Bescherung
Ostern als zweite Weihnachten: In Spielwarenhäusern klingeln derzeit die Kassen

Schweizer Spielwarengeschäfte profitieren von der Osterzeit. Es wird fleissig geschenkt. Fast wie zur Adventszeit. Warum das für Kinder nicht unbedingt schlecht sein muss.

Riccardo Castellano
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Oft liegen in den Osternestchen auch grössere Geschenke – zur Freude der Spielwarengeschäfte.

Oft liegen in den Osternestchen auch grössere Geschenke – zur Freude der Spielwarengeschäfte.

Keystone

Sorgfältig verpackte Geschenke werden verteilt, die Familie ist versammelt und lächelt über den Anblick der freudestrahlenden Kinderaugen. Eine festliche, weihnachtliche Szene, will man meinen. Doch statt dem ersten Schnee fallen die ersten warmen Sonnenstrahlen ins Haus, anstatt Lichterketten und Schneemänner findet man dekorative Körbe und bemalte Eier an den Fenstern der Wohnhäuser.

Bei vielen Familien ist Ostern zur zweiten Weihnacht geworden. Es bleibt nicht mehr nur beim Eier suchen und Schoggihasen essen. Oft liegen in den Osternestchen auch grössere Geschenke – zur Freude der Spielwarengeschäfte.

Ostern sei ein Saisonhöhepunkt im Spielzeughandel, sagt Franz Schweighofer, Verkaufsleiter von «Toys ’R’ Us»: «In den Wochen vor Ostern werden deutlich mehr Geschenke gekauft.» Der Schwerpunkt liege in den Outdoor-Sortimenten: Velos, Dreiräder, Gokarts, Rutschen, Elektrofahrzeuge und Sandspielzeug gingen en masse vom Ladentisch. Im Vergleich zu Weihnachten sei die Ostersaison kürzer und schwächer ausgeprägt, aber trotzdem eine sehr wichtige Zeit für den Spielzeugdetailhandel, so Schweighofer.

Auch bei Franz Carl Weber bedeutender Event

Auch für den Spielwarenspezialisten Franz Carl Weber ist Ostern ein bedeutender Event. «Ostern wird von Eltern oder Grosseltern gerne als Gelegenheit genommen den Kindern, respektive Enkeln, etwas zu schenken», so Gisela Cronenberg, Marketingleiterin bei Franz Carl Weber.

Der Franz Carl Weber an der Bahnhofstrasse in Aarau. (Archiv) Eroeffnung der Franz Carl weber Filiale an der Bahnhofstrasse in Aarau bei Meissner Buecher Thalia. Aufgenommen am 23. Oktober 2015 in Aarau.

Der Franz Carl Weber an der Bahnhofstrasse in Aarau. (Archiv) Eroeffnung der Franz Carl weber Filiale an der Bahnhofstrasse in Aarau bei Meissner Buecher Thalia. Aufgenommen am 23. Oktober 2015 in Aarau.

Chris Iseli

Für das Unternehmen sei Ostern eine gute Gelegenheit emotional aufzutreten. Das Marketing habe daher dieses Jahr alle Geschütze hochgefahren. Es gebe zahlreichere und werbeintensivere Promotionen wie beispielsweise Wettbewerbe. Und natürlich sind die Läden selber österlich dekoriert.

Doch nicht nur in den Fachgeschäften scheint Ostern eine beliebte Saison zu sein, auch für die grösste Warenhauskette der Schweiz, Manor, ist es ein Highlight des Jahres, sagt Mediensprecherin Elle Steinbrecher: «Kleine Geschenke neben den traditionellen süssen Osterüberraschungen sind durchaus üblich.»

Die Aktivitäten seien für das Osterfest entsprechend verstärkt worden. Manor hat vor Ostern sogar mit einem für Kinder abgestimmten Spielzeugkatalog geworben – so wie das in der Adventszeit Tradition hat.

Kein schlechtes Omen

Die Kinder selber freuen sich natürlich über ein geschenkbepacktes Frühjahr. Wer möchte so kurz nach Weihnachten nicht noch einmal beschert werden? Dagegen sei ja nichts einzuwenden, meint Erziehungswissenschafterin Eveline von Arx. «Wünsche zu haben ist etwas Schönes, und die Kinder haben sich im Februar oder März sicherlich welche zurechtgelegt. Die Kinder müssen aber auch lernen mal länger für etwas warten zu müssen.»

Denn die Krux mit dem Konsum sei ja: Je mehr man bereits erhalten hat, desto mehr Neues will man. Wenn die Kinder dauernd etwas bekommen ist die Freude an neuem irgendwann abgestumpft.

Die Vorfreude sei ein wichtiges Gefühl, welches bei Kindern bewahrt werden sollte, findet die Erziehungswissenschafterin. Vor allem wenn die unbeschenkten Kinder über die Präsente ihrer Mitschüler reden und selber welche wollen, sollten die Eltern selbstbewusst und standhaft bleiben. Manchmal sei es besser, bis zum Geburtstag zu warten.

Doch das ist nicht immer einfach. Und oft machen Eltern ihren Kindern halt auch mal gerne eine kleinere oder grösserer Freude. Für Milena Z. aus Oftringen, Mutter von zwei Kindern, ist das Osterfest normalerweise kein Anlass für grosse Geschenke: «Geschenke sind eigentlich nur an Weihnachten und Geburtstagen ein Thema. An Ostern gab es bisher nur ein Körbchen mit Schoggihasen.» Dieses Jahr bot sich aber ausnahmsweise auch an, einen schon längeren Wunsch des 12-jährigen Sohnes zu erfüllen. Er erhält neben dem Körbchen ein Gamepad für seinen Computer. Na dann, Frohe Osternachten!

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