Nur für Moslems, nur für Frauen

Die meisten Banken nehmen jedermann als Kunden. Manche Finanzinstitute wählen ihre Zielgruppe aber nach der Religion oder dem Geschlecht aus.

Roger Berhalter
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Goldschmuck, türkisches Gebäck und Brautkleider. In Mannheims türkischen Geschäften finden viele Familien aus der Stadt das, was sie suchen. Die Kuveyt Türk Beteiligungsbank mit Sitz in Istanbul und Kuwait richtet sich genau an diese muslimischen Kunden, um deren Geld zu verwalten.

Im März will die Bank in Mannheim ihre erste deutsche Filiale eröffnen und Geldgeschäfte anbieten, die sich nach den islamischen Religionsgesetzen – der Sharia – richten.

Konkret heisst das: Zinsen sind verboten, nur Gebühren sind erlaubt, und kein Geld fliesst in Firmen, die mit Alkohol, Waffen oder Schweinefleisch Geschäfte machen.

Rein juristische Kriterien

Noch gibt es in der Schweiz keine vergleichbare Finanzinstitution. Das sogenannte Islamic Banking ist bei uns erst in Form von Sharia-konformen Anlagemöglichkeiten angekommen.

Man kann also zwar in entsprechende Finanzprodukte investieren, aber nicht Kunde einer nach islamischen Grundsätzen geführten Bank werden. Weder bei der Schweizerischen Bankiervereinigung noch bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) weiss man von einer islamischen Bank in der Schweiz.

Rechtlich stünde dem Islamic Banking allerdings nichts im Weg.

«Es sind rein juristische und wirtschaftliche Kriterien, die wir prüfen», sagt Finma-Mediensprecher Tobias Lux. Diese müssten erfüllt sein. Die religiöse oder ethische Ausrichtung einer Bank dagegen beurteile die Aufsichtsbehörde im Rahmen des Bewilligungsverfahrens nicht.

Wer eine Bank eröffnen will, muss der Finma vieles mitteilen: Wie sieht der Geschäftsplan und das Budget für die ersten drei Jahre aus? Wie lautet die Strategie? Welche Personen sitzen in der Geschäftsleitung?

Welche Kenntnisse über das Finanzgeschäft haben sie? Wie sieht das Organigramm aus? Auch die «Art der anvisierten Kundschaft» muss man angeben, allerdings nicht begründen.

Weniger Risiko

Auch in der Schweiz wäre also möglich, was in München schon Realität ist: eine Bank für Frauen. Die «Frauenvermögensverwaltung AG» versteht sich als «Finanzdienstleistungsunternehmen, das ganz speziell auf die Bedürfnisse und Wünsche von Frauen ausgerichtet ist».

Konkret heisst das für die Anlegerinnen: weniger Risiko, weniger Rendite, dafür mehr Sicherheit.

«Pink Money» fördern

Die deutsche «Völklinger Bank» will ihre Kunden sogar nach sexueller Ausrichtung auswählen und versteht sich als Bank für Lesben und Schwule. Ziel sei «die ökonomische Stärkung von <Pink Money> und damit der Förderung der gesamten Gay Community», heisst es auf der Website der virtuellen Bank.

Noch handelt es sich bei der «Völklinger Bank» erst um eine Idee, allerdings mit seriösem Hintergrund. Auch die Zürcher Kantonalbank richtet sich mit ihrer Werbung seit kurzem an homosexuelle Paare und arbeitet als einzige Bank der Schweiz mit Schwulen- und Lesbenorganisationen zusammen.

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