On y va

...Ein St. Galler lernt auf dem Weg nach Freiburg, dass Schlafen im Zug eine schlechte Idee ist... «Nächster Halt Gossau» tönt es aus den Lautsprechern. Ich sitze im Zug und die Lichter schwirren an mir vorbei, als wären es hyperaktive Glühwürmchen auf Speed.

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...Ein St. Galler lernt auf dem Weg nach Freiburg, dass Schlafen im Zug eine schlechte Idee ist...

«Nächster Halt Gossau» tönt es aus den Lautsprechern. Ich sitze im Zug und die Lichter schwirren an mir vorbei, als wären es hyperaktive Glühwürmchen auf Speed. Es sind Semesterferien und ich habe die Feiertage in St. Gallen verbracht. Nun fahre ich zurück nach Freiburg.

Ich denke an mein erstes Semester an der Uni, an die vielen neuen Gesichter die ich kennengelernt habe, die tollen Parties, die ich gefeiert habe und natürlich an meine Mitbewohner. Was macht wohl Roberto in den Ferien? Dumme Frage. Welche Frau ist ihm wohl jetzt verfallen? Schon besser. Und meine zwei Frauen? Jetzt können sie mich ja nicht ermahnen meine Musik leiser zu stellen oder meine Teller endlich abzuwaschen. Was machen die nur ohne mich?

«Nächster Halt Zürich.» Ja, die Grossstadt, die Türme ragen in den Himmel und versuchen sich gegenseitig im Wolken-kratzen zu überbieten. Stumm, regungslos aber golden illuminiert stehen sie da. Es wäre herrlich, jetzt auf einem dieser monströsen Dingern zu stehen. Einfach der Nacht zu lauschen und die Abgase zu inhalieren, um danach benebelt im Nebel nach Hause zu spazieren.

«Alli Billet, bitte!» Kein Problem. Griff in die linke Jackentasche. Ok, falsche Seite. Rechte Tasche, Gleis 7 zeigen und lächeln. «Danke», «Bitte».

«Nächster Halt Olten.» Hat es noch Schnee in Freiburg? Habe ich alles dabei? Der Gedanke daran mein Ladegerät fürs Handy in meinem Zimmer liegen gelassen zu haben, quält mich so sehr, dass ich den Inhalt meines Koffers auf den Sitzen verteile. Da bist du! In der Seitentasche. Noch eine Stunde bis Freiburg, und ich langweile mich. Etwas schlafen, das ist jetzt genau das Richtige.

Gute Nacht Leandro. Einige Zeit später weckt mich der Kondukteur. «Prochain arrêt Genève», tönt es aus den Lautsprechern.

Leandro Borasio