Papa-Blog: Ich! Will! Jetzt! – Ein Tag im Büro kann wie Wellness sein

Die Bedürfnisse von Kindern sind immer akut. Wie entspannt ist im Vergleich dazu ein Tag im Büro. Wobei es manchmal eben auch umgekehrt ist.

Roger Berhalter
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Einfach mal wieder in Ruhe denken, während der Computer friedlich summt.

Einfach mal wieder in Ruhe denken, während der Computer friedlich summt.

Bild: Getty

Es gibt eine Frage, die ich für mich noch nicht beantworten konnte, seit ich Vater bin. Was ist anstrengender: Ein Tag mit den Kindern oder ein Tag im Büro? Was fordert mehr: Ein Tag Lohnarbeit oder ein Tag Kinderbetreuung?

Die Antwort ist deshalb so schwierig, weil es eben in beiden Lebensbereichen beides gibt: Tage im Büro, an denen gar nichts klappt. Aber auch Tage, an denen es läuft wie am Schnürchen und man abends zufrieden auf sein Tagwerk blickt.

Mit dem Filzstift eine Blume an die Wand malen

Dasselbe zu Hause: Manche Tage mit den Kindern sind die lustigsten, die man je erlebt hat. An anderen sehnt man den Abend herbei, weil der eine Sohn sich gegen jedes Kleidungsstück einzeln wehrt, während der andere mit dem Filzstift eine Blume an die Wand malt.

Im Vergleich dazu sind ein paar Stunden im Büro wie ein Wellness-Aufenthalt. Einfach mal Dasitzen und Schreiben. Einfach mal wieder in Ruhe denken, während der PC friedlich summt und die Tastatur leise klappert. Der Dienstredaktor mag noch so viel Druck aufsetzen – die Bedürfnisse meiner Kinder sind akuter: Ich! Will! Jetzt! Aber das ist in diesem Moment egal. Ich bin allein im Einzelbüro und atme tief durch.

Einer Schnecke beim Kriechen zuschauen

Was?!? Der gesuchte Gesprächspartner ist den ganzen Tag ausser Haus?!? Sein Stellvertreter in den Ferien?!? Aber der Artikel muss doch heute noch fertig werden!! Und es ist schon 15 Uhr!!!

Ach, wie schön wäre es jetzt, mit den Kleinen einer Schnecke beim Kriechen zuzuschauen. Oder zu verfolgen, wohin eine Ameise ihre Last trägt. Oder den knatternden Helikopter am Himmel zu suchen. Oder in Bilderbüchern zu blättern, in denen Häschen schlafen und Kätzchen kuscheln.

Wirklich schwierig zu beantworten, diese Frage...

Der Autor

Roger Berhalter lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen (6 und 8 Jahre) in der Stadt St.Gallen. Er teilt sich mit seiner Partnerin die Erwerbs- und Hausarbeit. Am Backofen aber ist er der Chef.

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