Kolumne

Papa-Blog: Wer Katzen hat, darf sich über den Kater nicht wundern

Es gibt Leute, die finden, zu einer Familie gehöre ein Haustier. Spätestens wenn die Tierpopulation im Haus exponentiell ansteigt, ist aber fertig lustig. Immerhin haben uns die Katzen einiges an Aufklärungsarbeit abgenommen.

Ralf Streule
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Ich sei es, der eine Katze wollte, sagt meine Frau.

Ich sei es, der eine Katze wollte, sagt meine Frau.

Michel Canonica

Vielleicht sollte es ja auch in dieser Glosse um Corona gehen, schliesslich gibt es kein Entrinnen. Wir kennen plötzlich Begriffe wie «Fallmortalität». Wir zucken zusammen, wenn wir am Pissoir stehen, weil das gelbe Plastikgitterchen in der Schüssel die Form des Coronavirus hat. Wir stutzen, wenn sich in einem Film zwei Menschen umarmen. Die Kinder finden, der Pompon auf der Kappe sehe aus wie das Coronavirus. Und immer am Mittag um halb eins bekommen wir den Drang, die neusten Zahlen zu checken.

Höchste Zeit, etwas Abstand zu bekommen. Und eine andere biologische Herausforderung zum Thema zu machen.

Ein zerstreuter Kater

Ich sei es gewesen, der eine Katze wollte, sagt meine Frau. Ich erinnere mich. Ich sagte: «Bevor wir uns einen Hund anschaffen, dann noch eher eine Katze.» Irgendwann war der Kater da. Die Kinder hatten ihn sich so gewünscht, da steht man als Vater nicht im Weg.

Ein herzig zerstreuter Kater war es. Ein Käterchen, das wegen seiner Zerstreutheit auf der Quartierstrasse aber nicht lange überlebte. Telefon. Polizei. Tränen. Untröstliche Buben. Untröstlicher Papa. Und der Hinweis von gescheiten Internetpsychologen: Auf keinen Fall gleich wieder eine Katze kaufen! Die Kinder dürfen nicht das Gefühl bekommen, ein Katzenleben sei so ganz einfach ersetzbar.

Weibchen im Doppelpack

Dennoch: Ein halbes Jahr später liegen zwei Katzenmädchen im Körbchen. Von der gleichen Familie wie der zerstreute Kater, die beiden waren nur im Doppelpack zu haben.

Herzig, ja. Aber auch ziemlich bald geschlechtsreif. Operieren, beschneiden? Wir bringen's nicht übers Herz, die Buben flehen uns an.

Na gut. Von mir aus. Ein Wurf. Aber nur einer.

Weiss der Vater-Kater, dass er Kinder hat?

Peep-Show auf der Terrasse. Ein grosser Kater kommt. Und dann noch einer. Und noch einer. Aufklärungsfragen der Kinder: Wo genau? Wie genau? Tut das dem Weibchen weh? Und später, als der Dreifach-Wurf (it's a Boy!, it's a Boy!, it's a Boy!) im Körbchen liegt, kommen weitere Fragen: Wissen die streunenden Kater überhaupt, dass sie Kinder haben? Nein, natürlich nicht. Die sind über alle Berge!

Aber gell, du bleibst, Papa? Ja! Sofern wir die Kätzchen wieder loswerden. Ich stolpere im Dunkeln über ihre kleinen Körper. Jage sie von der Polstergruppe. Vom Esstisch. Greife ein, wenn unser Kleinster sie wieder mit einem Plüschtier verwechselt. Kehre die Wollfäden des Pompons zusammen, den sie in wilder Mission von der Kinderkappe gekratzt haben. Nerve mich über ihre gierigen Blicke, wenn sie wie Haie unter mir zirkulieren und auf die Näpfe warten.

Doch bald ist die Welle überstanden. Nächste Woche wird der Katzennachwuchs abgeholt. Und jetzt, da die Katzenzahlen wieder sinken, merke ich: Ich werde wehmütig. So einfach sind Katzenleben dann doch nicht ersetzbar. Vor allem nicht in Zeiten von Social Distancing.

Der Autor

Ralf Streule lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen (8 Jahre, 6 Jahre und 1 Jahr) in Goldach. «Sie können nur Buben», sagt der Kinderarzt.

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