In den Ferien haben sie zuweilen den halben Morgen damit verbracht, die Ninja-Figuren in ihren Zimmern hin- und herzubewegen. Um was es hier geht, habe ich bis heute nicht genau verstanden. Sicher ist nur: Gut kämpft gegen Böse – und am Schluss gewinnen immer die Guten. Manchmal endet das Ganze aber auch in einer kleinen Tragödie. Wenn der aktuelle Lieblings-Ninja das gewünschte Schwert oder den passenden Helm in der Kiste mit den Hunderten von Lego-Teilen nicht findet, ist die Verzweiflung zuweilen gross. Mein Einwurf, die Figuren könnten doch auch mit einem anderen Säbel gegen das Böse kämpfen, versandet meistens im Nichts.

Fliegende Klingen und Kampfdrachen

Dazu muss man wissen, dass Ninjas, auf japanisch «die Verborgenen», ausgebildete Kämpfer des vorindustriellen Japans sind, die als Kundschafter, Spione oder Saboteure eingesetzt wurden. Die Handlung spielt im Land Ninjago, einem auch von chinesischen Mythen inspirierten Ort. Dabeil will Bösewicht Garmadon mit seinen zweifelhaften Gefährten regelmässig die Insel der Guten zurückerobern, zuweilen auch mit fliegenden Klingen und Kampfdrachen. Die sechs mutigen Ninjas Kai und Co. stellen sich ihnen in den Weg.

Wie kommt es nun, dass sich schon Fünfjährige in der Schweiz für die alte Mythologie Japans interessieren? Dafür gibt es nur einen Grund: Lego. Der Spielzeugwarenkonzern stand vor 15 Jahren vor dem Aus. Neue Ideen mussten her, um die Umsätze wieder anzukurbeln. Lego begann Themenwelten zu entwickeln, die auf die Lebenswelten kleiner Jungs und Mädchen zugeschnitten waren.

Wie Ninjago, das 2011 auf den Markt kam. Es gibt nicht nur Drachen, Trainingscenter für Ninjas etc., die man mit Hunderten von Legoteilen zusammenbauen kann, sondern auch Filme oder völlig überteuerte Heftchen. Mittlerweile können wir an keinem Kiosk mehr vorbeigehen, ohne dass die Frage kommt. «Dürfen wir ein Ninjago-Heft kaufen?»

Das liegt wohl in den Genen

Kürzlich las ich wieder mal einen Artikel zur Frage, ob die Rollenbilder und das Verhalten der Geschlechter genetisch mitgegeben oder ob sie sozial antrainiert werden. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem, obwohl ich letztlich eher zur Theorie mit den Genen tendiere.

Die Ninjas sind der beste Beweis dafür: Irgendeinen Grund muss es doch geben, dass sich Jungs von diesen kämpfenden Ninjas so mitreissen lassen, währenddessen Mädchen an Kai, Zane und Cole meist achtlos vorbeigehen. Meine Söhne wissen auf jeden Fall jetzt schon, was sie sich auf Weihnachten wünschen: Etwas von Ninjago.

Von mir haben sie diese Begeisterung nicht. Ich wollte nur mal nach Japan reisen – und dann kam Japan so unverhofft zu mir.

Jürg Ackermann lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen (8 und 5) in St. Gallen.

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