Kolumne

Papa-Blog: «Warum haben Fledermäuse keinen Bart?» und andere Kinderfragen

Kinder löchern einen mit Fragen. Ständig. Und Eltern müssen antworten. Sofort. Eine Auswahl an mehr oder weniger kniffligen Kinderfragen mit mehr oder weniger gelungenen Vaterantworten.

Roger Berhalter
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Wieso? Weshalb? Warum? Kinder haben 1000 Fragen.

Wieso? Weshalb? Warum? Kinder haben 1000 Fragen.

Bild: Getty

«Papa?», fragt mein Sechsjähriger etwa 100 Mal am Tag. «Ja, mein Sohn?», antworte ich dann und mache mich auf etwas gefasst. Denn wenn mich der Kleine etwas fragt, muss ich nicht nur die Ohren spitzen, sondern auch meine Synapsen.

Kinder fragen anders als Erwachsene. Jenseits aller Vernunft und jenseits aller Naturgesetze. Nichts ist zu absurd, alles ist möglich, Grenzen gibt es nicht, ohne Out-of-the-Box-Denken geht es nicht.

Ich mag diese Fragen. Sie führen mir gnadenlos vor Augen, wie alt und verkrustet ich schon bin, und sie machen mich geistig wieder ein bisschen flexibler, hoffentlich. Irgendwann habe ich angefangen, mir die Fragen zu notieren. Hier eine Auswahl:

  • Warum verpuppen sich Raupen? (OK, so weit, so einfach. So viel Biologie kann ich noch.)
  • Gell, ein Dutzend ist zwölf? (Immer noch einfach: Ja.)
  • Gibt es Sandwiches mit gesottenem Gemüse? (Es gibt nichts, was nicht in ein Sandwich passt. Also: Ja.)
  • Was ist das Wichtigste am Körper? (Schon kniffliger. Das Gehirn, vielleicht? Sicher nicht der Bizeps, mein Sohn.)
  • Was ist die Hälfte von 100? (50. Rechnen kann ich.)
  • Wie viele Tage sind 100 Jahre? (Rechnen war noch nie meine Stärke. Nächste Frage.)
  • Was ist der Unterschied zwischen einer Operation und einer Krankheit? (Aus der Reihe «Darauf gibt's keine kurze Antwort».)
  • Wie viele Schafe ist ein Kamel wert? (Im orientalischen Tierhandel kenne ich mich nicht aus. Er hat das von Mani Matter: «Dr Sidi Abdel Assar vo el Hama». Herzig.)
  • Was ist besser für die Umwelt: Mehr Fleisch essen oder weniger Fleisch essen? (Weniger, ganz klar. Weniger ist meistens besser. Jetzt müsste das nur noch die globale Wirtschaft merken.) 
  • Was ist das Gegenteil von Galakäse? (Hm. Gruyère?)
  • Sind Omeletten scharf? (Schon wieder eine Frage zum Essen. Ich wünschte, in seinem Alter hätte ich mir auch schon so viele Gedanken zur Ernährung gemacht. Die Antwort lautet, wie so oft im Leben: Es kommt drauf an. In diesem Fall auf die Menge Chili.)
  • Was sind 30 Sekunden? (Ja, was eigentlich? Zum Beispiel die Zeitspanne, die ein gemeinsames Mittagessen mit den Kindern dauert, wenn sie wieder einmal besonders aufgedreht sind.) 
  • Ist es realistisch, wenn im Kühlschrank ein Maulwurf swingt? (Aus der Reihe «Absurdes im Alltag». Das muss er aus einem Kinderlied haben. Jedenfalls swingt in unserem Kühlschrank nichts. Leider.)
  • Wie schwer ist Licht? (Uff. Ich kenne nur die Lichtgeschwindigkeit, nicht das Lichtgewicht. Hat Licht überhaupt Masse? Ich passe.)
  • Wie stellt man Wasser her? (Da kommt mir Peach Weber in den Sinn mit seinem Sketch zur Erfindung des Wasserpulvers: «Man nimmt ein Glas, schüttet etwas Pulver rein, rührt es mit ein bisschen Wasser an...»)
  • Warum haben Fledermäuse keinen Bart? (Ja, warum eigentlich nicht?)
  • Was ist mehr als nichts? (Aus der Reihe «Philosophie im Alltag». Ich liebe solche Fragen, sie bringen das Gehirn zum Glühen.)
  • Weisst du, wie ein Touchscreen funktioniert? (Nein, weiss ich nicht. Aber mein Sohn weiss es. Er hat es mir dann anschliessend erklärt. Irgendetwas mit negativer Ladung und ganz dünnen Metallstreifen, genauer erinnere ich mich nicht. Da müsste ich jetzt noch einmal nachfragen.)

Der Autor

Roger Berhalter lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen (6 und 8 Jahre) in der Stadt St.Gallen. Er teilt sich mit seiner Partnerin die Erwerbs- und Hausarbeit. Am Backofen aber ist er der Chef.

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