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Nur mit Schuhlöffel

Gestern trafen sich die Fans des Rollermobils in Magdenau. Dabei war auch eine Isetta mit Campinganhänger.
Michael Hug
Kleines Vehikel auf grosser Reise: Peter Fitze und seine Isetta samt Anhänger gestern beim Treffen der Rollermobil-Experten. (Bild: Michael Hug)

Kleines Vehikel auf grosser Reise: Peter Fitze und seine Isetta samt Anhänger gestern beim Treffen der Rollermobil-Experten. (Bild: Michael Hug)

Diese Dreiräder sind kein Kinderspielzeug. Obwohl sie nicht viel grösser sind als das «Velöli», das man als Kind mal besessen und geliebt hat. Geliebt werden diese Art Dreiräder auch, und zwar heiss. Liebevoll gepflegt und gehätschelt – und das hat seinen Grund: Sie sind alle um ein halbes Jahrhundert alt und rar wie Silberfünfliber.

Jahrelang bekniet

Eins der Dreiräder, das gestern beim Treffen des Schweizer Rollermobil-Clubs in Magdenau besonders viel Aufsehen erregt hat, ist eine BMW-Isetta.

«300 Kubikzentimeter Hubraum, Spitze 85 Kilometer pro Stunde», erklärt ihr Besitzer Peter Fitze aus Stein stolz. Seit zehn Jahren besitzt er sie, hat sie total zerlegt, revidiert und wieder zusammengesetzt: «Sie hat einem alten Mann aus Bruggen gehört. Ich habe ihn sieben Jahre lang bekniet, sie mir zu verkaufen.» Schon als Bub habe er sich in diese himmelblaue Isetta des Nachbarn verliebt.

Auch als er nach Stein gezogen sei, habe er die Isetta nie aus den Augen verloren. Gross war dann die Freude, als der Besitzer mit 80 Jahren das Autofahren aufgab. «Er hat sich eines Tages eine Beule in der Türe geholt. Das sei genug, meinte er und verkaufte mir endlich die Isetta.» 5000 Franken hat Fitze dafür auf den Tisch legen müssen. Bekam aber im Paket zwei Motoren und eine ganze Werkstatt voller Ersatzteile.

Was alleweil von Nutzen ist, denn Originalteile für eine dreirädrige Isetta und Messerschmitt muss man sich auf dem Rollermobil-Flohmarkt zusammensuchen.

Auto für Normalverdiener

«Rollermobile sind Kleinwagen, im speziellen die Dreiräder», sagt der Degersheimer Messerschmidt-Besitzer Heinz Kronauer. «Für diese Fahrzeuge entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein riesiger Bedarf, weil sich Normalverdiener keine der damals gebauten Autos leisten konnten.

» Warum die drolligen Fahrzeuge nur drei Räder besitzen, hatte ausschliesslich Steuergründe: Dreiräder galten als Motorräder.

Kronauer weiter: «Ausserdem brauchte die Industrie Arbeit, nachdem ihr das Flugzeugbauen von den Alliierten verboten wurde.» Darum sieht eine Messerschmitt ein wenig aus wie ein Kleinflugzeug.

Und eine Isetta wie ein Kühlschrank. Dazu meint Peter Fitze: «Die Isetta-Herstellerin in Italien produzierte auch Kühlschränke. Es lag nahe, dass man den Einstieg ins Auto wie eine Kühlschranktüre auf der Vorderseite baute.»

Mit BMW-Motor bekam der fahrende Kühlschrank in der Schweiz das weisse Nummernschild, was heisst, dass er auch auf die Autobahn darf. «Für das Strassenverkehrsamt ist es ein Motorrad mit Seitenwagen.

Deshalb braucht es dafür die Motorradprüfung, ein normaler Autofahrer dürfte dieses Fahrzeug gar nicht lenken», schmunzelt Fitze.

Schlafplätze, amtl. bew.

Geschmunzelt wird beim Anblick von Fitzes Gespann allenthalben. Der Schreiner hat sich für seine Isetta einen Campinganhänger gebaut. «Zwei Schlafplätze, Kühlfach, 130 Kilogramm schwer und amtlich zugelassen.» Da frotzelt ein Passant: «Aber Probeliegen geht nur mit Schuhlöffel!»

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