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Notebook statt Etui

Digitale Schule Die digitale Entwicklung macht vor der Schulzimmertüre nicht halt. Gestern hat die Kantonsschule am Brühl mit Notebook-Klassen gestartet. In diesem Pilotprojekt benutzen die Schüler ihr privates Notebook während des Unterrichts. Die Kantonsschule Kreuzlingen macht ebenfalls einen solchen Versuch. Bruno Knellwolf
Viele Fragen in der ersten Lektion der neuen «Notebook-Klasse» an der Kantonsschule am Brühl in St. Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Viele Fragen in der ersten Lektion der neuen «Notebook-Klasse» an der Kantonsschule am Brühl in St. Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die liebe Technik – versagt genau in der ersten Stunde. Soeben haben alle Mittelschülerinnen und Mittelschüler der WMS-Klasse an der Kantonsschule am Brühl in St. Gallen ihr Notebook aufgeklappt, um sich nach Anweisung der Informatiklehrerin Renée Lechner ins Netz der Schule einzuloggen. Doch das Notebook einer Schülerin streikt. «Ein Kurzschluss», erklärt Fredy Zwicker vom Support, der gleich den Akku des Computers demontiert, um diesen in seiner Werkstatt zu reparieren.

Mit privatem Notebook

Gestern ist das Pilotprojekt Notebook-Klassen gestartet worden. Wie Primarschüler im Schulzimmer ihr Etui, legen die Schülerinnen und Schüler dieser Mittelschule in ihrem zweiten Semester nun ihr Notebook auf den Schulpult. Und wie das Etui gehört der Computer nicht der Schule, sondern dem Schüler – mit all seinen Programmen, Mails und Links zu sozialen Netzwerken drauf.

Ohne schlechtes Gewissen dürfen die Mittelschülerinnen nun während des Unterrichts ihre Laptops aufgeklappt halten. Auf den ersten Blick wirkt die Klasse mit ihren hinter den Klappen versunkenen Gesichtern etwas eigenartig. Doch die Digitalisierung macht nicht vor der Schulzimmertüre halt und ist für Renée Lechner und Prorektor David Keller der zeitgemässe Weg zu neuen Unterrichtsformen. Ein in der Lehrerschaft sehr akzeptierter Weg, wie beide sagen. Am letzten Konvent habe sich kaum jemand gegen dieses Pilotprojekt ausgesprochen.

An der Kantonsschule am Brühl hat man bereits Erfahrungen mit Laptops im Schulzimmer. Allerdings nur bei sogenannten WMI-Klassen, für welche die Informatik Schwerpunkt des Lehrplans ist. Neu werden nun Schüler mit Notebooks in die Schule kommen, die sprachlich ausgerichtet sind und für die der Computer somit Mittel zum Zweck ist.

Die Mittelschüler sind verpflichtet, selbst ein Notebook zu kaufen, welches modern genug ist, um gewissen Windows-basierten Leistungsansprüchen zu genügen.

Keine Spiele herunterladen

Um 8.30 Uhr beginnt schliesslich der Notebook-Tag mit einem Referat über die Benutzerordnung. Denn die vernetzte digitale Welt ruft nach Ordnung. «Wir wollen nicht, dass Sie Spiele in der Schule herunterladen», sagt Projektleiterin Renée Lechner. «Wir überwachen das System», erklärt sie und zeigt über den Beamer auf der Leinwand, wie die Aktivitäten der Schüler überwacht werden können. «Wenn Sie spielen möchten, machen Sie das zu Hause», sagt die Informatiklehrkraft und droht bei Widerhandlung Sanktionen an. Tatsächlich ist die Verlockung gross, schnell auf Facebook zu gehen während des Unterrichts.

Keine Angst, dass die Ablenkung durch den privaten Computer vor der Nase zu gross ist? Wenn einer in einer Fünfminutenpause schnell sein Facebook checke, sei das kein Problem. «Macht er das während des Unterrichts, fliegt er raus», sagt die Informatiklehrerin. Früher habe sie in bestimmten Momenten verlangt, dass die Schüler die Deckel runterklappen. Das gehe heute nicht mehr, weil sie darauf ihre Notizen machten. Wenn sie aber bemerke, dass es an Aufmerksamkeit fehle, lasse sie die Notebooks schliessen.

«Ich unterrichte Deutsch und Geschichte und werde das Notebook auch einsetzen, aber natürlich nicht dauernd», sagt Keller. Aber gerade im Fach Geschichte könne der Zugang zum Internet sehr hilfreich sein für Recherchearbeiten. Entscheidend bereichert durch die digitale Entwicklung werde der Geographieunterricht, wie sich bei WMI-Klassen gezeigt habe. Digitale Karten, Satellitenbilder, geographische Informationssysteme können leicht in den Unterricht eingebaut werden. Oder im Sprachenunterricht dank Aussprachetools: «So, wie es früher die Idee des Sprachlabors war», sagt David Keller.

Lebensrealität der Schüler

Aber in erster Linie sei es Aufgabe der Lehrkraft, den Einsatz der privaten Notebooks zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass die Gefahr der Ablenkung gebannt werde. Und wie steht es um die Gefahr des Internets, als Hort von unverifiziertem Schund und dubioser Verschwörungstheorien, unkontrollierbar in seiner Schnelllebigkeit? «Der Computer ist eine Lebensrealität der Jugendlichen. Die Schule muss die digitale Welt aufgreifen. Und das mit einem Gerät, das die Schüler auch in der Freizeit brauchen», sagt Keller. Dann sei auch eine kritische Auseinandersetzung mit der digitalen Welt möglich. «Ich werde deswegen nicht auf Lehrbücher verzichten. Das Notebook ist eine Ergänzung», erklärt Keller. Mit dieser digitalen Entwicklung werde die Medienkompetenz gestärkt, glaubt Lechner.

Derweil geht die erste Stunde mit dem Notebook zu Ende, in der Aula wird darauf erklärt, wie man den Druckerzugang einrichtet, was in die Aufgabe für die zweite Lektion mündet. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Bemerkung Lechners, dass Jugendliche zwar immer mehr digitale Geräte besässen, diese aber immer schlechter bedienen könnten. «Viele wissen beispielsweise nicht, wie man die Favoriten auf dem Internet Explorer einrichtet.» An dieser Schule sind solche Kenntnisse nun gefragt. Informiert wird über E-Mail, Absenzen und Kalender werden digital verwaltet.

Erfahrungen aus Kreuzlingen

Bereits zu Beginn dieses Schuljahres im August 2011 hat die Kantonsschule Kreuzlingen das Pilotprojekt «Net-/Notebooks für alle» gestartet. Darin müssen alle eintretenden Schüler im Besitz eines Notebooks sein. Vorderhand ist es gemäss Projektleiterin Eva Büchi ein einjähriger für den Kanton Thurgau einzigartiger Versuch, mit dem die Schüler den Laptop als Arbeitsinstrument kennenlernen und anwenden sollen. «Digitalen Unterricht» gibt es in Kreuzlingen aber schon seit vier Jahren. Seither wird mit einer Klasse pro Jahrgang eine Notebook-Klasse geführt.

Zwar rechnen Lechner und Keller nicht damit, dass das Notebook in Kürze auf jedem Pult einer Volksschule stehen wird. Aber in einigen Sekundarschulen wird über digitale Wandtafeln, sogenannte «Smart Boards», der schnelle Griff ins Internet bereits täglich praktiziert.

Projektleiterin Renée Lechner. (Bild: Hanspeter Schiess)

Projektleiterin Renée Lechner. (Bild: Hanspeter Schiess)

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