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Kolumne

Papa-Blog: Auf Kinder verzichten wegen des Klimas? Was für ein Unsinn!

Radikale Umweltschützer sagen, es sei unverantwortlich, Kinder in die Welt zu setzen. Diese würden das Klima viel stärker
belasten als das Fliegen oder das Fleischessen.
Jürg Ackermann
Werfen Kinder nur Schatten in die Zukunft? Die Antinatalisten meinen Ja.

Werfen Kinder nur Schatten in die Zukunft? Die Antinatalisten meinen Ja.

Wenn es ums Klima geht, wird es schnell ideologisch. In der Tat ist die Lage ja ziemlich ernst. Das hat diese Woche auch der neueste Bericht des Weltklimarats wieder gezeigt. Seit einiger Zeit wird deshalb darüber diskutiert, ob neben den Flugzeugen oder den exzessiven Fleischessern auch die Kinder zu den grössten Klima-Killern zählen.

Verfechter dieser Theorie sagen, die Kinderlosigkeit sei der grösstmögliche individuelle Beitrag an den Klimaschutz. Fast 60 Tonnen Co2 kann gemäss diversen (abenteuerlichen) Berechnungen einsparen, wer auf eine Kind verzichtet. Und das jedes Jahr. Darin eingerechnet sind auch nicht-geborene künftige Generationen, weil sich das nicht-geborene Kind logischerweise auch nicht fortpflanzen kann. Aufs Auto zu verzichten bringt gemäss diesen Berechnungen in der persönlichen Emissions-Bilanz über 20mal weniger ein.

Hinter dieser Theorie stehen vor allem sogenannte Antinatalisten. Sie sind nicht gerade bekannt für ihre Lebensfreude. Im Endeffekt meinen sie, das Leben verursache zu viel Leid. Es wäre besser, wir wären alle gar nie geboren worden. Der Klimawandel als Auffangbecken für ihre pessimistische Weltsicht kommt ihnen da wie gerufen.

Die Bevölkerung wächst bald nur noch in Afrika

Was soll man von diesen Theorien halten? Ist es angesichts des Klimawandels moralisch tatsächlich verwerflich, Kinder in die Welt zu setzen? Nein! Gründe dafür gibt es viele. Fangen wir bei den Bevölkerungszahlen an.

Die weisen mittlerweile in vielen Ländern gegen unten. Europa schrumpft, Asien schrumpft, Amerika wohl bald auch. Das zeigen die neuesten Bevölkerungsstatistiken der UNO eindrücklich. Der Grund ist immer der Gleiche: Familien, die es zu einem gewissen Wohlstand gebracht haben, haben in der Regel weniger Kinder. Mit dem Bildungsstand der Frauen sinkt deren Geburtenrate. Egal in welcher Weltgegend.

Prinz Harry pflanzt einen Baum in Botswana. Auch der Royal will wegen des Klimawandels darauf verzichten, viele Kinder in die Welt zu setzen, wie er und Herzogin Meghan Markle in Interviews immer wieder betonten. (Bild: AP)

Prinz Harry pflanzt einen Baum in Botswana. Auch der Royal will wegen des Klimawandels darauf verzichten, viele Kinder in die Welt zu setzen, wie er und Herzogin Meghan Markle in Interviews immer wieder betonten. (Bild: AP)

Bald wird die Bevölkerung nur noch in Afrika wachsen, von heute 1,3 auf möglicherweise bis zu 4 Milliarden bis ins Jahr 2100. Diese Zunahme ist dramatisch, doch auch hier wird irgendwann eintreffen, was in Europa und Asien passierte. Das zeigen die Geburtenziffern aus Addis Abeba, der aufstrebenden Hauptstadt Äthiopiens. Dort gebären die Frauen schon jetzt ungefähr gleich viele Kinder wie Frauen in der Schweiz.

Weil irgendwann auch in Afrika die Bevölkerung nicht mehr wachsen wird, gehen einzelne Wissenschafter sogar davon aus, dass die Weltbevölkerung im Jahr 2200 nur noch drei bis vier Milliarden Menschen umfassen könnte, die angesichts der politischen Entwicklung und des technischen Fortschritts mit grosser Wahrscheinlichkeit gänzlich auf Co2-Emissionen verzichten. Der Grund: Weil weniger Kinder zur Welt kommen, gibt es auch weniger potenzielle Eltern. Dies führt zu einem sich selbst verstärkenden negativen Effekt.

Wir retten das Klima für unsere Kinder

Der zweite gewichtige Grund, der gegen die Theorie der Antinatalisten spricht, ist ein philosophischer: Für was wollen wir denn das Klima retten, wenn nicht für unsere Kinder? Einem von Menschen ausgestorbenen Planeten wäre es relativ egal, ob die Temperatur um zwei, drei oder vier Grad steigt. Auch wenn es ein einigermassen egoistischer Gedanke ist: Der Mensch schützt die Natur vor allem auch darum, damit er gut und nachhaltig auf der Erde leben kann.

Anstatt in kruden Weltuntergangsszenarien die Kinderlosigkeit als grössten Beitrag gegen den Klimawandel zu zelebrieren, sollten wir uns deshalb besser auf anderes konzentrieren. Beispielsweise darauf, künftigen Generationen alles mit auf den Weg zu geben, damit diese in einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Welt aufwachsen können.

Dazu gehört es natürlich auch, die Kinder darauf hinzuweisen, dass die Ressourcen endlich sind, dass es darauf ankommt, wie man sein Haus beheizt, dass man beim derzeitigen Stand der Technik nicht unbedingt zwei Mal im Jahr nach Übersee fliegen sollte, um seinen persönlichen Co2-Abdruck in einem vernünftigen Rahmen zu halten.

Was wäre, wenn sich Gretas Eltern für Kinderlosigkeit entschieden hätten?

Auch der dritte gewichtige Grund, der gegen die Theorie der Antinatalisten spricht, ist vor allem ein philosophischer. Kinder zu bekommen, ist einer der intimsten und folgenreichsten Entscheidungen, die man im Leben überhaupt treffen kann. In kaum einem Moment des Lebens ist die Anteilnahme so gross, wie wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt.

Mal abgesehen davon, dass es ziemlich entwürdigend ist, Neugeborene auf eine simple Zahl von 60 Tonnen Co2-Ausstoss pro Jahr zu reduzieren, sind Kinder bei allen Strapazen, die man als Eltern durchmacht, in erster Linie ein grosses Glück, Sinngeber auch. Mit einer Zukunft vor sich, in der sie hoffentlich noch viele Wege gehen können. Wo sie auf Ideen – auch im Umweltschutz! – kommen werden, die wir uns noch gar nicht vorstellen können, und wo sie dereinst für ihre Ideale und Visionen kämpfen werden wie heute Greta Thunberg.

Hätten sich deren Eltern in Schweden vor 17 Jahren die Gedanken der Antinatalisten zu eigen gemacht und sich für die Kinderlosigkeit entschieden – wer weiss, was dann wäre. Wir stünden im Kampf gegen den Klimawandel aber sicher nicht dort, wo wir heute stehen.

Jürg Ackermann lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen (8 und 5) in St. Gallen.

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