Kolumne

Papa-Blog: Das verflixte rollende R

Soll er so reden wie die Rheintaler oder wie die St.Galler? Der Sohn unseres Autors hat sich entschieden. Leider falsch. Aber dafür kann er nichts.  

Roger Berhalter
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Mit der Zunge vorne im Mund oder eher hinten im Gaumen? Für die Aussprache des Buchstaben R gibt es mehrere Varianten. (Bild: Getty)

Mit der Zunge vorne im Mund oder eher hinten im Gaumen? Für die Aussprache des Buchstaben R gibt es mehrere Varianten. (Bild: Getty)

Die Logopädin ist schuld. Das versuche ich mir jedenfalls einzureden, ich brauche einen Sündenbock. Mein älterer Sohn hat nämlich einen Grundsatzentscheid gefällt: gegen den Rheintaler und für den St.Galler Dialekt. Wie konnte das nur passieren? Naja, wohl deshalb, weil wir vom Rheintal nach St.Gallen gezügelt sind und der Kleine seit Jahren mit St.Galler Gspänli spielt. Aber diese Erklärung ist mir zu rational. Es entspricht ja inzwischen dem Zeitgeist, für alles sofort einen (fremden) Schuldigen zu suchen und sich zu empören. Deshalb also: Die Logopädin ist schuld!

Lange war unklar, ob meine Frau und ich es schaffen würden, unsere verkümmerten Reste von Rheintaler Dialekt in die nächste Generation hinüberzuretten. Lange konnte unser Sohn das R nicht aussprechen. Doch nun hat er sich entschieden: gegen das rollende R, wie es die Rheintaler verwenden, und für das Gaumen-R, das die St.Galler gebrauchen. Er lässt nicht die Zunge vorne im Mund vibrieren, sondern bildet das R hinten, beim Zäpfchen.

Dies zu verhindern, war von Anfang ein Kampf gegen Windmühlen. Jetzt hat also der spitze Dialekt gewonnen, Sohn 1 ist an St.Gallen verloren. Bei Sohn 2 besteht aber noch Hoffnung, dass er sich wenigstens ein paar Rheintaler Ausdrücke bewahrt. Die Logopädin hat es in der Hand.

Der Autor

Roger Berhalter lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen (5 und 7 Jahre) in der Stadt St.Gallen. Er teilt sich mit seiner Partnerin die Erwerbs- und Hausarbeit. Am Backofen aber ist er der Chef.

Nächste Woche schreibt Jürg Ackermann darüber, warum Väter mit ihren Söhnen ins Fussballstadion wollen.