Kolumne

Papa-Blog: «Quarantäne, juhuu!» – Ein Bericht von zehn durchaus angenehmen Tagen zu Hause

Eine Quarantäne ist in der Regel nicht lustig und wirft den Alltag über den Haufen. Doch manchmal tut so ein staatlich verordneter Hausarrest richtig gut.

Roger Berhalter
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Endlich genug Zeit zum Legospielen!

Endlich genug Zeit zum Legospielen!

Bild: Getty

«Yes!», rief mein Sohn und ballte triumphierend die Faust, als ich ihm verkündete, dass er nun zehn Tage zu Hause bleiben müsse. Für manche Erwachsene mag eine Quarantäne wie der Vorhof zur Hölle sein. Für Kinder aber – zumindest für meinen Sohn – ist der vom Staat verfügte Hausarrest ein Stück vom Paradies. Endlich genug Zeit zum Legospielen, Hörspielhören, Gamen!

Es begann mit einem Lager, das mein achtjähriger Sohn in den Herbstferien besuchte. Zum ersten Mal war er eine Woche lang alleine weg von zu Hause. Eigentlich super – doch bis zum Ende der Woche hatte sich leider das halbe Leiterteam mit Corona infiziert. Am Freitag kam mein Sohn nach Hause, und eine Verfügung der Kantonsärztin flatterte ins Haus: Mein Sohn muss zehn Tage in Quarantäne.

Eine Wanderung zum Altglascontainer

Eines vorweg: Niemand in unserer Familie ist krank geworden, wir hatten keine Symptome. Deshalb kann ich hier auch mit einem Schmunzeln über unsere Zeit in Quarantäne berichten, während die Fallzahlen gerade wieder in die Höhe schnellen. Erleichternd kam hinzu: Als die Quarantäne startete, begannen zufällig auch meine Ferien.

Alle Verpflichtungen fielen also weg, und wir blieben zehn Tage lang zu Hause, meine zwei Söhne und ich. Zweimal war ich einkaufen (Highlight! Andere Menschen!), und einmal spazierte ich zum Altglascontainer im Quartier, was sich wie eine Wanderung durch den Alpstein anfühlte. Abgesehen davon: die eigenen vier Wände von morgens bis abends.

Höchstens ein Brot pro Tag

Mit der Zeit flossen die Tage ineinander. War das jetzt gestern oder vorgestern, als die Sonne schien? Hatten wir nicht erst gestern schon Hot-Dogs oder ist das länger her? Ein paar Strukturen gaben uns Halt. Für die Kinder: Zehn Minuten Einmaleins-Üben täglich, Gamen nur an jedem zweiten Tag. Für den Vater: Höchstens ein Brot pro Tag backen, kein Alkohol vor 17 Uhr. Das Tablet lief heiss, die Legoburgen wuchsen, grosse Playmobilarmeen formierten sich.

Nach zehn Tagen verliess mein Sohn erstmals wieder das Haus und traf auf andere Menschen. Ginge es nach ihm, könnte die nächste Quarantäne kommen, er wäre gerne wieder dabei. Mein Fazit als Vater: Ohne Homeschooling, ohne Homeoffice und ohne Symptome ist so eine Quarantäne ganz angenehm.

Der Autor

Roger Berhalter lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen (6 und 8 Jahre) in der Stadt St.Gallen. Er teilt sich mit seiner Partnerin die Erwerbs- und Hausarbeit. Am Backofen aber ist er der Chef.

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