Kolumne

Papa-Blog: Warum gute Väter fett sind

Kinder machen ihre Papis dick. Das ist nicht schön – sondern ein Zeichen elterlichen Engagements.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
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Symbolbild: Getty

Diese Kurve zeigt mein geschätztes Körpergewicht im Verlauf meines Erwachsenenlebens:

Körperwicht nach Alter

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Sie ahnen es: Da, wo der Graph nach oben knickt, hat sich mein Leben entscheidend verändert. Seither ist es voller Sonnenschein, Geschrei und Harmonie. Seither bin ich Vater. Und seither bin ich – meinem BMI zufolge – übergewichtig. Die einzig logische und von vielen Vätern geteilte Interpretation dieser Entwicklung lautet: Kinder machen dick.

Aber wie? Die Zusammenhänge sind einfach. Zum einen rauben Kleinkinder ihren Eltern den Schlaf. Und wer weniger schläft, hat grösseren Hunger. Das weiss nicht nur jedes Kind, sondern ist auch wissenschaftlich belegt. Kölner Forschern zufolge setzt Schlafentzug nämlich in Amygdala und Hypothalamus unserer Gehirne ein neuronales Belohnungssystem in Gang. Dieses lässt sich wunderbar mit fettigem Essen stillen.

Daran musste ich denken, als ich unlängst kurz nach 9 Uhr in der Kantine dieser Zeitung ein Roastbeef-Sandwich mit Röstzwiebeln und Senfsauce garnierte. Eigentlich hab ich mir vorgenommen, weniger Fleisch zu essen. Doch eine schlaftrunkene Amygdala ist ein harter Gegner.

Zudem entspannen sich Menschen in stabilen Beziehungen in der Regel. Sie haben weniger Druck, auf ihre Figur zu achten, als Singles auf Partnersuche. Und was schweisst eine Beziehung mehr zusammen als ein gemeinsames Kind? Vorausgesetzt natürlich, es ist gewollt.

Viel gewichtiger ist allerdings dieses Argument: Vätern bleibt schlicht weniger Zeit für Sport. Wer das Vatersein ernst nimmt, verbringt den Sonntagnachmittag häufiger auf dem Spielplatz statt auf dem Fussballfeld. Und in der Badi geht man eben nicht lange schwimmen, sondern im urinversetzten Kinderbecken kneippen. Diese Umstellung manifestiert sich – kombiniert mit dem in strengen Nächten angeregten Belohnungsappetit – im Körpergewicht. Mit anderen Worten: Wer viel Zeit mit seinen Kindern verbringt, nimmt zu. Oder: Gute Väter sind eben dick.

Der Autor

Adrian Lemmenmeier-Batinić ist seit 20 Monaten Vater einer Tochter. Er wohnt mit seiner Familie in St.Gallen.

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