Kolumne

Papa-Blog: «Hast du Fragen zum Thema Schule?» – Über Sinn und Unsinn von Interviews am Mittagstisch

Will man erfahren, was die Kinder gerade in der Schule erleben, muss man manchmal Umwege nehmen. Ein paar Tipps, wie man Gespräche mit Kindern führen kann.

Roger Berhalter
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Manchmal muss der Vater mit dem Sohn zuerst über «Star Wars» reden, bevor er etwas über den Mathe-Test erfährt.

Manchmal muss der Vater mit dem Sohn zuerst über «Star Wars» reden, bevor er etwas über den Mathe-Test erfährt.

Bild: Getty

Irgendwann haben wir damit angefangen, und jetzt kommen wir nicht mehr davon los. Früher fragte ich meinen älteren Sohn oft: «Und, wie wars in der Schule?» Die Antwort fiel meist einsilbig aus: «Gut.» Oder ich wollte wissen: «Was habt ihr heute gelernt?» Und er entgegnete: «Weiss nicht mehr.» Diese Nicht-Gespräche wurden zum Ritual, und ich begann mich schon damit abzufinden, dass ich wohl nie etwas Konkretes aus dem Schulalltag meines Sohnes erfahren würde.

Das macht den ganzen Unterschied

Doch dann lernte ich einen Trick. Statt den Kleinen direkt zur Schule zu befragen, fragte ich ihn zuerst, ob ich Fragen zum Thema Schule stellen dürfe. Klingt komisch, aber das machte den ganzen Unterschied! Denn von da an gab er gerne Auskunft. Jetzt höre ich von meinem Sohn fast täglich: «Hast du Fragen zum Thema Schule?»

Das lässt sich auch auf andere Lebensbereiche anwenden. Nachdem er im Herbstlager war, fragte mein Sohn: «Hast du Fragen zum Lager?» Wenn er im Hallenbad war, heisst es: «Hast du Fragen zum Schwimmen?» Und im November, als er den Dezember kaum erwarten konnte, tönte es: «Hast du Fragen zum Thema Adventskalender?»

Sonst noch Fragen?

Oft finde ich mich am Mittagstisch in einer Art Interviewsituation wieder. Ich frage, mein Sohn antwortet – und kaum halte ich inne, hakt er nach: «Sonst noch Fragen?» Ich wünschte mir, alle Interviewpartner würden sich so gerne ausquetschen lassen, dann wäre mein Journalistenleben um einiges einfacher. Und manchmal würde ich, statt ihn zu interviewen, lieber ein normales Gespräch mit meinem Sohn führen.

Aber es gibt Schlimmeres. Und vor allem: Es geht auch anders. Hier zwei praxiserprobte Tipps, wie man von den eigenen Kindern Persönliches erfährt:

  • Statt Fragen zu stellen, von eigenen Erfahrungen berichten: Manchmal erzähle ich meinen Söhnen davon, wie es früher war in der Primarschule. Was ich selber als Bub erlebt habe, was mich damals gefreut, geärgert oder traurig gemacht hat. Welche Stifte ich in mein Etui packte, welche Sprüche meine Lehrerin machte, welche Fächer ich mochte und welche eher nicht. Das funktioniert immer. Die Kleinen reagieren darauf und erzählen dann von sich – und schon erfährt man Persönliches von den Kindern, ohne danach gefragt zu haben.
  • Gute Momente nutzen: Nicht immer sind Kinder in Erzähllaune. Manchmal aber sprudelt es aus ihnen heraus, und diese Situationen kann man nutzen. Neulich erzählte mir mein Sohn ausführlich von einem Trickfilm, den er gesehen hatte, Szene für Szene. Ich hörte lange zu, wechselte dann aber elegant das Thema – und der Kleine erzählte munter weiter. Manchmal muss man eben zuerst über «Star Wars» reden, bevor man etwas über den Mathe-Test erfährt.

Der Autor

Roger Berhalter lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen (6 und 8 Jahre) in der Stadt St.Gallen. Er teilt sich mit seiner Partnerin die Erwerbs- und Hausarbeit. Am Backofen aber ist er der Chef.

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