Kolumne
Papa-Blog: Wie glücklich ist mein Kind? Wir Eltern tappen öfter im Dunkeln, als uns lieb ist

Wir Papas und Mamas meinen ja gerne, wir wüssten über die Gefühlswelt unserer Kinder bestens Bescheid. Falsch gedacht, sagt die Forschung. Eltern interpretieren gerne ins Blaue hinein. Wir können aber mehr über die Gefühle der Kinder herausfinden, wenn wir's geschickt anstellen und den Tipps der Psychologen Glauben schenken.

Ralf Streule
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Unsere Kinder sind glücklich. Ganz sicher.

Unsere Kinder sind glücklich. Ganz sicher.

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Ob es meinen Buben gut geht? Ob sie glücklich sind? Na sicher. Ganz sicher.

Punkt.

Diese Kolumne könnte hier zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Weil ich den Fehler machte, mich zu exakt diesem Thema im Internet schlau zu machen. Und wir wissen ja zur Genüge: Zu viel ungefilterte Information aus dem Internet kann verwirren. Und unglücklich machen. Auch den Papa.

So genau wollten wir das doch gar nicht wissen

Wenn meine Buben mit Wonne einen Kuchen verspeisen. Wenn sie durch den Garten hüpfen. In einer Ecke gemütlich ein Buch lesen. Sich an den Papa kuscheln und sich die Treppe hinauf ins Bett tragen lassen. Dann ist es doch spürbar: Sie sind glücklich!

Dumm nur, haben Psychologen der englischen Plymouth University vor einiger Zeit herausgefunden, dass die Eltern mit ihrer Einschätzung ziemlich oft daneben liegen. Eine Befragung von 360 Kindern und deren Eltern hat gezeigt:

Mamas und Papas haben die Tendenz, ihre zehn bis elf Jahre alten Kinder glücklicher einzuschätzen, als es diese in Wirklichkeit sind.

Teenager hingegen, die sich allmählich von den Eltern distanzieren und sich gerne zurückziehen, sind tendenziell glücklicher, als dies Mama und Papa denken.

Leiden wir an «egozentrischer Verzerrung»?

Egozentrische Verzerrung wird das von den Studienleitern genannt. Will heissen: Weil die Eltern mit kleineren Kindern oft ein glückliches Familienleben führen und ihren Nachwuchs eben nur in diesem geschützten Rahmen erleben, gehen sie von glücklichen Kindern aus. Und weil die Teenager dem Papa das Leben etwas schwerer machen, geht dieser gerne von unglücklichen Gefühlen beim Kind aus.

Sie denken nun, dass Sie als Eltern eine so enge Beziehung zum Kind haben, dass Ihnen eine solche Fehleinschätzung nicht passieren wird? Falsch gedacht. Je enger die Beziehung, desto stärker sind Eltern falschen Eindrücken ausgeliefert, so die Studie.

«Hört auf, die Gefühlspolizei zu spielen!»

Die Google-Suche geht weiter und führt direkt ins Verderben. Das Wichtigste ist Ihnen als Mutter oder Vater das Glück ihrer Kinder? Da sind Sie schon wieder auf dem Holzweg. Sagt zumindest eine Harvard-Studie aus diesem Frühjahr. «Hört auf, die Gefühlspolizei zu spielen!», lautet ein Tipp an die Eltern. Die ständige Frage «Fühlst du dich auch wirklich glücklich?» zumindest wird als grosser Fehler eingestuft. Weil man das Kind damit zum Egoisten erziehe. Zudem lerne das Kind nicht, mit negativen Gefühlen umzugehen, habe die Untersuchung gezeigt. Stichwort: Helikoptereltern!

Nun gut, als Quintessenz nehme ich mit: Glückliche Kinder sind jene, die auch einmal traurig sein dürfen.

Wie wir etwas mehr über die Gefühlswelt der Kinder erfahren können

Doch wie finden wir nun doch heraus, wie es unseren Kindern geht, ohne die Gefühlspolizei spielen zu müssen? Hier hält die Psychologie natürlich ebenfalls Tipps bereit.

  • Zeigen Sie als Eltern Gefühle! Die Kinder sind dann eher bereit, ihre eigenen zu reflektieren und darüber sprechen.
  • Schlicht und einfach: Zeigen Sie sich interessiert!
  • Fragen Sie nicht «Wie geht es dir?», sondern stellen Sie Fragen wie: «Was war das Schönste, das du heute gemacht hast? Was war das Traurigste? Worauf freust du dich morgen am meisten?»
  • Reden Sie mit dem Kind über Geschichten/Filme und über die Gefühle der Protagonisten. 
  • Reagieren Sie nicht entsetzt oder traurig, wenn das Kind sagt, es sei unglücklich.
  • Setzen Sie keinen Druck auf, wenn das Kind nichts erzählen will - das erhöht die Chance, dass es zu einem späteren Zeitpunkt erzählt.
  • Statt dem Kind Ihre Lösung für ein Problem zu präsentieren, versuchen Sie besser, mit ihrem Kind in einem «Brainstorming» Lösungsansätze zu suchen.
  • Zeigen Sie Optimismus, das wirkt ansteckend.

Nun gut, dann zeige ich mich optimistisch und behaupte, nicht an egozentrischer Verzerrung zu leiden.

Ob es meinen Buben gut geht? Ob sie glücklich sind? Na sicher. Ganz sicher.

Punkt.

Der Autor

Ralf Streule lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen (8 Jahre, 6 Jahre und 1 Jahr) in Goldach. «Sie können nur Buben», sagt der Kinderarzt.

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