On y va

…Ein St. Galler in Fribourg oder was Che Guevara mit Bier zu tun hat… «On y va! Il faut supporter Cardinal!», rief ich begeistert meinen Mitbewohnern zu.

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…Ein St. Galler in Fribourg oder was Che Guevara mit Bier zu tun hat…

«On y va! Il faut supporter Cardinal!», rief ich begeistert meinen Mitbewohnern zu. Die Freiburger Stadtbrauerei soll geschlossen werden und mir schien es, als komme dies einem Wink des Schicksals gleich, Farbe zu bekennen. Ich fühlte mich betrübt in meinem lokalpatriotischen, neofribourgensischen Studenten-Dasein und wollte meine «colocataires» von der Wichtigkeit der Demo überzeugen.

Vor allem Roberto mit seiner Che-Guevara-Mähne sollte, so dachte ich, solch einem Vorhaben nicht abgeneigt sein. «Je bois Feldschlosschen», war seine lapidare, italo-französisch gesäuselte Antwort. «Asozialer Naturwissenschaftler», schoss es mir durch den Kopf. Also versuchte ich mein Glück bei den beiden Geisteswissenschaftlerinnen meiner WG, die bei Robertos Charme immer dahinschmelzen. «Venez-vous avec moi? Il faut supporter Cardinal!»

Die eine antwortete: « Je ne bois pas d'alcohol.» Die andere: «Je suis fatigué.» Ich versuchte sie noch an ihr moralisches Gewissen zu erinnern. Man könne doch nicht einfach den Kopf in den Sand stecken, wenn Grosskonzerne unschuldigen Freiburgern eben diesen absägen. Es half schliesslich nichts, und so zückte ich entnervt mein gelbes Käppi und zog von dannen, um mich meinen Gesinnungsgenossen der Cardinaldemo anzuschliessen.

Ich musste feststellen, dass mir die ganze Sache ohne meine Mitbewohner nur halb so viel Spass machte. Aber es ging ja ums Prinzip. Als ich am Abend leicht angeheitert wieder in die Wohnung torkelte, erblickte ich Roberto flankiert von den Damen auf dem Sofa sitzend. «Il faut supporter Cardinal!», rief er mir zu und genehmigte sich genüsslich einen grossen Schluck von meinem letzten Schützengarten-Bier.

Leandro Borasio