Kolumne

Papa-Blog: Diese Musik können Sie mit Kindern hören, ohne durchzudrehen

Musik, die für Kinder gemacht ist, kann die Hölle sein. In der Kinderliederwelt wimmelt es von fiesen Ohrwürmern, Kuschelkitsch und infantilen Texten. Doch es geht auch anders. Hier ein paar Musikempfehlungen, die Kindern gefallen – und Eltern ebenso.

Roger Berhalter
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Gar nicht so einfach, Musik zu finden, die dem Papa und dem Bub gefällt.

Gar nicht so einfach, Musik zu finden, die dem Papa und dem Bub gefällt.

Bild: Getty

Parcels: Eingelullt in Disco-Soul

Die australische Band Parcels ist eine Wohltat für übernächtigte Eltern. Die fünf schneidigen Herren sehen aus, als hätte sie jemand aus den 1970er-Jahren ins Jetzt gebeamt. Und sie klingen auch so. Ihre Musik lullt einen in eine wärmende Decke, unter der man mit Soul und Disco kuscheln kann. Geschmeidiger mehrstimmiger Kopfgesang, sanft pumpendes Schlagzeug, präzis groovende Gitarre und ein gut gelaunter Bass: Ja, so kommen Klein und Gross bestens durch den Tag.

Captain Future Soundtrack: Tanzend neue Welten erobern

Der Hamburger Komponist Christian Bruhn ist für einige der schlimmsten Musikverbrechen der Nachkriegszeit verantwortlich. Ganze Generationen bringen seine Schlager-Ohrwürmer nicht mehr aus dem Kopf (nur ein Beispiel: «Marmor, Stein und Eisen bricht»). Der Mann hat aber auch Gutes bewirkt und so manche Fernsehserie aus meiner Jugend vertont. Unser Familienfavorit: Der Soundtrack zur japanischen Anime-Serie «Captain Future». Hören wir die Retro-Synthesizer-Melodie von «Feinde greifen an», fliegen wir gedanklich durchs All, schwingen die Hüften und erobern tanzend neue Welten.

Marius und die Jagdkapelle: St.Galler Dialekt mit Wurst

OK, ein bisschen traditionelle Kindermusik muss doch noch sein. Da sind wir lokalpatriotisch und halten zum St.Galler Marius Tschirky und seiner Jagdkapelle. Mit dem Album «Radio Waldrand» fing es bei uns an, dann tanzten wir in der «Hirschschnauzdisco», und mittlerweile sind wir bei «Worscht!» angelangt. Die Kinder verstehen's, den Kindern gefällt's und ebenso dem Vater. Denn die Jagdkapelle beweist, dass man für Kinder gute Songs schreiben kann, die auch nach 100 mal Hören nicht nerven.

Trettmann: Reduzierte Beats mit Slangtexten

Der bleiche, stets Sonnenbrille tragende Trettmann aus Leipzig lief bei uns lange im Dauerloop. Vor allem wegen der Beats des Trios Kitschkrieg, das die Lieder aufs Maximale reduziert. Papa geniesst den Bass, die Kinder schnappen ein paar deutsche Liedzeilen auf und sind zufrieden. Wobei, jugendfrei ist das nicht. Trettmann singt von Drogen, Parties und den harten Seiten des (ostdeutschen) Lebens. Aber er benutzt so viele Slangausdrücke, dass die Kleinen kaum etwas verstehen. Passt.

Nubya Garcia: Jazz mit Blick in die Welt

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Kinder mit Jazz anfangen können. Kinder und Jazzmusiker haben eben vieles gemeinsam: Sie sind verspielt und wild, improvisieren gern und drängen stets vorwärts. Vielleicht deshalb können die Kleinen bei fast jeder Art von Jazz sofort andocken. Beim traditionellen Bebop eines Charlie Parker ebenso wie bei der aktuellen jungen Londoner Jazzgeneration. Nehmen wir die britische Saxofonistin Nubya Garcia und ihre grossartige Band. Auf dem neuen Album «SOURCE» ist alles drauf, was Kindern und Eltern gefällt: Groove, Witz, spontane Ausbrüche und etwas Exotik, dank der musikalischen Referenzen an Afrika, Südamerika und die Karibik. Ja, es gibt da draussen noch viel zu entdecken, Kids!

Muckemacher: Sonne und Schokolade

Die Band um Verena Roth und Florian Erlbeck aus Berlin macht richtig gute Laune. Nur schon die Albumtitel: «Kurukuku», «Biri Bababai», «Diggidiggi Bambam». Die Muckemacher machen Kindermusik, die nicht nach Kindermusik klingt, sondern vor allem nach Sommer und Sonne. Zum Beispiel die karibischen Klänge von «Schokolade» oder «Freunde». Solche Lieder lassen die Kinder schmunzeln, und Papa träumt derweil von den nächsten Ferien am Meer.

«State Of Bass – Jungle/D&B classics» (Spotify-Playlist)

Ein bisschen Bassmusik darf in dieser Liste nicht fehlen, zu sehr liebt sie der Papa. Als wir neulich in Quarantäne waren, haben wir viel Oldschool Jungle gehört. Inspiriert vom britischen Musikjournalisten Martin James und dessen neu aufgelegtem Buch «State of Bass». James beschreibt, wie in den Londoner Clubs Anfang der 1990er-Jahre eine neue Musikrichtung entstand, die heute als Drum'n'Bass bekannt ist. Es gibt dazu eine gute Spotify-Playlist von James' Verlag Velocity Press, die einige fast 30-jährige Clubklassiker enthält. Damals gehörte diese Musik zum Härtesten und Düstersten, was das elektronische Nachtleben hergab. Doch die Welt hat sich weitergedreht, unsere Ohren haben sich an vieles gewöhnt. Heute kann man diese Beats gut tagsüber mit den Kindern hören.

P.S. Bald steht wieder Weihnachten vor der Tür, deshalb noch zwei Musiktips zum Frohen Fest: «Christmas in Dub» von Dub Spencer & Trance Hill sowie «Still! Still! Still!» von der Jazzrausch Bigband.

Der Autor

Roger Berhalter lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen (6 und 8 Jahre) in der Stadt St.Gallen. Er teilt sich mit seiner Partnerin die Erwerbs- und Hausarbeit. Am Backofen aber ist er der Chef.

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