Papa-Blog: Die Kinder wollen Zucker, der Vater noch viel mehr

Wie lehrt man die Kinder, verantwortungsvoll mit Süssem umzugehen? Familienblogs sind voller Tipps. Die schlimmste Empfehlung für mich als Vater: «Halten Sie sich als Eltern selbst an die Regeln – wer ständig nascht, kann kein Vorbild sein.»

Ralf Streule
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Glace!

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Bild: Getty

Es ist nichts zu machen: Beim Thema Zucker bin ich ein schlechtes Vorbild. Ich mag den kurzzeitigen Glukoseschub, der die Müdigkeit kurzzeitig wegputzt und der mir vorgaukelt, etwas klarer denken zu können.

Und bei der Arbeit kommt es manchmal vor, dass ich mir eine Tafel Schokolade neben die Tastatur lege und mich kurz darauf frage, wo sie geblieben ist. Bis ich das zerknüllte Schoggipapier im Kübel finde.

Keiner versteht die Kinder besser als ich, wenn sie nach einer Glace lechzen.

Zucker ist ein Strohfeuer, ich weiss

Ich glaube den Ärzten, wenn sie Zucker als Problem für die Volksgesundheit sehen. Ich weiss, dass Zucker ein nahrungstechnisches Strohfeuer ist und dass er eigentlich nicht wach, sondern längerfristig eher müde macht. Und ich weiss, dass er über die Jahre gesundheitliche Probleme verursachen kann. Herzkreislauf-Probleme! Diabetes! Fettleibigkeit! Nun, bis jetzt habe ich mir alles vom Leib halten können und auch mit Karies bin ich nicht übermässig belastet. Warum auch immer.

Das Problem: Als Vater muss ich den Kindern aufzeigen, dass Zucker eigentlich Teufelszeug ist, zumindest wenn man ihn sich im grossen Stil in den Rachen steckt. Nun gut, schlecht sind wir diesbezüglich nicht unterwegs. Wir (vor allem meine Frau) kochen ausgewogen und unsere Kinder sind gute Esser – ohne dass wir mit der Keule nachhelfen müssen.

Wenn unsere Söhne beim Besuch von Freunden Sätze sagen wie «Kannst du mir den Koriander reichen?» oder «Ich habe selten eine so gute Artischocke gegessen», dann ernten meine Frau und ich eifersüchtige Blicke von anderen Eltern.

Die Kinder kommen mir auf die Schliche

Dennoch: Der Ruf nach Süssem ist täglich da. Und da habe ich wohl je länger je mehr ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Es gibt Situationen, in denen mich meine Kinder nach einem Guetzli fragen und ich bei meinem dezidierten «Nein!» aufpassen muss, dass mir nicht Resten meines Guetzlis aus dem Mund fallen.

Und es gibt Situationen, in denen ich, versteckt hinter der geöffneten Kühlschranktüre, ganz leise ein Stückli Schoggi auspacke, bevor ich für die Kinder ein Rüebli aus dem Gemüsefach ziehe. Das geht nicht, ich weiss - und die Kinder kommen mir immer mehr auf die Schliche.

Immer wieder erkläre ich den Söhnen, dass ich bald einen zuckerfreien Monat (ohne industriell gesüsste Speisen) einschieben werde. Vom 1. bis zum 2. September habe ich es zuletzt geschafft.

Folgende Empfehlungen für vernünftigen Zuckerkonsum sind auf Familienblogs (swissmom.ch, «Wir Eltern») zu finden:

  • Benutzen Sie Süssigkeiten niemals als Belohnung, Druckmittel oder Strafe. Dann bleiben Süssigkeiten lediglich wohlschmeckende Nahrungsmittel und bekommen keinen übertriebenen Gefühlswert.(Achtung: Papa-Blog vom 23. April: «Bitte auch den Brokkoli essen - sonst gibt's keinen Dessert»)
  • Trinken Sie Wasser zu den Mahlzeiten, Süssgetränke nur an speziellen Tagen.
  • Süssigkeiten werden nach Möglichkeit nur einmal am Tag zu den Mahlzeiten gegessen. Anschliessend werden die Zähne geputzt.
  • Erklären Sie Ihrem Kind so früh wie möglich, dass süsse Sachen nicht gut für die Zähne sind.
  • Je ausgeglichener der Blutzuckerspiegel, umso kleiner dürfte der Heisshunger auf Süssigkeiten sein. Bieten Sie reichlich Gemüse, Früchte, Salat, Vollkornprodukte, gute Eiweissquellen und genug Flüssigkeit an.
  • Legen Sie keine süssen Vorräte an: Was nicht im Haus ist, kann auch nicht gegessen werden. Gegen Süsshunger sind Obst und Rüebli eine probate Hilfe.
  • Lassen Sie keine Süssigkeiten offen herumstehen. So schützen Sie sich selbst und Ihre Kinder davor, aus Langeweile oder Gedankenlosigkeit ohne besonderen Appetit Bonbons, Gummibärchen, Schoggi oder Gebäck zu essen.
  • Halten Sie sich selbst an die Regeln – wer ständig nascht, kann kein Vorbild sein.

Ja, der letzte Tipp bereitet mir Sorgen.

Und die Moral der Geschichte? Es gibt keine. Einfach blöd, dass ich nicht ständig zusammen mit meinen Kindern Kuchen und Schoggi essen kann.

Der Autor

Ralf Streule lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen (8 Jahre, 6 Jahre und 1 Jahr) in Goldach. «Sie können nur Buben», sagt der Kinderarzt.

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