Kolumne
Papa-Blog: Sappersiech! Wie unsere Kleinen fluchen lernen

Wo haben unsere Buben all diese Fluchwörter her? Vom Pausenplatz, ja. Aber eben auch von Mami und Papi, wir geben es ungern zu. Es ist eine Freude und ein Jammer zugleich, wie unsere Kinder ihre ersten Schritte in der spektakulären Welt der Kraftausdrücke machen.

Ralf Streule
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Schpinnsch?

Schpinnsch?

Fluchen hat seinen Reiz. Unsere Buben jedenfalls haben derzeit eine grosse Vorliebe für nicht salonfähige Ausdrücke. Das fängt mit Harmlosem wie «Blödi Chue» oder «Schpinnsch?» an und hört mit *piip* – ja, eben dort auf, wo es nicht mehr in diesem Blog erwähnt werden darf und in einem Video mit Pfeifton übertönt würde. Als kleines Beispiel dennoch: Kürzlich fand unser Sechsjähriger, sein grösserer Bruder sei ein «blöder Witzer!».

Meine Frau und ich errieten, was er hatte sagen wollen, verzichteten aber geistesgegenwärtig darauf, ihn zu korrigieren.

Kraftausdrücke weglächeln

Oft geht es den Kleinen ja ganz einfach darum auszuprobieren, welche auf dem Pausenplatz gelernten Worte die Eltern in Rage bringen. Darum wäre es wohl aus pädagogischer Sicht das Beste, nie emotional auf Kraftausdrücke zu reagieren, sondern sie wegzulächeln. Doch das geht nicht immer. Wie kürzlich an einem Abend, als wir unsere Buben früher ins Bett steckten, weil sie sich (und noch schlimmer: uns!) *piip* und *piip* an den Kopf warfen.

«Du Politiker du!»

Gutgemeinte Ansätze haben wir ja, um unsere Buben weg vom vulgären hin zum charmanten Fluchen zu führen. Da sind die «Tim und Struppi»-Comics, die unser Achtjähriger derzeit verschlingt, und die dank Kapitän Haddock Anschauungsmaterial an kreativen Kraftausdrücken liefern.

«Hunderttausend jaulende und heulende Höllenhunde» wirkt vielleicht etwas aufgesetzt. Aber warum nicht «Süsswassermatrose!» oder «Salatschnecke!» oder «Amöbe!» oder «Vegetarier!» oder «Politiker!»? Richtig durchsetzen wollen sich Haddocks Vorschläge bei unseren Kindern nicht.

Fluchen lernen von Mami und Papi

Einiges an der Flucherei haben die Buben ja auch von uns gelernt. Und ja, es gibt sie, die Situationen, in denen ich nicht anders kann als zu sirachen. Zum Beispiel, wenn der kleine Daumen unseres Kleinsten auch nach minutenlangem Gewurstel nicht am richtigen Ort im Fausthandschuh landen will. Oder wenn ich zum 398igsten Mal über die breit gespreizten Beine des Ikea-Kinderstuhls stolpere.

Als der Sechsjährige kürzlich «Gopfetami» sagte und ich ihn rügte, erklärte er, dass ich das «G-Wort» gerade eben auch gebraucht hätte. Als vorbildliche Alternative hat meine Frau seit Anbeginn unseres Elterndaseins ein anderes Wort vorgeschlagen: Sapperlot! In der Hoffnung vielleicht, dass die Buben als Teenager irgendwann, im Fansektor des
FC St. Gallen, rufen: «Sapperlot, Schiri!»

Das «Sapperlot» blieb ohne nachhaltigen Erfolg. Vielleicht auch, weil meine Frau in hitzigen Momenten und schwachen Minuten aus dem «Sapperlot» selbst ein «Sappersiech» macht. Zur Freude unserer Buben.

Die entscheidende Frage

An jenem Abend jedenfalls, als die Kinder aus lauter Flucherei früher im Bett landeten, waren sie plötzlich ganz anständig. Und sie stellten mir eine Frage, die mich fast zu Tränen rührte. Warum wir eigentlich noch ein drittes Kind «gemacht» hätten, wenn sie beiden doch so unanständig redeten und wir uns nur aufregen müssten.

Ich sagte, was in einem solchen Moment einfach mal gesagt werden musste: «Weil wir euch gopfetami huere gern haben.» Ich habe die Kinder selten so lachen gehört.

Der Autor

Ralf Streule lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen (8 Jahre, 6 Jahre und 1 Jahr) in Goldach. «Sie können nur Buben», sagt der Kinderarzt.

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